Ausgequetscht: Wetterfee und Frühstücksfernsehen-Moderator Bernd Fuchs

Bernd Fuchs ist Moderator beim Frühstücksfernsehen „Guten Morgen, Deutschland“ und „Wetterfee“ bei RTL. In Köln moderierte er bereits im zweiten Jahr das Programm auf der Hauptbühne beim Cologne Pride.

Wie bist du zum Fernsehen und zur Moderation gekommen?
Ich habe früher mit BWL angefangen, danach Diplompädagogik studiert. Um das zu finanzieren, habe ich als Redaktionsassistent beim WDR Sendungen wie „Der 7. Sinn“, „Ratgeber Heim & Garten“, „Tiere suchen ein Zuhause“ und „Es grünt so grün“ gemacht. Das war eine sehr schöne Zeit. Dann habe ich eine Zeit lang Öffentlichkeitsarbeit gemacht und bin danach zu VOX gewechselt, wo ich für den Pressespiegel recherchiert habe. Dort bekam ich meine erste Moderation in der Single-Show „Heartbeat“. Das war eine sogenannte Kuppelshow, die lange vor „Herzblatt“ ihrer Zeit weit voraus war. Man schickte Videos ein, auf denen man sich 90 Sekunden lang so vorstellte, wie man wollte; das war lustig und wir hatten eine Superquote. Als sich dann der Redakteur dieser Sendung bei RTL bewarb, hat er mich gleich mitgenommen.

Es ist nicht gelogen, wenn wir behaupten, dass du morgens schon in unserem Schlafzimmer stehst, bevor wir überhaupt richtig wach sind.
Ja, zumindest wenn da der Fernseher läuft. Ich habe in der Sendung „Guten Morgen, Deutschland“ mit dem Wetter angefangen, jetzt liegt der Schwerpunkt eindeutig bei der Moderation. Den Wettermann mache ich noch bei „RTL aktuell“ in Vertretung für den Kollegen Christian Häckl und am Wochenende in Zusammenarbeit mit Maxi Biewer.

Wenn andere anfangen zu feiern, gehst du ins Bett – hat man da noch soziale Kontakte?
Das ist für den Freundeskreis eine echte Herausforderung. Mein Wecker klingelt um 1:45 Uhr nachts, dann brauche ich zwei Tassen Kaffee und um 3:00 Uhr sitzen wir fröhlich am Schreibtisch, schauen Beiträge an, schreiben unsere Moderation und bereiten uns auf unsere Gäste vor. Nach der Sendung gegen 11:00 Uhr habe ich frei, eine Zeit, wo die Freunde arbeiten. Ab 18:00 Uhr, wenn die Freunde ihre Freizeit beginnen, heißt es für mich Schlafenszeit. Im Sommer ist es eine echte Herausforderung, mal nicht mit in den Biergarten gehen zu können. Einige Freunde trauen sich schon gar nicht mehr, anzurufen.

Alle reden vom Wetter, du bist doch ein Fuchs: Braucht man in Zeiten von Wetter-Apps noch Wettermoderatoren?
Extrem, denn jede dieser Apps sind nach einem Wettermodell automatisiert. Wenn Meterologen dahinter sind, treffen Menschen die Entscheidungen, denen verschiedene Wetterdaten zur Verfügung stehen. Deswegen liegen wir oftmals richtig und werden von den Zuschauern sehr gut angenommen.

Was hältst du selber vom diesjährigen Wetter?
Wettermoderatoren wissen ja viel mehr, als nur das Wetter in der Region. An der Küste war es einer der besten Sommer der letzten Jahre überhaupt, im Gegensatz zum Süden: In Bayern war's grauenhaft. Ich persönlich fand den Sommer im Kölner Raum zu drückend und zu schwül. Ich habe so viel geschwitzt wie noch nie, aber ich brauchte auch kaum meinen Garten zu bewässern.

Woran liegt es, dass man übers Wetter spricht, wenn man sich nichts zu sagen hat?
Ich bezeichne mich ja als größten Small-Talk-König, weil ich immer übers Wetter reden kann. Das Thema ist stets politisch korrekt. Jeder darf 'ne Meinung haben und tut damit keinem weh. Und wir kriegen mit dem Thema Wetter jeden. Oft werde ich auf der Straße gefragt „Hey Wettermann, kann ich morgen grillen?“ Es gibt viele Situationen, wo man auf gutes Wetter angewiesen ist, sei es eine Hochzeit, beim Urlaub, Geburtstag oder Wandertag, wo man Tage vorher betet, dass das Wetter mitspielt. Wenn man in der Vorhersage mit schlechten News kommt, ist man der Buhmann, sagen wir gutes Wetter voraus, möchte man uns am liebsten knutschen. Dabei machen wir das Wetter doch gar nicht.

Und warum ist man nie mit der momentanen Wetterlage zufrieden?
Mit dem Wetter sind die meisten maximal einen Tag zufrieden, eh‘ es zu heiß, zu nass, zu trocken oder zu kalt ist. Und wenn es nur wechselhaft ist, sind die Leute nicht zufrieden, weil sie nichts planen können.

Wie sähe es aus, wenn du Wettergott wärst?
Mein Lieblingswetter sind 25, maximal 27 Grad und leichter Wind. Ich bin eher der nordische Typ, der es nicht zu heiß mag.

In Afrika tanzt man den Regen herbei. Hast du deshalb mit Angela Fingererben einen Tanzkurs absolviert?
 Wir hatten in der Zeit jeden Morgen Let‘s Dance Teilnehmer zu Gast, da sollte man ja zumindest selbst einmal ausprobieren, über was man überhaupt spricht. Wir wollten wissen, ob es tatsächlich so anstrengend ist, wie es die Promis immer behaupten. Und es ist anstrengend! Wir waren danach fix und fertig. Lamby hat uns dann zumindest zwei Punkte gegeben. Einen für Angelas Kleid und einen für meinen Tanzrhythmus!

Angela war letztes Jahr im Dschungel, wäre das was für dich?
Sie war aus dem gleichen Grunde dort, warum wir zusammen getanzt haben: um mitreden zu können. Ich würde gerne mal näher dabei sein, aber der Job ist von allen Jobs bei uns im Sender derjenige, der die meisten Bewerbungen hat. Das ist der Drang, die Stimmung vor Ort mitzubekommen. Als Kandidat brauche ich das aber Gott sei Dank noch nicht.

Welchen Stellenwert hat das Medium Fernsehen und was schaust du dir an?
Ich gucke total gerne fern und kann zu Hause vier Sendungen gleichzeitig aufnehmen. Wenn man Fernsehen macht, schaut man automatisch gern fern. Man tauscht sich mit den Kollegen aus und ich muss ja, wenn ich Gäste im Studio habe, mit ihnen über das, was sie gemacht haben, reden können.

Du bist ein Film-Freak. Welchen Film hast du dir zuletzt angesehen?
Ich habe einen Beamer und eine große Leinwand. Mein absoluter Lieblingsfilm ist das Regiedebüt von Jodie Forster „Familienfest und andere Schwierigkeiten“. Ich mag aber auch die ganze Pink Panther-Reihe, „Frühstück bei Tiffany“, „Amazing Spiderman“ oder „Gravity“.

Wofür hättest du gerne mehr Zeit?
Für gemeinsames Kochen mit Freunden. Ich finde, das ist das Allerschönste, was man gemeinsam machen kann. Und ich hätte gerne mehr freie Zeit für die Eltern, die kommen jetzt in ein Alter, in dem sie mal Unterstützung brauchen.

Im Wetterbericht sprichst du von „Hoch“ und „Tief“. Wie ist das im emotionalen Bereich?
Ich bin ein ausgelassener, fröhlicher Mensch, kann aber auch fürchterlich melancholisch sein, wenn ich alleine bin. Ich fühle mich dabei aber nicht einsam. Man braucht einfach mal Momente, wo man an sein Gefühlsleben rangeht. Und ich kann auch weinen: Jedesmal wenn „Sissi“ kommt, heule ich Rotz und Wasser. Ich lerne gerne Leute kennen und finde es schön, wenn Menschen aufeinandertreffen, dann habe ich direkt gute Laune. Nur wenn ich mitten in der Nacht aufstehe, trinke ich nicht ohne Grund zwei Tassen Kaffee, bevor ich mich selbst auf die Menschheit loslasse. Ich bin nämlich der schlimmste Morgenmuffel, den es gibt.

Hat ein Strahlemann wie du auch Ängste?
Ich habe Versagensängste; dass man in seinem Leben so einen Fehler macht, den man nicht wiedergutmachen kann, etwa leichtsinnig, sich betrunken in ein Auto zu setzen und dann einen Menschen überfahren. Ich habe den Druck, alles richtig machen zu wollen.

Worüber regst du dich auf, wenn nicht übers Wetter?
Gleichgültigkeit regt mich total auf. Wenn Leute sagen, dass es ihnen egal ist, ob sie abgehört werden, weil sie eh nichts zu verbergen haben. Und Desinteresse. Man muss sich nicht für alles interessieren, aber so ein bisschen am Weltgeschehen teilnehmen, mit offenen Augen durchs Leben gehen und nicht immer nur an sich denken, dürfte doch nicht allzu schwer sein. Also Narzissmus und Egoismus regen mich auf.
Je nachdem, ob ich als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer unterwegs bin, rege ich mich über die beiden anderen „Gruppen“ auf. Das macht zwar jeder, es bringt aber auch gute Laune. Beim Autofahren bilde ich immer aus den Buchstaben des Nummernschildes Schimpfworte, das soll angeblich das Gehirn fit halten, da wird ein BC schnell zu „Blöder Clown“.

Wo gehst du hin, wenn du selbst mal Luft ablassen musst?
Dann gehe ich in mich. Sport gibt mir nichts, dabei kann ich mich nicht abreagieren. Ich explodiere aber nicht, kann das eigentlich nur gedanklich aufarbeiten. Ich schalte alles ab, vor allem das Telefon, ziehe mich total zurück und höre lediglich ein bischen Musik.

Mit wem würdest du gerne einmal einen Tag tauschen?
Wenn ich in das Gehirn und in die Gedanken desjenigen Einblick hätte: mit der Queen. Sie hat in ihrem Leben so viel erlebt und alleine schon, um zu wissen, wie sie wirklich zu Diana stand.

Du hast zum zweiten Mal den Kölner CSD moderiert. Was ist das für ein Gefühl?
Das ist ein irres Gefühl, vor Tausenden von begeisterten, gutgelaunten Schwulen und Lesben zu stehen. Ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn es deutschlandweit nur einen CSD gäbe, und den natürlich nur in Köln. Wenn man eine Stadt mit GamesCom und YouTubes-Awards zumachen kann, könnte sie ruhig auch einmal im Jahr schwul überlaufen werden. Ein richtig großer CSD als Hingucker könnte vielleicht noch einiges mehr bewegen und hätte bestimmt mehr Außenwerbung als mehrere kleine Veranstaltungen in Kleinstädten, die da nur wenig oder gar nicht wahrgenommen werden.

Wie ist dein Verhältnis zur schwul-lesbischen Szene?
Gut. Ich mag es nur nicht, wenn man sich lediglich über seine Sexualität definiert. Man muss nicht gleich mit einem Schild rumrennen, um auf sich aufmerksam zu machen; das machen die Heten ja auch nicht. Wenn man Menschen kennenlernt, entscheiden die ersten Sekunden über Sympathie und Antipathie, egal welcher Sexualität man angehört. Viel spannender ist doch, wenn jemand, der mit Homosexualität ein Problem hat, einen Mann kennenlernt, der schwul ist. Und dann feststellt, dass ihn das überhaupt nicht stört. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Wenn einer seine Sexualität öffentlich ausleben will, ist das auch okay. Irgendwann sollte es keinen Menschen mehr interessieren, welcher „Gruppe“ man angehört – aber bis es soweit ist, wird es noch sehr lange dauern. In die Szene selbst komme ich kaum, weil es da immer erst so spät losgeht. Zu der Zeit stehe ich ja fast schon wieder auf.

Lebst du als Single oder hast du eine Beziehung?
Ich lebe mit einer 21jährigen Katze, bzw. ich wohne bei ihr. Die älteste Katze der Welt ist kürzlich mit 24 Jahren verstorben, die steht im Guiness-Buch der Rekorde. Ich überlege schon, ob ich jetzt meine dort anmelden sollte. Es gibt Tage, da ist sie wie ein junges Ding, an anderen Tagen schafft sie es nicht einmal, auf's Bett zu springen und sie hat auch nur noch ein Auge. Zurück zur Frage: Ich bin seit 13 Jahren in einer festen Beziehung. Wir leben aber getrennt: das Geheimnis einer erfolgreichen Beziehung.

Erinnerst du dich an dein „erstes Mal“?
J Da war ich gerade mal 14 Jahre und wesentlich jünger als der Gegenpart! Und es war Sommer! Ich habe früher alles ausprobiert und würde heute nichts anders machen.

Der Wetter-Gott kennt die Wunsch-Fee, du hast ein paar Wünsche frei...
Für mich persönlich wünsche ich mir Gesundheit, ein Cottage in Irland und nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Liebe. Für andere wünsche ich mir in erster Linie Toleranz und den „Weltfrieden“, weil es momentan an allen Ecken der Welt brennt. Das kann man gar nicht mehr ertragen.

Mit wem ziehst du denn ins irische Cottage?
Na, mit dem anderen Teil der Beziehung.J

Zu guter Letzt darfst du dir deine Talk-Gäste selbst auswählen. Wer säße im Morgenmagazin?
International: Prinz Harry, Barack Obama, aber nur in Kombination mit Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan. National: Dieter Bohlen, wenn ich mit ihm über alles reden könnte. Tina Turner wäre der Hammer, sie müsste aber unbedingt einige Songs singen. Und einen Überraschungsgast, so etwas ist immer wieder spannend.

Dann schicken wir dir Ronald B. Schill aus dem Big Brother-Haus, der bringt nackte Tatsachen.
Bliebe zum Schluss nur noch die Frage: Wie wird das Wetter morgen?

(vvg)

16.12.2014
Bernd Fuchs im Interview mit Schwulissimo
Bernd Fuchs im Interview mit Schwulissimo

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