"Willst du mein Mann werden?" - Rund um die Homo-Ehe und das Leben zu Zweit
SCHWULISSIMO klärt einmal auf, wie die internationale Lage zur gleichgeschlechtigen Ehe aussieht und wie Deutschland im Vergleich da steht. Ausserdem bennenen wir die fünf goldenen Regeln, die den Weg der Ehe nicht zum „Highway to Hell“ machen, sondern ein gemeinsames und glückliches Leben zu zweit erleichtern.
Über zehn Jahre nachdem die Niederlande die gleichgeschlechtliche Ehe – oder Homo-Ehe, wie sie häufig bezeichnet wird – eingeführt hat, hält das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., erneut eine weltfremde und steinzeitliche Rede vor den 160 Diplomaten im Vatikan. Der Papst verurteilt die Staaten der Welt, die die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet haben. Eine solche Gesellschafts- und Familienpolitik sei eine Gefährdung für „die Zukunft der Menschheit“. Seine Meinung basiert darauf, dass er die traditionelle Familie, also die ausschließliche Verbindung zwischen Mann und Frau, bedroht sieht und eine Homo-Ehe ebenfalls für „die menschliche Würde und […] für die Zukunft der Menschheit“ eine Bedrohung darstelle. Äußerungen, die aus der Zeit stammen könnten, als man sich entscheiden musste, ob man der Kirche („die Erde ist eine Scheibe“) oder der modernen Wissenschaft („die Erde ist eine Kugel“) Glauben schenken sollte. Benedikt XVI. sieht die „fundamentale Grundlage der gesamten Gesellschaft“ vor der Zerstörung und man ist fast der Meinung, dass er als nächstes den Weltuntergang prophezeien möchte. Die Schlagzeilen über die katastrophalen Zustände der Gesellschaft in den Niederlanden, wo die Bürger seit über zehn Jahren unter der gleichgeschlechtlichen Ehe leiden und sich bedroht fühlen, muss wohl alleinig der Papst gelesen haben. Da wir uns sowieso im Jahr des Weltuntergangs befinden, wie Emmerich in seinem Blockbuster „2012“ das Ende des Maya-Kalenders interpretiert hat, sollten wir dem Papst zeigen, welche Auswirkungen die Homo-Ehe hat und alle ganz schnell mit dem Jawort und Freund im Gepäck zum Standesamt laufen. Um es in den Worten der Sängerin Beyoncé Knowles zu sagen: „If you liked it then you should’ve put a ring on it”.
Internationaler Vergleich – Vom Vorreiter der Homo-Ehe über Deutschland bis hin zum Verbot der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft
Manchmal sollte man auch einfach mal einen Moment lang innehalten und froh sein, wie gut es uns geht und dass wir in dieser Gesellschaft groß geworden sind, in der wir - unter Einschränkungen – frei und selbstbestimmt leben können. Aber bereits bei unseren europäischen Nachbarn ist die Lage zur gleichgeschlechtlichen Liebe und Partnerschaft sehr unterschiedlich und zum Teil noch stark diskriminierend. Vom Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe in der Ukraine oder in Bulgarien über keine Anerkennung in Italien oder der Slowakai bis hin zu strittigen Debatten über Verbot oder Einführung der Homo-Ehe in Polen oder Griechenland: Es gibt in Europa nur einige Staaten, die bereits versucht haben die Diskriminierung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft rechtlich und sozial aufzuheben und eine Gleichberechtigung gegenüber der Ehe von Mann und Frau herzustellen. Bisher sollten homosexuelle Pärchen in die Niederlanden, nach Belgien, Spanien, Norwegen oder Schweden auswandern, um eine gleichgeschlechtliche Ehe führen zu dürfen. Aber die Geschichte der Ehe zwischen Partnern des gleichen Geschlechts ist ein vergleichsweise junges Phänomen, das erst 2001 in den Niederlanden zum ersten Mal verfassungstechnisch umgesetzt wurde.
In Deutschland wurde die gleichgeschlechtliche Ehe noch nicht eingeführt. Das Gesetz über die eingetragene Lebenspartnerschaft „ermöglicht zwei Menschen gleichen Geschlechts in der Bundesrepublik Deutschland die Begründung einer Lebenspartnerschaft“. Aber die gleichgeschlechtliche Ehe ist durchaus nicht identisch mit der eingetragenen Partnerschaft, da die Gleichberechtigung nicht mit der Anerkennung einer gleichgeschlechtlichen staatlichen Institution einhergeht. Der Hamburger CSD 2012 stellt die Forderung nach der Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare in den Fokus. Das CSD-Motto 2012: „Ehe 2.0 - Nach den Pflichten jetzt die Rechte“. Diese Forderung richtet sich an CDU/CSU und FDP, die die unterschiedlichen Rechtsinstitute beibehalten und keine Gleichstellung der Ehe wollen. Alle Gesetzentwürfe zur Gleichstellung der eingetragenen Partnerschaft mit der Ehe oder der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare scheiterten am Widerstand der aktuellen Regierungskoalition.
Die Hamburger waren Vorreiter, da die 1999 eingeführte „Hamburger-Ehe“ als Vorläufer für das heute geltende Lebenspartnerschaftsgesetz in Deutschland gilt. Laut dem Statistischen Bundesamt gaben im Mikrozensus 2010 23.000 gleichgeschlechtliche Paare an, in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zu leben. Die Trennungsquote bei homosexuellen Paaren liegt sogar deutlich niedriger als bei der traditionellen Eheschließung. Dabei darf man bei eingetragenen Partnerschaften nicht von Scheidung sprechen, sondern von einer Auflösung der Lebenspartnerschaft. Im Endergebnis stehen sich die beiden Varianten der endgültigen Trennung jedoch in nichts nach. Europa ist auf einem guten Weg, aber für die Gleichberechtigung müssen alle Homosexuellen weiterhin hart kämpfen.
|
27.01.2012
Artikel mitnehmen
Artikel drucken
Artikel empfehlen
|
|
| Terminkalender |
|
| Cityguide |
|
| Partypics |

 |
| E-Paper |

|
| Umfrage |
Was muss an Deinem Body verändert werden? |
| SCHWULISSIMO ABO |
|
|