Kurz vor der Urteilsverkündung im Strafprozess gegen die "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa hat die Deutsche Aids-Hilfe erklärt, dass sie einen Freispruch befürworte.
Zum Start der HIV-Selbsthilfekonferenz "Positive Begegnungen" in Bielefeld, zu der 500 Teilnehmer erwartet werden, erklärte die Organisation, dass jeder einzelne für seine Gesundheit verantwortlich sei: "Die DAH hatte immer wieder die Stigmatisierung der Künstlerin und die pauschale Kriminalisierung HIV-Positiver verurteilt und angemahnt, die HIV-Prävention nicht einseitig nur den positiven Menschen aufzubürden", heißt es in einer Stellungnahme.
Die 28-Jährige steht derzeit in Darmstadt vor Gericht, weil sie zwischen 2000 und 2004 mit Männern ungeschützten Sex gehabt haben soll, ohne ihnen ihre HIV-Infektion offen zu legen. Einer der Männer ist inzwischen HIV-positiv. Das Urteil gegen Benaissa wird bis Donnerstag erwartet. Die 28-Jährige ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt: Ein 34-jähriger Mann, der auch als Nebenkläger auftritt, beschuldigt die Sängerin, ihm mit dem HI-Virus angesteckt zu haben. Gutachter Josef Eberle bestätigte am Mittwoch, dass Benaissa mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ... die Quelle für die Infektion" des Mannes war. Die Staatsanwaltschaft forderte daraufhin eine zweijährige Bewährungsstrafe für Benaissa.
Auch die Schweizer Aidshilfe-Gruppe LHIVE kritisiert die Kriminalisierung der Künstlerin: "Frau Benaissa hatte nie wirklich eine freie Wahl, ob und wie sie ihre Infektion kommunizieren möchte. Die Angst vor der sozialen Ächtung, insbesondere ihrer Tochter, und die Angst vor Vorurteilen, Diskriminierung und den ökonomischen Folgen daraus waren stärker", so die Gruppe aus Hölstein im Kanton Basel-Land. "Nicht der eigene ´falsche Umgang mit der Infektion´, sondern der ´falsche Umgang mit den Infizierten´ ist der Grund für das Schweigen im entscheidenden Moment."
(mg)