Um vom Staat Geld für die ...
Wir sehen jeden Tag Werbung für Rentenversicherungen. Hier gibt es Zulagen vom Staat und da gibt es eine Steuerersparnis. Dort gibt es gute Renditen und alles auch noch sicher... oder doch nicht? Wieder andere warnen vor Rentenversicherungen und schwören auf Investment und Immobilien... Warum denn eine Rente, wenn ich im Alter keine Miete zahlen muss?
So vielseitig wie das Angebot an Vorsorgemöglichkeiten sind auch die Meinungen darüber, was nun gut ist und was nicht. Was ist denn nun die richtige Vorsorge?
Überraschung, pauschal kann man diese Frage natürlich nicht beantworten. Um hier etwas Licht in den Vorsorgedschungel zu bringen, sollten wir uns einiger Dinge grundsätzlich bewusst werden.
1. Wer sich auf die gesetzliche Rente verlässt, ist selbst schuld und sollte heute schon mal ordentlich Steuern zahlen, denn im Alter wird er den Steuerzahlern auf der Tasche liegen.
2. Aus dem Finanzamt kann man leider nicht austreten, also sollten wir dafür sorgen, dass das Finanzamt in unsere Altersvorsorge eintritt, nämlich als Pflichtmitglied.
3. Die Aussage, dass eine Immobilie die beste Altersvorsorge ist und darüber hinaus nichts anderes gebraucht wird, ist Schwachsinn. Eine Immobilie gehört definitiv in den Vorsorgemix hinein, kann aber immer nur ein Teil dessen sein.
4. Investment gehört ebenso in die Vorsorge hinein, kann aber die Versicherungen nicht ersetzen, da jede Form der Vorsorge ihre Vor- und Nachteile hat.
Kurz gesagt, Vorsorge ist wichtig und wenn wir schon vorsorgen, dann mit dem richtigen Mix und mit so viel Staatsgeld wie möglich.
Aus der Not heraus, dass die gesetzliche Rentenversicherung in Zukunft nicht annähernd den Bedarf an Rentenzahlungen decken kann, ist der Staat gezwungen, ständig an der Höhe der Renten herumzuschrauben. Da werden die Renten gekürzt und dann besteuert und noch mal mit Sozialabgaben belegt und so weiter und so weiter. Durch diese Finanzkosmetik sinkt das Rentenniveau stetig, sodass die Lücke zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der Rente immer größer wird.
Um diese Lücke zu schließen ist JEDER gezwungen zu sparen. Genau dabei hilft der Staat mit Förderungen und Steuererleichterungen und gibt damit die Verantwortung für die Vorsorge an seine Bürger ab. Von diesen Förderungen profitieren natürlich die Unternehmen, die sich mit dem Thema Vorsorge beschäftigen, und so sind in den letzen Jahren einige Vorsorgeprodukte an den Markt gekommen, die staatlich unterstützt werden. Das bekannteste dürfte die Riesterrente sein. Aber auch die Rürup-Rente und die betriebliche Altersvorsorge gehören zu den stark geförderten Vorsorgeformen. Ferner gibt es diverse Investmentformen, die steuerlich begünstigt für die Altersvorsorge genutzt werden können. Sogar der Immobilienerwerb für das Alter ist mittlerweile staatlich gefördert.
Für den klugen Sparer lautet die alles entscheidende Frage nun: Welche Vorsorgeform ist für mich die richtige?
Natürlich gibt es kein Kochrezept, nach dem eine Vorsorge aufgebaut wird. Es kommt vielmehr auf den cleveren Mix der Produkte an.
Dazu zwei Beispiele aus der Praxis:
Fall 1: Jemand fragt mich, wie viel er sparen muss, damit er bei einer Rendite von 6% pro Jahr auf seine Wunschrente kommt. Ich rechne ihm aus, dass er 150 Euro monatlich investieren muss, um sein Ziel zu erreichen.
Nun sagt mir mein Kunde, dass er statt den 150 Euro nur 80 Euro im Monat sparen kann, weil er sein Leben jetzt ja auch genießen möchte. Meine Aufgabe ist es also, ihm den Fehlbetrag über steuerliche Vergünstigungen und staatliche Zulagen zu ersetzen. Ich werde also die Produkte so wählen dass er ein Maximum an Zulagen, Steuer- und Sozialabgabenersparnis bekommt. Er muss allerdings berücksichtigen, dass er im Alter alle Auszahlungen aus den Verträgen voll steuerlich angeben muss.
Fall 2: Jemand sagt mir, er möchte steueroptimiert vorsorgen. Er möchte seine Rente im Alter allerdings auch nicht voll versteuern müssen. Er kann flexibel zwischen 100 und 200 Euro im Monat für die Rente sparen. Zusätzlich möchte er eine Immobilie erwerben und diese bis zum Rentenalter abgezahlt haben.
Hier werde ich natürlich ein Augenmerk auf die steuerliche Behandlung seiner Verträge richten. Vielleicht bekommt er die eine oder andere Förderung heute nicht, hat dafür aber einen Vertragsmix, der sowohl heute als auch im Alter steuerlich interessant und darüber hinaus flexibel in der Ansparung ist. Als zusätzliche Sicherheit im Alter steht ihm die Immobilie zur Verfügung, deren Finanzierung in die Altersvorsorge integriert und staatlich gefördert ist.
Es kommt also immer auf den Mix an.
Altersvorsorge ist keine Sache, die man mal eben zwischen Kontoauszug und Briefmarkenkaufen abschließen kann. Du solltest Dir ernsthaft Gedanken darüber machen, wie risikobereit Du in Sachen Geldanlage bist, wie viel Du sparen kannst, wann Du in Rente gehen möchtest und wie viel Rente Du erhalten möchtest. Mit diesen Daten gehst Du zu Deinem Vermögensberater und lässt Dir ein auf Deine Situation zugeschnittenes Angebot erstellen.
Hüte Dich vor dem Abschluss einzelner Produkte aufgrund von Werbung. Die Riesterrente zum Beispiel ist ein tolles Produkt. Es gibt aber Menschen, für die macht die Riesterrente absolut keinen Sinn, so toll sie laut Werbung auch immer sein mag.
Ich treffe leider immer wieder Menschen, die zwar für ihr Alter sparen, aber ihre Vorsorge nicht konzeptionell aufgebaut haben. So haben sie z.B. eine Riesterrente und beantragen die Zulagen nicht, oder sind gar nicht zulagenberechtigt. Sie sparen in konventionelle Produkte obwohl sie noch nicht alle Steuervorteile ausgeschöpft haben. Die einzige Folge solchen Wildwuchses ist, dass Geld verbrannt wird. Wenn zum Beispiel jemand über 30 Jahre 40 Euro jeden Monat zuviel bezahlt, die er auch vom Staat hätte bekommen können, dann reden wir schon über zuviel gezahltes Geld in Höhe von 14.400 Euro. Wenn nach 30 Jahren jemand kommt und sagt, die gleiche Rente hättest Du für 14.400 Euro weniger bekommen können, dann wird sich derjenige sicher ärgern.
Bei der Altersvorsorge kommt es also nicht darauf an, möglichst viel Geld in viele Verträge zu sparen, sondern es kommt darauf an, clever zu sparen. Wer seine Vorsorge clever aufbaut, ist auf lange Sicht der Gewinner. (mr)
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01.08.2009  Um vom Staat Geld für die ...
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