Seit Anfang Juni ist europaweit die größte Befragung schwuler Männer gestartet, die es je gegeben hat. In 31 Ländern werden Männer, die Sex mit Männern haben, aufgerufen, online einen Fragebogen zu ihrem Umgang mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen auszufüllen. Auch auf schwulissimo.de findet man den Fragebogen, der in 25 Sprachen zur Verfügung steht.
Das gigantische Projekt trägt den Titel EMIS (European MSM Internet Survey on knowledge, attitudes and behaviour as to HIV and STIs) und ist durch die Zusammenarbeit von zahlreichen Forschern und Organisationen zustande gekommen. In Deutschland sind das Robert-Koch-Institut (RKI), das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) sowie die Deutsche AIDS-Hilfe beteiligt. Die Befragung führt die bisherigen »Bochow-Studien« zum Safer-Sex-Verhalten fort, die es in der bisherigen Form nicht mehr geben wird.
Ziel der Befragung ist es, möglichst viel über das Verhalten, das Wissen und die Bedürfnisse der Zielgruppe in Bezug auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen zu erfahren. EMIS soll zeigen, welche Präventionsmaßnahmen in den jeweiligen Ländern notwendig sind und welche Untergruppen bei den MSM besondere Ansprache durch die Prävention benötigen. Zugleich soll die Untersuchung die Bedürfnisse und Rechte homosexueller Männer öffentlich sichtbar machen und einfordern. »Mit einer massenhaften Teilnahme können Schwule, Bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben, den Anspruch anmelden, mit ihren gesundheitlichen Bedürfnissen von der Politik ernst genommen zu werden!«, sagt Dr. Dirk Sander, MSM-Referent der Deutschen AIDSHilfe. »Mit den Ergebnissen einer solchen Befragung wird sich Politik machen lassen - auch und gerade in besonders homophoben Ländern, zum Beispiel in Osteuropa. Wir bauen darum auf möglichst viel Unterstützung in der Community.«
Die EMIS-Befragung wird drei Monate laufen. Beworben wird sie mit dem Slogan »Be part of something huge ...«; die freie deutsche Übersetzung lautet »Auf die Größe kommt es an«. Der eindeutig zweideutige Titel soll die Bedeutsamkeit des Projektes thematisieren und verdeutlichen, wie wichtig die Teilnahme jedes Einzelnen ist. Erste Ergebnisse der Studie werden bereits in diesem Sommer veröffentlicht.