Fast sechs Jahre lang konnten sich schwule Bären aus Süddeutschland ungestört im Ludwigsburger Stadtbad vergnügen. Immer am letzten Freitag im Monat stand dort das "Bärenbaden" auf dem Programm. Für 50 Euro pro Stunde hatte ein Mitglied der "Stuttgarter Bären" das Bad von den Stadtwerken angemietet. Die beleibten und behaarten Gays waren dann unter sich und konnten machen, was sie wollten.
Doch nun hat ein Artikel in der Ludwigsburger Kreiszeitung dem ausschweigenden Bären-Planschen ein Strich durch die Rechnung gemacht: "Saubere Sauerei: Im Stadtbad sind die schwulen Bären los" hieß es ungewohnt offen in der Samstagausgabe des Lokalblatts. Zwar vermied Autor Wilfried Hahn jeden homophoben Unterton, doch war seine Intention, mit seinem Artikel über das schwule Stadtbad-Treiben empörte Reaktionen hervorzurufen, mehr als offensichtlich: "Darf man dort Sauereien machen? Oder präziser gefragt: Darf Mann dort Sauereien machen? Antwort: Ja, Mann darf! Wenn er keine Spuren hinterlässt. Womit schon klar ist, dass es nicht um Schüler geht, die ins Becken pinkeln. Sondern um Sex. Um Sex zwischen Männern."
Vergeblich bemühte sich der Autor in seinem Bericht vom Samstag um eine negative Stellungnahme. Die Bären hätten das Stadtbad "immer picobello hinterlassen" zitiert er Karin Wächter, die bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim für die öffentlichen Bäder zuständig ist. Die Dame hatte auch keine moralischen Bedenken: "Das ist eine private Veranstaltung. Und es sind ja alles erwachsene Menschen, die da reingehen."
Wächters Chef traute hingegen seinen Augen nicht, als er am Samstag den Artikel in dem Lokalblatt las. Stadtwerke-Geschäftsführer Bodo Skaletz kündigte noch am Wochenende an, den Mietvertrag für das Bärenbaden fristlos zu kündigen. Von den Bären habe er noch nie etwas gehört, zitiert ihn Wilfried Hahn in der Ausgabe vom Montag, und erst recht nicht davon, dass selbige auf ihrer Webseite für "Schweinkram" werben. Sexuelle Aktivitäten seien in dem Bad niemals erlaubt worden.
Den Stuttgarter Bären selbst war die Gefahr offensichtlich bewusst. Auf Ihrer Webseite appelierten sie eindringlich zur Sauberkeit, um das Bärenvergnügen nicht zu gefährden. So sollten benutzte Gummis nicht in den Schränken liegen gelassen werden, hieß es etwa. Das Resumé von Wilfried Hahn: "Trotz aller Sauberkeitsappelle haben die Bären aber trotzdem Spuren hinterlassen - und zwar im Internet. Und damit haben sie sich selbst einen Bärendienst erwiesen."