Centrum Schwule Geschichte Köln

Ihr habt eine neue Adresse, warum seid ihr umgezogen und warum ist diese jetzt die besser?

Das Centrum Schwule Geschichte (CSG) ist jetzt in einem modernen Gebäude untergebracht, wo wir für die Archivierung taugliche Bedingungen haben und Besucher und Benutzer empfangen können. Die ursprünglich, nur als Provisorium gedachte Nutzung der Räume im ehemaligen Bürokomplex, gehört damit der Vergangenheit an. Die neue Adresse ist Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln, in der Nähe der Haltestelle Schönhauser Straße am Rheinufer. Wir bieten nun regelmäßige Öffnungszeiten an: dienstags und mittwochs von 16 - 18 Uhr.

Was verbirgt sich hinter dem CSG? Was genau sammelt ihr?
Das CSG ist Forschungsstätte, Archiv und in seiner Öffentlichkeitsarbeit auch Teil der Community. Wir sammeln schwerpunktmäßig zum Thema der männlichen Homosexualität in Köln und im Rheinland. Im Archiv werden Zeitschriften, Bücher, sogenannte "graue Literatur", Filme und auch Objekte, wie z.B. die Leuchtschrift des ehemaligen SCHULZ gesammelt.

Worin besteht eure Arbeit?
Unsere Arbeit besteht aus Forschung, Archivierung und Öffentlichkeitsarbeit: Forschung zu den eben genannten Themen, der Gestaltung von Ausstellungen, Stadtführungen und anderen Veranstaltungen, sowie der Bereitstellung des Archivs und der Ergebnisse dieser Arbeit für die Nutzer.

Wie gelangt ihr an die Ausstellungsstücke?
Meist durch Hinweise von interessierten Mitmenschen, aber vor allem durch Nachlässe und Schenkungen, gelegentlich – aber sehr selten – auch durch Ankauf.

Was ist das älteste und was das „wertvollste“ Objekt in eurem Archiv?
Die ältesten und wertvollsten Objekte sind die alten Ausgaben von Werken Magnus Hirschfelds und anderer Sexualwissenschaftler, die teilweise vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammen. Wertvoll sind auch der Schulz-Schriftzug, das Tom of Finland-Original, originale Ralph König-Zeichnungen und unsere Postersammlung mit vielen Unikaten.

Wie viele Mitglieder habt ihr – was haben die für Aufgaben?
Das CSG hat eine doppelte Struktur: zum einen der Verein der aktiven Mitarbeiter mit ca. 10 Mitarbeitern, zum anderen der Förderverein mit 127 fördernden Mitgliedern. Die Förderer erhalten regelmäßig Informationen durch unsere Mitgliederzeitschrift HISTORY und Einladungen zu unseren Veranstaltungen

Braucht ihr noch freiwillige Helfer? Welche Aufgaben erwarten diese?
Uns sind Helfer immer willkommen: sei es im Kreis der aktiven Mitarbeiter, sei es im Kreis der Förderer. Und es gibt auch die Möglichkeit projektbezogener Mitarbeit - sowohl im Archiv als auch bei anderen Projekten, wie z.B. Ausstellungen.

Die Generation der §175 Kämpfer verlässt langsam die Bühne. Welche Stücke wären für euch von Interesse?
Alles! Wir freuen uns wirklich über alle Zeitdokumente, besonders natürlich über Berichte von Zeitzeugen.

Derzeit seid ihr ein Archiv. Ist es denkbar - wie in Berlin geschehen - dass ihr in Deutschlands Homo-Hauptstadt-West mal ein Museum bekommt?
Das wäre durchaus wünschenswert!
Wir sind, was die Wahrnehmung in der Kulturszene angeht, inzwischen angekommen und es gibt uns wohlgesinnte Fürsprecher in Politik und Verwaltung. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg…

Wie steht ihr zu dem Spruch „Früher war alles besser“?
Dieser Spruch gilt sicher nicht für die Geschichte der Homosexualitäten…
In Deutschland war diesbezüglich - politisch-juristisch betrachtet - NICHT alles besser. Wir leben heute in deutlich besseren Zeiten als noch 1969 oder in den 1980er Jahren. Ein Meilenstein ist sicherlich die Aufhebung der Urteile nach § 175 im vergangenen Jahr durch das Justizministerium unter Heiko Maas.

Habt ihr für die Zukunft schon Ausstellungen geplant?
2019 jährt sich zum 50. Mal die Liberalisierung der §§ 175/175a StGB in der BRD. Mit diesem Jubiläum werden wir uns in einer Ausstellung beschäftigen, die gerade konzeptionell entsteht.

Die neueste Meldung über euch ist, dass ihr auch Stifter eines Preises seid?
Im Rahmen einer Feierstunde wurde am diesjährigen Tag der Archive am 3. März im Historischen Rathauses Köln der vom Centrum Schwule Geschichte gestiftete Preis „Rheinischer Archivarius 2018“ für besondere Leistungen der Archiv- und Dokumentationsarbeit an Herrn Ruzdija Sejdovic vom Verein Rom e.V. verliehen. Ein Kuratorium von Damen und Herren aus Archiven, der Politik und Wirtschaft hat sich für den Preisträger entschieden, weil er sich seit Jahren ehrenamtlich im Archiv- und Dokumentationszentrum RomBuk für das dortige Archiv zur Geschichte und Kultur der Roma einsetzt.

Vielen Dank für das Interview und besonderen Dank dafür, dass ihr unsere Geschichte bewahrt.




12.04.2018
Auf dem Bild (v.l.n.r.): Markus Velke, Holger Willms, Willi Kutsch und Martin Sölle // © vvg
Auf dem Bild (v.l.n.r.): Markus Velke, Holger Willms, Willi Kutsch und Martin Sölle // © vvg

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