Badezimmer können sehr verräterisch sein. Sie geben nämlich dem interessierten Betrachter laienpsychologische Möglichkeiten den Inhaber des jeweiligen Waschraums einzuordnen. Zwei Zuordnungsmöglichkeiten stehen dabei zur Verfügung. Kategorie A ist der dynamische, unruhige bis hektische Duschfan. Kategorie B ist der auf Entspannung, Wärme und Wohlbefinden bedachte laszive Badefreund.
Die Mischform des mal so mal so Badezimmerbenutzers wird für diese Analyse gerne übersehen. Wirkt sie doch unentschieden und schwammig.
Eingeseift
Der radikale Duschfan geht bei seiner Eigendefinition oft so weit, dass er das Badezimmer, sofern es nicht ausschließlich mit einer Dusche ausgestattet ist, kernsaniert. Die Badewanne fliegt also raus. Auch wenn sie mit einer stabilen Duschabtrennung eigentlich ebenso für ausgiebiges Duschen bereit gestanden hätte. Nein. Hier wird klar definiert, was Sache ist.
Der Duschfan liebt es, das Wasser über den Körper prasseln zu lassen. Die Körperreinigung soll möglichst schnell und effektiv unter Zuhilfenahme von Schaumbergen des Duschgels vonstatten gehen. Gründe für diesen Wunsch nach Geschwindigkeit können einerseits die fehlenden Minuten am Morgen sein, andererseits die innere Ungeduld beim Zeitaufwand für Pflegerituale. Geduscht wird halt jeder sauber – das Argument zieht und lässt kein Aber zu.
Sauber zu werden ist beim Duschen auf jeden Fall schneller erledigt, als beim Baden. Laut Statistik duschen 93 Prozent der Deutschen oft und gern, weil sie es hygienisch finden, so das Ergebnis einer Forsa-Umfage. Eine übertriebene Reinlichkeit ist jedoch für die Haut schädlich.
Sehr trockene Haut wird durch häufiges Duschen zu stark strapaziert. Sie verliert dadurch hauteigene Fette und Feuchtigkeit. Auch der Säureschutzmantel, der die Haut vor äußeren Einflüssen bewahrt, wird bei trockener Haut durch zu häufiges Duschen geschädigt. Auch fettige Haut wird durch den zu häufigen Einsatz von Duschgels beeinträchtigt. Der Säureschutzmantel wird von diesem Hauttyp jedoch schneller, als bei der trockenen Haut, wieder aufgebaut.
Wieviel ist nun zuviel?
Hautärzte antworten darauf etwas, was für den einen oder anderen Duschfan unhygienisch klingen mag, aber für die Haut eine Erholung darstellt. »Täglich duschen ist nicht notwendig.« Es soll reichen, Achseln, Genitalbereich und Füße mit Wasser und wenig Reinigungsmittel wie z.B. Duschgel oder Seife zu reinigen. Wer nicht darauf verzichten möchte, täglich zu duschen, sollte das möglichst kurz und nicht zu heiß tun und sich nicht jedes Mal von Kopf bis Fuß einseifen.
Wer sich abends zum Beispiel nach dem Sport bereits geduscht hat, sollte am darauf folgenden Morgen nur kurz frisch machen aber nicht ein weiteres Mal hautentfettende Reinigungsprodukte verwenden. Wer zu trockener Haut neigt, sollte auf jeden Fall ein Duschgel benutzen, welches speziell für diesen Hauttyp angeboten wird.
Abgetaucht
Der Badefan ist ein anderer Mensch als der Duschfanatiker. Er zieht es vor, sich Zeit zu nehmen und die Wärme des Wassers für Pflege und Entspannung zu nutzen. Der Reinigungsprozess wird von diesem Typus gerne zelebriert und mit Extraprogrammen wie zum Beispiel Gesichtsmasken für das äußere und Sektflöten für das innere Wohl komplettiert.
Ein warmes Vollbad dient nicht nur der Reinigung der Haut, sondern auch der Entspannung und Lockerung des Körpers. Bei einer Badetemperatur von etwa 36 – 38 Grad wird die Atmung ausgeglichener, der Blutdruck fällt, das Herz schlägt etwas schneller und pumpt dabei Blut und Sauerstoff in unsere Körperzellen. Körper, Geist und Seele entspannen in der Badewanne. Das Empfinden von Stress kann sich reduzieren.
Auch die Haut kann durch passende Badezusätze gepflegt werden.
Es gibt zahlreiche Produkte für ein pflegendes Wannenbad. Ob Mann dafür Schaumbad, Salzbad, Badezusätze mit Aromaölen, Blüten, Milch, Honig und Pflegeölen wählt, hängt vom jeweiligen Hauttyp ab und von der gewünschten Wirkung. Schaumbäder hatten lange Zeit den Ruf, die Haut auszutrocknen. Cremig-schäumende Pflegebäder verhindern jedoch diesen unangenehmen Effekt.
Aroma-Bäder
So genannte Aroma-Badezusätze können sogar die Stimmung beeinflussen. Die Wirkung entsteht durch enthaltene ätherische Öle. Der Name kann einen falschen Eindruck entstehen lassen, denn es handelt sich dabei nicht um normale Öle wie z.B. Pflege- oder Speiseöle. Ätherische Öle sind nicht fettig, sondern flüchtig (ätherisch). Als Badezusatz beeinflussen sie die Stimmung und das Wohlbefinden. Extrakte aus Lavendel, Rose und Kamille haben einen ausgleichenden und entspannenden Effekt. Neroli, Ylang-Ylang, Sandelholz und Geranie steigern Sinnlichkeit. Ingwer und Limone wirken belebend. Zitrone, Mandarine und Pfefferminze erfrischen und fördern die Kreativität. Bergamotte ist als Stimmungsaufheller bekannt. Kampfer und Rosmarin lösen Verspannungen und Muskelschmerzen.
Salz-Bäder
Badezusätze mit Salzen haben einen intensiven Pflegeeffekt für die Haut. Verhornungen der Haut sowie Unreinheiten werden gelöst, Mineralstoffe und Spurenelemente werden eingeschleust. Meersalz ist in Zusammensetzung und Gehalt an Nähr- und Mineralstoffen dem menschlichen Blutplasma ähnlich. Darum können diese Substanzen über die Haut ausgetauscht werden. Als besonders reich an glättenden und heilenden Mineralstoffen gilt Totes-Meer-Salz. Salz entzieht dem Körper Wasser. Nach einem Salz-Bad sollte man deshalb mindestens ein großes Glas Mineralwasser trinken.
Beide Varianten der Körperreinigung – ob Dusche oder Bad, haben ihre Vorzüge. Und wer sowohl das eine als auch das andere – je nach Anlass, Zeit und Muße für sich nutzt, tut etwas gutes für sich. Egal ob hektisch oder lasziv. Und egal, ob abgetaucht oder eingeseift: Nach dem Baden sollte man das Eincremen nicht vergessen. Wer sofort nach dem Duschen oder Baden eine Bodylotion in die noch leicht feuchte Haut einreibt, braucht nicht ewig zu warten, bis das Produkt eingezogen ist, denn die Haut ist, leicht feucht, noch aufnahmefähiger für das Pflegeprodukt. (nb)