Es ist passiert. Das Kondom ist geplatzt, oder im hemmungslosen Fickspektakel habt ihr auf Schutz verzichtet ... wenn dabei ein relevantes HIV-Infektionsrisiko bestanden hat (Infos dazu gibt’s hier weiter unten), steht als Notfallmaßnahme eine HIV-Post-Expositions-Prophylaxe (HIV-PEP) zur Verfügung. Das ist eine vierwöchige HIV-Therapie mit antiretroviralen Medikamenten. Sie sollen verhindern, dass sich HIV nach einer Übertragung so stark vermehrt, dass sich die Viren im Körper »einnisten« und Du chronisch infiziert bist.
Wichtig ist:
Eine PEP soll so schnell wie möglich begonnen werden – innerhalb von 24 Stunden nach dem Risikokontakt. Noch mal: Je früher, desto besser!
Die PEP ist keine »Pille danach«, auf die Du zählen kannst. Sie wird nur im wirklichen »Notfall« und nach ärztlicher Beratung vergeben.
Über mehrere Wochen muss ein Pillencocktail mit Nebenwirkungen eingenommen werden.
Ob die PEP hilft, ist nicht hundertprozentig sicher, man schätzt die Schutzwirkung grob auf 80 %.
Die Krankenkassen müssen die Kosten für die Anti-HIV-Medikamente in Höhe von ca. 800–1.500 Euro nur übernehmen, wenn ein klares bzw. erhebliches Risiko einer HIVÜbertragung vorliegt. Ein klares bzw. erhebliches Risiko bestand, wenn alle folgenden Bedingungen zutreffen:
Du hattest ungeschützten Analverkehr (Analverkehr ohne Kondom), oder Euch ist beim Ficken das Kondom geplatzt oder im Darm abgerutscht.
Dein Partner ist mit Sicherheit HIV-positiv oder Dein Partner ist mit hoher Wahrscheinlichkeit HIV-positiv. Hoch ist diese Wahrscheinlichkeit bei anonymem Sex an einem Ort, an dem sich wahrscheinlich viele HIV-Positive aufhalten – z. B. im Darkroom, in einer Schwulensauna, im Pornokino, auf einer Fist-Party, einer Fetisch-Party oder auf einer anderen Sex-Party.
Es ist nicht bekannt, ob der HIV-positive Sexpartner eine Therapie macht oder
Der HIV-positive Sexpartner macht keine HIV-Therapie oder
Der HIV-positive Partner macht eine Therapie, aber seine Viruslast liegt nicht stabil unter der Nachweisgrenze.
Am besten ist es, wenn Du Dich schon vor dem Fall des Falles einmal in einer ruhigen Minute informierst. Zum Beispiel unter www.hivreport.de. Beratung und Informationen zur PEP bietet auch die Online-Beratung der Aidshilfen unter www.aidshilfe-beratung.de. Wenn der »Sex-Unfall« mit HIV-Risiko schon passiert ist, wende Dich umgehend – auch nachts! – an eine der unter www.hivreport.de genannten Kliniken und frag dort am besten nach dem diensthabenden Internisten.
Wenn möglich, sollte Dich Dein Sexpartner begleiten:
Wenn er nicht weiß, ob er HIV-positiv ist, aber positiv sein könnte, kann man im Krankenhaus in 15 Minuten einen HIV-Test bei ihm machen. Wenn der anschlägt, kannst Du mit der PEP beginnen.
Wenn er weiß, dass er HIV-positiv ist, kommt es unter anderem auch auf seine Viruslast an. Bei erfolgreicher, stabiler Therapie (Viruslast seit mindestens 6 Monaten unter der Nachweisgrenze) wird man im Allgemeinen keine PEP empfehlen.
Wird eine PEP empfohlen, kann Dein Partner Infos über seine Therapiegeschichte und die Medikamente geben, die er nimmt/genommen hat: Das ist wichtig für die Auswahl der Medikamente, die Du bekommst.
Im Gespräch mit dem Arzt/der Ärztin wird gemeinsam festgestellt, welches Risiko bestand. Rede offen und ehrlich darüber – Ärzte verkraften das. Je nach Einschätzung der Situation wird der Arzt/die Ärztin dann gegebenenfalls eine HIV-PEP vorschlagen, und die Krankenkasse übernimmt die Kosten.