Niederländische Wissenschaftler glauben, den so genannten Gaydar entschlüsselt zu haben: In einer Studie fanden sie heraus, dass homosexuelle Menschen mehr auf Details in ihrer Umgebung achten - und daher im Alltag auch eher Hinweise auf die sexuelle Orientierung anderer Personen aufnehmen.
Insgesamt zeigte die Universität Leiden 42 Männern und Frauen eine Reihe von Bildern unterschiedlich großer geometrischer Formen, über die die Teilnehmer möglichst schnell Fragen beantworten mussten. Dabei zeigte sich, dass Heteros die Antworten zwar schneller gaben - diese aber weit häufiger falsch waren als bei Schwulen oder Lesben, die analytisch auf Details achteten, aber weniger auf das große Ganze.
"Zum ersten Mal gibt es wissenschaftliche Beweise dafür, dass Gaydar-Mechanismen unter Homosexuellen existieren", so Studienleiterin Lorenza Colzato: "Die erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit erlaubt es Homosexuellen, andere schwule und lesbische Menschen zu erkennen. Wir glauben, dass sie weit analytischer sind als Heterosexuelle."
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung wurden im Fachmagazin "Frontiers in Cognition" veröffentlicht und sind auch online zugänglich. Die Forscher argumentieren in dem Aufsatz, dass die erhöhte Wahrnehmung von Details in ihrer Umgebung Schwulen und Lesben Vorteile bringt, da sie so leichter potenzielle Freunde - oder Liebhaber - entdecken könnten.
Auch die Diskriminierung von Homosexuellen könnte demnach eine Rolle spielen: Da Schwule und Lesben als nicht gleichberechtigte Minderheit eher Angst und Ausgrenzung empfinden als Heteros, könnten sie dadurch gezwungen sein, eher auf Details zu achten. In der untersuchten hollä#ndischen Gruppe haben die Forscher dafür allerdings keine Anzeichen gefunden. In anderen Kulturen könne dies jedoch eine Rolle spielen.
(mg)