Feng oder Shui ? - Yin oder Yang ?
Jeder kennt sie. Die zwei unterschiedlichen Wohn-Typen.
Da gibt es zunächst den gestaltungsbegeisterten, nichtprofessionellen Inneneinrichter, der mit leichter Hand die funzelige Energiesparlampe gegen eine dimmergesteuerte LED-Leuchte austauscht, der die Henkel der Espressotassen in der Küche so ausrichtet, dass eine rhythmische Optik das Verlangen auf eine Tasse Latte Macchiato weckt und der der stylischen anthrazitgrauen Wohnlandschaft durch fehlende Gestaltungselemente wie etwa Kissen (Pfui!) das Flair einer New Yorker Penthouse-Dachterassen-Chaise verleiht, gepaart natürlich mit opulenten Kelchen, gefüllt mit Veuve Clicquot.
Und dann gibts da den anderen. Es ist der Poco. Aus dem Land der Domäne. Manchmal ist er auf der Suche und besteigt einen Roller, um sich dann vom Selbstbedienungs Philip beraten zu lassen. Und das dann oft sogar mit Erfolg. Denn der Preis winkt. Und der Tisch, das Bett oder die Schrankwand müssen halt gekauft werden. Lange suchen und auswählen ist da nicht. Entscheidungen sollen schnell gefällt werden.
Und dann sitzt der Poco auf dem großgemusterten Sofa in wilden Brombeertönen vor seiner neuen Schrankwand in Esche Furnier und schaut auf seinen 60 Zoll HDFlatscreen. Und lauscht den neuesten Botschaften auf RTL. Dort schreien sich wie jeden Tag zwei Proleten an und hauen sich in der Doku-Soap „Mitten im Leben“ den Schädel ein ...
Aber ich komme ab vom Thema.
Das heißt nämlich Feng oder Shui. Yin oder Yang.
Was harmoniert bei der Wahl der Inneneinrichtung? Welche Farbe passen zusammen, welche machen den Raum warm, welche lassen den Raum größer erscheinen, als er ist? Welche Materialien sollte man wählen? Tapete oder Glattputz? Teppich, Laminat oder Fliesen? Pflanzen ins Schlafzimmer oder lieber nicht? Was ist mit Ausdünstungen von Farblacken oder Billy-Regalen? Es gibt immer Fragen über Fragen hinsichtlich der Gestaltung der eigenen Wohnräume. Sowohl für den Amateur-Innenarchitekten als auch für den Poco.
Ratschläge sind also gefragt. Wer sich damit beschäftigt, ob die künftige Inneneinrichtung auch allen individuellen eigenen Bedürfnissen gerecht wird, kann versuchen, diese Frage mithilfe von Feng Shui zu klären. Gehört oder gelesen hat das sicher schon so mancher aber worum handelt es sich dabei eigentlich?
Feng Shui ist chinesisch und bedeutet Wind und Wasser. Es ist ein in China begründeter Teil der daoistischen Philosophie. Ziel dieser Lehre ist eine Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung, die durch eine besondere Gestaltung der Wohn- und Lebensräume erreicht werden soll. Nach der traditionellen Vorstellung sollen mit Feng Shui „die Geister der Luft und des Wassers geneigt gemacht“ werden.
Die Prinzipien des Feng Shui werden heutzutage oft bei Zimmereinrichtungen genutzt. Bei der Raumgestaltung werden nach verschiedenen Regeln Mobiliar und Dekorationselemente so angeordnet, dass sich sogenannte „verstockte Energien“ nicht in diesen Räumen festsetzen und dass das sogenannte Qi (Chi) frei fließen kann.
Qi (Chi) ist in der daoistischen Philosophie die unsichtbare Lebensenergie, die überall um uns, in jedem Wesen und jeder Zelle fließen soll und alles belebt und gestaltet. Durch die richtige Innengestaltung eines Zimmers sollen die Bewegung des Qi (Chi) in der Umgebung und im Haus harmonisiert und gesteigert werden. Die daoistische Philosophie sagt, dass eine hohe Ansammlung von günstigem Qi (Chi) zu positiven Ergebnissen bei Gesundheit, Harmonie und Erfolg eines Menschen führen wird.
Für die Gestaltung von Wohnräumen spielt auch die aus dem chinesischen Daoismus stammende Lehre von Yin und Yang eine wesentliche Rolle. „Yin und Yang sind zwei Begriffe des chinesischen Denkens. Sie stehen für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien.“ Yin und Yang sollen das Gleichgewicht fördern zwischen allen Gegensätzlichkeiten. Im New Age Feng Shui wird die Lehre von Yin und Yang allein auf die Wohnung angewandt, wie zum Beispiel für die aktiven Bereiche wie Arbeits- und Wohnzimmer, den sogenannten Yang-Bereichen. Als Yin-Bereiche gelten die Ruhezonen der Wohnung, also das Schlafzimmer und ggf. der Meditationsraum. Jeder Bereich soll durch die Gestaltung der Räume auf seine Funktionalität abgestimmt und harmonisch gestaltet werden.
Vorsicht jedoch vor EsotherikFeng Shui wird im Westen vorwiegend als Methode zur Harmonisierung von Wohnräumen anwendet. Mit Vorsicht und gesunder Skepsis müssen westliche Feng Shui Vertreter und Berater betrachtet werden, die die traditionellen chinesische Feng Shui-Grundideen mit Vorstellungen der New Age- und Esoterik-Bewegung vermengen.
Bei diesen esotherischen Beratungen werden Theorien von Farbgestaltung und energetische Einflüsse von Kristallen und Düften einbezogen, ihnen jedoch veränderte Bedeutungen zugewiesen. Unter Verwendung von zahlreichen „Hilfsmitteln“ wie Windspielen, Kristallen, Zimmerbrunnen, Goldsteinen, farbigen Stoffen oder Wasserpostern soll der Fluss der Lebensenergie Qi (Chi) in Wohnräumen regulierbar sein.
Esotherischer Unsinn, der dabei mit einfließen kann, nimmt dem philosophischen chinesischen Ansatz leider seine Bedeutung und Glaubwürdigkeit. Sehr skeptisch werden sollte man, wenn in Feng Shui Beratungsangeboten weitere wissenschaftlich nicht gesicherte beziehungsweise naturwissenschaftlich in keiner Weise belegbare Konzepte wie Schutz vor Elektrosmog, vor Radiästhesie oder vor Erdstrahlung eingebracht werden. Hierbei handelt es sich dann um unseriöse Geschäfte mit der Angst.
Beratung kann, muss aber nicht seinAuch ohne Berater kann man seine Wohnung nach den Richtlinien von Feng Shui so gestalten, dass das Qi (Chi) fließt. Es gibt zahlreiche Bücher und Internetseiten zum Thema. Je nach eigenem Wunsch, kann man sich daraus die gewünschten Informationen besorgen. Bei der Suche grundlegend beachten sollte jeder, dass durch die Neugestaltung der Wohnräume die eigene Persönlichkeit und die eigene Umgebung harmonisiert werden.
Wodurch kann das nun geschehen?Licht beeinflusst die Stimmung eines Raumes und die des Menschen. Nach den Prinzipien des Feng Shui fördert Licht die positive (aktive) Yang-Kraft. Eine Einrichtung nach Feng Shui hat das Ziel, dass die Lebensenergie das ganze Haus durchströmt. Damit das Qi (Chi) auch in alle Winkel fließen kann, sollten Lampen in die Ecken der Räume gestellt werden. Die Lichtgestaltung nach Feng Shui arbeitet unter anderem mit Kristallen. Esotherische Kristallwirkungen sind damit jedoch nicht gemeint. Lichtkristalle brechen das einfallende Licht in seine Spektralfarben. Jede einzelne vom Kristall scheinende Regenbogenfarbe verteilt ihre Energie im Raum. Besonders hilfreich sollen Kristalle sein, die vor ein Fenster gehängt werden, da diese das Licht der Sonne brechen. Das eingefangene und in die Spektralfarben gebrochenen Sonnenlicht soll noch mehr Energie als künstliches Licht enthalten.
Dekorationen entsprechend der WohnbereicheDer jeweilige Wohnbereich bestimmt die Form und Farbe der jeweiligen Dekorationselemente. Laut Feng Shui wird die Energie des Wohnzimmers (der aktive Bereich) durch Dekorationsartikel in den Farben Gelb, Rot oder Orange positiv beeinflusst. Das Badezimmer - der Ort des Wassers, sollte in Blautönen dekoriert werden. Das Büro, Schlafzimmer und die Küche sollten mit Brauntönen geschmückt werden. Die Wände, Bodenbelege und Möbel sollten ebenso möglichst die Farbe des dem Lebensbereich zugehörigen Elementes entsprechen.
Ordung für gesunden SchlafNach Feng Shui dient das Schlafzimmer dem Schlaf und sollte entsprechend Ruhe und Entspannung ermöglichen. Unordnung stört somit. Abgelegte Kleidung sollte vor dem Schlafengehen weggeräumt werden. Das Bett sollte mit dem Kopfende an einer Wand stehen, da dies ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. Das Fußende darf
nicht auf eine Tür oder einen Spiegel zeigen, da sonst die positive Energie dorthin verloren geht. Das Schlafzimmer sollte nur sparsam möbliert sein. Es sollte ein Raum der Ruhe sein, mit wenig Dekoration, da zu viele Dekorationsartikel vom Schlaf ablenken. Grüne Pflanzen sind ein Muss, da diese für Entspannung sorgen.
Idealerweise aber oft nicht wirklich realisierbar, da man Räume nicht einfach verschieben kann, sollte das Schlafzimmer nicht neben dem Badezimmer platziert sein. Laut Feng Shui wird dadurch nämlich die positive Energie des Schlafbereichs vom Badezimmer aufgesogen. Auch ohne Kenntnisse des Feng Shui ist der Tipp obligatorisch, dass der Schlafraum nicht zur Straße ausgerichtet sein sollte, da eine laute Geräuschkulisse die Ruhephasen stört.
Feng Shui für AnfängerMan muss nicht gleich die gesamte Wohnung renovieren, um kleine Effekte des Feng Shui in das eigene Zuhause zu holen.
Typisch für Feng Shui ist Ordnung und wenige, ausgewählte Dekoelemente. Natur in der Wohnung soll heilsame Pflanzenkräfte zur Wirkung kommen lassen. Dazu einfach entsprechend der jeweiligen Jahreszeit Dekorationselemente, wie zum Beispiel Blumen, Blätter, Hölzer, Steine, Muscheln oder auch eine Schale Wasser von draußen holen.
Licht holt Qi (Chi) in dunkle und unbelebte Ecken. Räume, die mit verschiedenen Lichtquellen gut ausgeleuchtet sind, wirken somit harmonisch.
Idealerweise sollte natürliches Sonnenlicht das Wohnzimmer durchfluten. Es entsteht so eine Atmosphäre, die sich offen präsentiert und wo sich auch Gäste auf Anhieb wohlfühlen können.
Gläser, Spiegel und glänzende Oberflächen sollen den Fluss des Qi (Chi) anregen. Unterstützend wirken dabei Kerzenleuchter, Kristallschalen, farbige Gläser oder Windspiele. Spiegel haben im Feng Shui eine besondere Bedeutung. Sie ermöglichen den Blick nach hinten, was beruhigend wirken soll. Schönes wird dadurch widergespiegelt und es entsteht Weite im Raum.
Sitz- und Sofaecken stehen richtig, wenn man weder die Tür im Rücken hat noch direkt aus dem Fenster schauen kann. Ein Schreibtisch sollte genau so aufgestellt sein.
Vermeiden sollte man nach den Regeln des Feng Shui das sogenannte „schneidende Qi (Chi)“ im Wohnzimmer. Es entsteht durch scharfe oder vorstehenden Kanten und Pflanzen mit spitzen Blättern. Diese könnten im schlimmsten Fall auf die Menschen in den Sitzgruppen weisen. Dieses sollte nicht geschehen. Alle Möbel, wie zum Beispiel Schränke, Sitzmöbel, Regale, Tische sollten, so weit wie möglich mit runden Ecken versehen sein, um die negativen Wirkungen des scharfen Chi auszuschließen.
Damit das Qi (Chi) immer frei im Raum und um die darin untergebrachten Möbel und Gegenstände fließen kann, sollte das Zentrum des Wohnzimmers ebenso wie in allen anderen Räumen freigehalten werden.
Weitere Tipps findet man hier:
www.fengshui-verband.eu, www.deutsches-fengshui-institut.de
Inspiration für die eigene Wohnraumgestaltung kann man sich auch holen in Baden Baden im Feng Shui Museum. (nb)
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27.01.2012
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