Mein schönstes Liebeserlebnis: Im Tattoo-Studio

Mein Körper ist ein Gesamtkunstwerk. Nicht nur, weil er doch noch ziemlich gut funktioniert, trotz so mancher außergewöhnlicher Belastungen. Und damit meine ich nicht Marathon-Laufen. Sondern weil er schön ist, von Natur aus. Aber es geht noch schöner. Daran arbeite ich seit vielen Jahren. Ich liebe Tattoos. Sie sind Ausdruck meiner einzigartigen Persönlichkeit und meines Lebensweges. Quasi eine Art Timeline. Auf meinem Po habe ich mit Name und Datum des Kennenlernens meine besten Lover verewigt. Schließlich sollen die Nachfolger im Liebesreigen wissen, dass ich schon einiges auf dem Kerbholz habe. Am Hals trage ich ein Spinnennetz. Das macht sich in meinem Beruf als Bankangestellter erst mal nicht so gut, aber ich arbeite ja nicht am Schalter. Und die Kollegen finden es cool. Kommt wohl aus den USA und bedeutet angeblich, dass man lange gesessen hat. Also, meine Weste ist rein. Egal, in meinem bevorzugten Club habe ich am Strullerbecken mal beim Nachbarn gelugt. Der hatte einen Elefanten da unten, und ratet mal, was der Rüssel war. Das will ich auch, denn mein bestes Stück ist schon ziemlich massiv. Das passt.

Intim-Tattoos
Vor der Anbringung eines Tattoos sollte man sich generell diesen Schritt gut überlegen, denn dies ist eine Entscheidung für‘s Leben. Die Körperbilder und -texte können zwar aufwendig wieder entfernt oder modifiziert werden, allerdings sind die Ergebnisse oft unbefriedigend. Dann sollte man sich ein Studio suchen, das qualifiziert ist. Intim-Tattoos sind noch eine ganz andere Sache: Hier ist die Haut empfindlicher, dadurch sind die Schmerzen größer. Professionelles Gerät und Hygiene sind oberstes Gebot, um Infektionen zu vermeiden. Im Nachgang sollte die tätowierten Bereiche entsprechend geschont und gepflegt werden.


Ich also zu meinem Stecher, ich meine den Tattoo-Mann. Ein Urviech, kommt wohl aus der Biker-Szene. Hat mit 40 seine Frau verlassen und ist seiner Berufung als Bi-Mensch gefolgt. Macht ganz harte Sachen, ist ziemlich dominant. Neben der Stecherei macht es auch Spaß, seine neuesten Storys aus dem Darkroom zu hören. Ich bin ja eher da etwas softer. Mack, so sein Name, jedenfalls macht mich darauf aufmerksam, dass es eine längere Prozedur wird und in Etappen durchgeführt werden sollte: Erst der Elefantenkopf auf meinem Bauch, dann der Rest. Und ich brauche einen Steifen für den Rest. Mmh. Habe ich ja eigentlich kein Problem mit, aber mit Mack? Probieren geht über Studieren. Und dann sagt er noch, dass es ein höheres Schmerzpotenzial hat. Das war zu erwarten. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, esse ich vor der Rüssel-Behandlung eine Menge Sellerie – das hilft sehr bei der Potenz, schließlich muss er ja eine Weile stehen. Schon ganz schön aufgedreht erscheine ich zum Termin. Die Vorzeichnung wird gemacht. Krass! Die Rillen des Riechkolbens müssen ja noch schattiert sein. Also sitzt Mack so vor mir und bearbeitet meinen Dödel. Trotz der erheblichen Schmerzen macht mich das irgendwie an. Und das merkt Mack. Mist. So war das nicht geplant. Er lächelt breit:“Na, da bist du ja ganz meinem Sex-Appeal erlegen“. So habe ich gelernt, dass mir gewisse Schmerzen Freude bereiten. Jetzt muss das erst mal verheilen. Mack möchte zur Nachsorge einen Termin machen. Ist ok für mich. Einige Wochen später schlage ich wieder bei ihm auf. Dann stehe ich vor ihm, Rute ausgefahren. Der bullige Zweimeter-Mann mit rotem Vollbart betrachtet sein Werk von allen Seiten. „Ist gut verheilt!“, meint er mit einem anerkennenden Augenzwinkern. Dann steht Mack plötzlich auf, schließt die Eingangstüre ab, und bittet mich nach hinten in sein Büro. Dort zeigt er mir sein Intim-Tattoo. Überraschung: Ein Spinnennetz um das Poloch. Dann können wir uns ja zusammen tun, sage ich verschmitzt. Und so kommt es. In den Räumlichkeiten seines Tattoo-Studios zeigt mir Mack, wie geil es sein kann, wenn Tattoos aufeinander treffen. Gemeinsam planen wir weitere Body-Bilder für mich, denn ich habe noch Platz. Wir besuchen auch Messen, um Inspirationen zu sammeln. Da ich meine Bankjob satt habe, frage ich ihn, ob ich bei ihm in die Lehre gehen kann. Das dauert so zwei bis drei Jahre, je nach zeichnerischer und handwerklicher Begabung. Heute kann ich sagen, dass ich diesen Schritt nicht bereue - „No regrets“. Das steht jetzt auch auf meinem Rücken.
(rb)

02.08.2017


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