Tolerantes Web verzögert Coming-out
Interessante These des bekannten Psychoanalytikers Udo Rauschfleisch: Der selbst homosexuelle Wissenschaftler ist skeptisch, ob das Internet jungen Schwule und Lesben tatsächlich beim Coming-out nützt.
In einem Interview mit der Zeitschrift "Beobachter" wies Rauchfleisch darauf hin, dass Homosexuelle im Durchschnitt zwei Jahre später als Heterosexuelle "reale" sexuelle Beziehungen eingingen. Das anonyme "virtuelle" Coming-out ist für den Wissenschaftler nachrangig: "Letztlich zählt eben immer noch die Anerkennung im Kreis der Familie, bei Freunden, am Arbeitsplatz." Die vorhandenen Statistiken zeigen dem Experten zudem: "Nach wie vor sind unter homosexuellen Jugendlichen Angsterkrankungen, Depressionen, auch der Wunsch, sich umzubringen, wesentlich häufiger als bei gleichaltrigen heterosexuellen Jugendlichen."
Rauchfleisch, Jahrgang 1942, war von 1970 bis 1999 als Klinischer Psychologe an der Psychiatrischen Universitätspoliklinik Basel tätig und ließ sich nebenals als Psychoanalytiker ausbilden. 1978 wurde er an der Universität Basel habilitiert und zum außerordentlichen Professor für Klinische Psychologie berufen.
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31.08.2011
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