Umfrage: Coming Out in deinem Style

Ich hatte noch kein richtiges Outing, lediglich einige Freunde und meine Familie wissen Bescheid. Es ist auch kein schwules Outing; ich sehe mich eher als Bi-Mann, so im Verhältnis 20% Gay zu 80% Hetero. Mein Outing bezieht sich auf meinen Fetisch: Rubber. Das habe ich in den 90ern als 19jähriger entdeckt, konnte es damals aber nicht einordnen. In der Bravo war Shannon Doherty in glänzendem Latex-Outfit abgebildet. Ich kannte niemanden, mit dem ich mich darüber austauschen konnte. Ich fand die Frau im engen Latex toll, wollte aber selbst auch Latex anziehen. Jahrelang habe ich das heimlich im Keller ausgelebt, auch in meiner fast 10-jährigen Ehe. Als meine heutige Ex-Frau dahinterkam, war das letztendlich der Haupt-Trennungsgrund, weil sie mit solchen „schmutzigen, kranken und perversen" Sachen nichts zu tun haben wollte. Ich konnte mit ihr nicht darüber sprechen, sie hat total zu gemacht. So kam es zu meinem „Zwangsouting“ durch meine Ex, die mich vor Freunden und Familie bloßstellen wollte. Zu meiner großen Freude wurde das aber von vielen Freunden akzeptiert. Heute tausche ich mich in Kanälen wie Facebook oder Joyclub mit Gleichgesinnten aus. Da ich aber alleinerziehender Vater bin, möchte ich mich noch ein wenig zurückhalten. Zum Kölner CSD habe ich mich getraut, mich in meiner Rubber-Jeans und einem Gummi-T-Shirt öffentlich am Paradeweg zu zeigen. Schon in der U-Bahn hatte ich eine erste positive Begegnung: Eine Frau stupste mich in der Seite an, „Ich wollte nur mal fühlen, ob das fest ist." und zu ihrer Tochter sagte sie: "Das sieht aber chic aus." Das bestätigte mich sehr. Probleme macht mir aber noch meine Figur. Ich habe vor Jahren noch 174 Kilo gewogen, inzwischen schon 50 Kilo abgenommen. Das möchte ich weiter fortsetzen, denn ich möchte im Gummi noch „schicker“ aussehen. Wenn mir mein Fetisch dabei hilft, ist das doch auch noch eine gute Sache.
Andreas aus Bergkamen

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Ich bin seit 25 Jahren trockener Alkoholiker, habe meine Sucht danach verlagert und wurde spielsüchtig. Ich habe 15 Jahre lang massiv getrunken, bis zu dem Punkt, wo ich selbst bemerkte, dass ich große Probleme hatte. Ich konnte den Alltag ohne gar nicht bewältigen. Ohne einen gewissen Alkoholpegel ging nichts. Das fing schon morgens an. Dadurch verlor ich mehrmals meine Arbeitsstelle, weil ich entweder krank war, oder verpennt hatte. Es führte zu gesundheitlichen Problemen; denn ich trank bis zur Bewusstlosigkeit und hatte Filmrisse. Ich trank die Probleme jahrelang einfach weg und es dauerte ca. zwei Jahre, ehe ich mir Hilfe suchte. Zuerst folgte eine neunmonatige stationäre Therapie, danach war ich ein Jahr lang bei der AA-Gruppe – wo ich meinen Mann kennen lernte. Nach zwei trockenen Jahren wartete ich in einer Pommesbude auf mein Essen und diese Zeit verbrachte ich am dortigen Spielautomaten. Mein Startgeld waren 2 DM; ich bekam eine Serie und war gleich angetickt, denn das war schnelles, leichtverdientes Geld. Anfangs spielte ich einmal im Monat, aber schnell stand ich täglich davor. Ich begründete das: ich konnte Abschalten, meine Umwelt um mich herum vergessen und mit viel Glück auch noch Geld kassieren. Wenn ich nicht spielte, wurde ich unruhig. Alles drehte sich um die Frage, wie bekomme ich Geld, damit ich spielen kann. Zuerst konnte ich das in meiner Beziehung überspielen, irgendwann fiel meinem Mann auf, dass Geld in unserer Kasse fehlte – es waren monatlich bis zu 600 €, die ich nicht erklären konnte – und er sprach gezielt seine Vermutung aus. Ich habe wieder eine Therapie gemacht, wurde allerdings rückfällig. Seit Monaten mache ich jetzt eine ambulante Therapie. Mein Mann und ich trennen uns erst einmal räumlich, weil er es nicht mehr mittragen will und kann. Und weil ich ihm beweisen will, dass ich das ganz alleine schaffe. Ich will diesen Druck loswerden, der meinen Tag und mich bestimmt und ich bin überzeugt, ich bin auf dem richtigen Wege.
Arno aus Duisburg

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Ich habe mehrere Outings hinter mir: Das erste mit 16 Jahren bei meiner Familie, als ich denen gesagt habe, dass ich schwul bin. Ich habe das aber zeitgleich auch in der Schule öffentlich gemacht und denen offenbart, dass ich anders als alle anderen bin. Meiner Mutter war das klar, ich habe schon mit vier Jahren Kleider und vor allem ihre Schuhe angezogen. Und auch für meinen Vater war das kein großes Thema, lediglich mit meiner Kunstfigur, die ich kreiert habe, hatte er anfangs Probleme. In der Schulzeit vor meinem Outing wurde ich gemobbt und zusammengeschlagen; so wie man das kennt, wenn man „anders“ ist. Nach meinem Outing als Travestiekünstlerin Dyana Dyamond auf der Bühne der Schulaula, waren alle überrascht und von da an wurde ich eher als eine Art Respektperson angesehen. Eines meiner Vorbilder ist übrigens Olivia Jones, die ich in einigen Wochen kennen lernen darf: Nach einer RTL-Dokumentation über mein Leben mit der Travestie - die man sich Ende Juli auf RTL ansehen kann - hat man mir eine Stelle als erster und jüngster Travestiepraktikant in ihrem Laden angeboten, die ich auch Ende des Monats Juli antreten werde.
Von den schwulen Männern werde ich schon als Mann angemacht, die Augen der heterosexuellen Männer sehen in mir doch eher die Frau. Für mich ist das Geschlecht grundsätzlich Nebensache, mir ist der Mensch, der dahinter steckt, einfach wichtiger. Und wenn wir schon beim Thema Outing sind, kann ich auch noch verraten, dass ich schon seit einiger Zeit mit einem Trans-Mann zusammen bin: Einem außergewöhnlichem tollen Menschen; der hervorragend aussieht und den ich sehr liebe. Und wenn euch das immer noch nicht reicht, kann ich dir noch ein allerletztes „Coming Out in meinem Style“ anvertrauen: Ich bin gar keine echte Blondine, sondern lediglich blond gefärbt!" So, jetzt ist auch das geklärt.
Dario aus Düsseldorf

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Nach meinem lesbischen Coming Out, hatte ich mit meiner körperlichen Veränderung noch ein weiteres. Ich war schon immer stabil gebaut, drei Schwangerschaften taten ihr übriges. Mein Gewicht von 135 Kilo habe ich bis heute halbiert. Mit Anfang Dreißig habe ich erkannt, wenn ich für meine Kinder eine aktive, gesunde Mutter bleiben will, muss ich etwas für meine Gesundheit tun. Ich hatte Anzeichen einer beginnenden Diabetes, Bluthochdruck, Konditionsschwierigkeiten und Gelenkschmerzen. Ich konnte mit meinen Kindern nicht mehr auf den Rummel, weil ich für die Sitze in den Fahrgeschäften zu dick und schwer war. Ich wollte aktiver sein, versucht mit Diäten und Sport abzunehmen - übrig blieb nur die OP. Meine Frau lernte ich nach der Magen-OP kennen. Das ich da noch über 100 Kilo wog, störte nicht sie, sondern mich. Nachdem ich mein Gewicht endlich halbiert hatte, fühlte ich mich wie ein „ausgeleierter“ Luftballon, aus dem die Luft raus ist. Es folgte als OP die Entfernung der Bauchschürze. Danach konnte ich kaum aufrecht gehen, weil der Bauch so gestrafft war. Nun folgen noch OPs an Armen, Schultern, Thorax, Beinen, Po und Brust. Das ist medizinisch notwendig, ansonsten entstehen in den Hautfalten Entzündungen, Pilzerkrankungen und Ekzeme, deshalb wird es von der Krankenkasse übernommen. Das war wie Outing, denn man kannte mich nur dick; viele hatten danach Mühe, mich zu erkennen. Die häufigste Frage war, ob ich krank wär oder Krebs hätte. Ich hatte mein Problem nur Freunden und Verwandten anvertraut, die zu meinem Leben gehören und am engsten die Veränderung mitbekamen. Vor allem meine Mama hat mich ungemein bestärkt. Menschen, mit dem gleichem Problem, rate ich, mit sich ins Reine zu kommen und sich nicht zu belügen. Es ist wie beim Outing, man muss erkennen, wer man selbst ist, ehe man in die Öffentlichkeit geht.
Marisa aus Lünen bei Dortmund

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Ich oute mich nicht groß bei den Leuten, dass ich Fetisch mag. Ich zeige mich selbstbewusst in der Öffentlichkeit als exhibitionistisch veranlagter Schwuler, der gerne Sex praktiziert. Ich habe mich auch entschieden in einer Großstadt zu leben, damit ich mich zeigen kann. In einer kleineren Stadt wäre das schon schwierig. Ich ziehe meine Grenzen aber da, wo ich mit gesellschaftlichen Regeln in Konflikt käme, wo ich öffentlich Ärger provozieren würde oder wenn Kinder zugegen sind. Ob ich sexsüchtig bin? Nicht diagnostiziert und vom Arzt unterschrieben, aber ich würde schon sagen, dass ich omnipotent bin und das auch gerne auslebe; mehr als der Hetero-Mann und auch mehr der Durchschnitts-Schwule. Dazu gehört für mich auch der Absch(l)uss: ein Orgasmus ist doch Weltfrieden. Hätten die Leute mehr Sex, gäbe es mehr Frieden auf der Welt, weil man danach keine negativen Gefühle mehr hat.
Ich bin seit 4 ½ Jahren in einer festen Beziehung; anfangs monogam. Dadurch dass sich unsere Fetische in die gleiche Richtung entwickelten, haben wir uns geöffnet - ohne den anderen zu verletzen - und uns dadurch gemeinsam weiterentwickelt. Es ist ja schade, wenn man sich vehement nur in eine Richtung bewegt: Nur eine sexuelle Vorliebe oder einen Fetisch auszuüben, engt doch zu sehr ein.
Anfangs war ich mir schon unsicher und habe mich gefragt, ob ich mich so ausleben kann, weil mich ja so viele kennen. Aber gerade darum zeige ich mich, wie ich bin, weil man sonst über mich redet. Da lebe ich doch lieber offen pro-aktiv, offensiv und stehe dazu und werde zum Vorbild für Leute, die sich das nicht zu trauen. Ich habe nur ein Leben und ich möchte so viel Spaß haben, wie möglich. Und dazu gehört Selbstverwirklichung für mich als Grundvoraussetzung. Ich habe mich schon immer und sehr früh dafür interessiert, was mit meinem Körper passiert und ich hatte das Glück, dass ich mit meiner Mutter offen über alles reden konnte.
Markus aus Köln

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Mein Style ist Latex. Es war vor ca. zehn Jahren, als ich eher aus Zufall zum ersten Mal Latex anprobiert habe. Das fühlte sich gut an und schmeckte mir irgendwie auf der Haut. Es ist wie eine zweite Haut, man fühlt sich fast nackig damit. Ich habe viele positive, aber auch negative Reaktionen darauf erlebt: Leider wird Latexbekleidung noch nicht als alltagstauglich angesehen; Fetisch ist in der Gesellschaft nicht so akzeptiert, wie man sich das manchmal wünscht. Es wird immer in Verbindung mit Sex gesehen, meistens mit rauhem, „schmutzigem“ Sex. Ich genieße es, bei Veranstaltungen wie dem CSD, meinen Fetisch frei und öffentlich tragen zu können. Man lächelt mir zu, schaut mir auf den Po, schüttelt mit dem Kopf. Ich achte inzwischen nicht mehr auf die Gesichter, sonst müsste ich Rechenschaft abgeben, über das warum und das ist mir egal. Jeder soll doch so rumlaufen, wie es sein persönliches Empfinden ist und wie er sich wohlfühlt. Vor zwei Jahren entdeckte ich dann den Puppy in mir. Ich kam über die französische Community dazu und fand es interessant. Dann habe ich etwas tiefer reinge-„schnuppert“ und fand, dass das eigentlich eine coole Nummer ist, auch in Verbindung mit Latex. Ich spiele den Puppy, wie ich es möchte. In dem Moment, wo ich dabei alles um mich vergesse und auf Hund umschalte, bin ich auch definitiv gern in der Maske. Ich bezeichne es als Pup-Space und kann alles, was mich sonst im Alltag beschäftigt, einfach ausblenden. Andere erleben das so mit einem Urlaub oder einem leckeren Essen, bei mir ist es das Puppy-Play. Aktuell bin ich Mr. Fetisch HH 2018. Es war eher ein Zufall, als ich in Antwerpen beim Leather Pride angesprochen wurde, bevor das Chaos los ging. Ich wurde einem coolen Typen vorgestellt, der sich den Titel Mr. Fetisch „gekauft" hatte und jemand suchte, zu dem das passt. So kam ich ins Spiel – der coole Typ ist heute mein Herrchen.
Sven alias Pup Smarty aus Hamburg

(vvg)

10.08.2018
Andreas // ©vvg
Andreas // ©vvg

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