Frauen schminken sich, Männer nicht. Frauen werden mit unzähligen Cremes für jedes erdenkliche Problemchen bedient. Männer ziehen jetzt nach mit bislang noch nachvollziehbarer Produktvielfalt. Es hat Jahrzehnte gebraucht, bis aus der männlichen Kosmetik-Enthaltsamkeit endlich ein entspannter Umgang mit Kosmetik und Körperpflege entstand. Seit über hundert Jahren gaben unlogische und unsinnige gesellschaftlich vorgelebter Beispiele den Maßstab dafür, was männlich zu sein hat und was nicht.
Auch wenn Männer laut der Studie »Männerkosmetik der Burda Community Network und des VKE-Kosmetikverband vom 24. Juli 2008 Frauen bei täglicher Körperpflege mittlerweile überrunden, so ist der Beruf der Kosmetikerin auch im Jahre 2010 nach wie vor ein typischer Frauenberuf. Die Emanzipation des Mannes bezieht sich bislang nur auf die Verwendung der Kosmetik. Als Ausbildungsberuf und als Berufstätigkeit wird die Kosmetik immer noch als Frauenberuf deklariert.
Dabei haben sich Frauen mittlerweile von Klischees befreit und wählen heutzutage in ihrer Ausbildung und Tätigkeit längst nicht nur die typischen Berufe rund um die Themen Pflegen, Schützen, Beauty, Mode und Styling. Auch in den bislang typischen Männerberufen, wie zum Beispiel als Zimmerleute, Schornsteinfeger, bei der Bundeswehr oder als Polizistin sind sie häufig anzutreffen.
»Männer an die Kosmetik, Frauen in den Baumarkt - Kosmetikkonzerne hätten gerne mehr Männer, Baumarktketten lieber mehr Frauen als Mitarbeiter. Diversity Management soll Abhilfe schaffen.« So betitelt zum Beispiel die Autorin Stefanie Bilen im Februar 2009 in der ZEIT-ONLINE das Thema.
Sie schreibt: »Die Berufswahl ist in Deutschland nach wie vor geschlechtsabhängig. Schon bei kleinen Kindern ist zu beobachten, dass es nicht die Mädchen sind, die ausdauernd mit Baggern und Rennautos spielen und nicht die Jungen, die ihre Puppen mit Stethoskop und Fieberthermometer untersuchen. Jungen träumen von Helden, Mädchen vom Helfen. Diese Schlussfolgerung formulieren etliche Studien, die Kinder schon in frühen Jahren nach ihren Berufswünschen befragen. Meist ändern sich diese zwar bis zur Pubertät noch zigmal – trotzdem bleibt die Tendenz bestehen ...«
Was hier genetisch bedingt ist und was vielmehr durch vorgelebte Rollenklischees und Erziehung in Elternhaus und Schule begründet ist, wird bei diesen Aussagen jedoch leider nicht näher beleuchtet.
Die Zeiten, in denen die Verwendung von Kosmetik ein reines, ausschließliches Frauen-Thema war und Männer, die sich damit befassten, als unmännlich oder gar feminin galten, sind längst vorbei und dieser Wandel wird sich immer mehr vollziehen.
Laut einer Umfrage des Burda Community Networks im August 2008 wurde aufgrund einer Umfrage zum Thema Kosmetik unter Männern unter anderem festgestellt, dass »5 % der befragten Männer angaben, Gesichtspuder und Selbstbräuner zu verwenden, 3 % bekennen sich zum Gebrauch von Make-Up und immerhin 2 % sagten, dass sie sogar Lippenstift oder Lipgloss benutzen.« Peinlichkeit und Scham schien für diese Männer bei diesen Themen nicht mehr zu bestehen. Die ewig peinlich Berührten und unlogisch aggressiv Reagierenden, am alten Rollenklischee Festhaltenden, scheinen auszusterben.
Männer benutzen Kosmetik und Pflegeprodukte heutzutage mit immer größerer Selbstverständlichkeit, denn viele haben erkannt, dass ein gepflegtes Erscheinungsbild wichtig ist für das Vorankommen in privaten Bereichen und für berufliche Erfolge.
Was ist der Grund dafür? Sind Männer zu träge oder sogar feige?
Haben Männer Angst, ausgelacht zu werden, wenn ihre Berufswahl eine nicht ganz typisch männliche zu sein scheint? In der Vielzahl scheint das tatsächlich ein Grund zu sein. Dabei gibt es bereits Vorreiter für untypische Berufswahlen, wie zum Beispiel Floristen, Arzthelfer und Schreibkräfte. Die Berufsgruppe der Kosmetiker braucht jedoch endlich verstärkt männlichen Nachwuchs.
Ein Mann als Kosmetiker ist nach wie vor fast so selten, wie Frau Merkel als Bundeskanzlerin.
Dabei bietet eine qualifizierte Ausbildung gerade den interessierten Herren beruflich interessante Perspektiven. Eine Bafög-fähige, zweijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Kosmetiker bietet zum Beispiel die HBK, Hamburger Berufsfachschule für Kosmetik GmbH Lore Krüger. Der Anspruch der Ausbildung an der HBK lautet dabei: »Das Beste lernen und es bestmöglich anwenden. Die HBK lehrt Wissen und Können.«
Was tut nun eigentlich ein qualifizierter Kosmetiker?
Das Buch zum Beruf: "Kosmetik" von Dr. Imke Barbara Peters, Bildungsverlag EINS
Ein Kosmetiker hat in Theorie und Praxis alles Wichtige gelernt für die kosmetischen Behandlungen von Gesicht und Körper, inklusive Handpflege/Maniküre und Fußpflege.
Die Arbeit eines Kosmetikers besteht im wesentlichen aus drei Aufgabenbereichen: die fachliche Beratung, die fachspezifische Behandlung und den Verkauf der für den individuellen Hauttyp geeigneten pflegenden oder dekorativen Kosmetikartikel.
Ein weitere Ausbildung kann zum Visagisten qualifizieren, dem Fachmann für die gekonnte optische Verschönerung des Gesichts und des Körpers mit dekorativen Kosmetikprodukten (Make up).
Andere Tätigkeitsfelder sind selbstständig oder in Festanstellung als Kosmetiker möglich in Wellnesshotels, in Parfumerien, Beauty-Spas, bei einem Friseur, auf Kreuzfahrtschiffen, bei einem Hautarzt, in einer Apotheke, im Vertrieb von Kosmetika, als Schulungsmitarbeiter für Produkte, als freier Visagistin oder als Fußpfleger. (nb)