»Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstandenen Schadens verpflichtet«. Dieser schmerzhaft von der Zunge fließende Beamtendeutsche Satz steht im §823 Abs. 1 BGB und regelt die allgemeine Haftpflicht für jeden deutschen Bundesbürger. Das hat Mutti ja auch schon immer gesagt: Sei nicht übermütig, mein Sohn, sonst machst du etwas kaputt und musst es ersetzen. Auch wenn Mutti mit dieser Warnung nur ihr eignes Portemonnaie vor der Zerstörungswut des Juniors schützen wollte, hatte sie vollkommen Recht. In Deutschland haftet jeder für die von ihm verursachten Schäden in unbegrenzter Höhe. Und weil das so ist, gibt es hierfür natürlich auch eine Versicherung, die Haftpflichtversicherung, der wir den ersten Teil unserer Versicherungsreihe widmen wollen. Sie ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt und unbedingt notwendig, um das eigene Vermögen zu schützen.
Vermögen schützen ... Pah! Sagt Michael Sparsam. »Ganz ehrlich, wenn ich die billige Sonnebrille meines Kumpels zerstöre, werden wir uns schon einig. Na ja, und Menschen verletzen tu ich doch nicht, so was kommt doch nie vor.«
Recht hat er. Kleine Schäden regeln wir meist selbst oder gar nicht, da nicht der Rede wert. Jedoch wird jeder gute Berater, natürlich stets um das Wohl des Kunden in Sorge, hier zwei Gründe anführen, warum diese Sichtweise gefährlich ist: Erstens kann ein Haftpflichtschaden schnell hohe Summen an Geld kosten. Das ist immer dann der Fall, wenn Menschen zu Schaden kommen. Ein krasses Beispiel wäre, dass wir bei Rot über die Ampel gehen und einen Verkehrsunfall verursachen. Kommt dabei jemand zu Schaden, können Schmerzensgeldforderungen, Behandlungskosten oder in schlimmen Fällen sogar Rentenzahlungen schnell in den sechsstelligen Bereich gehen. Reicht unser Erspartes in so einem Fall nicht aus, haften wir mit unserem gesamten Vermögen. Die Haftpflicht hilft aber nicht nur in so krassen Fällen. Oft wissen wir gar nicht dass wir jemandem Schaden zufügen. Ein gutes Beispiel ist das Internet: Hier gibt es viele Möglichkeiten, den Datenschutz oder Urheberrechte zu verletzen. Dazu reicht es schon, ein beliebiges Foto aus dem Netz zu laden und auf unserer eigenen Website zu platzieren. Meistens bekommt das keiner mit, wir eingeschlossen. Sollten wir aber erwischt werden, kommt mit Sicherheit eine Schadensersatzforderung.
Kurzum, Mutti hat schon immer gesagt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht und so haften wir auch für Dinge, die uns erst bewusst werden, wenn plötzlich jemand Geld von uns haben will. Der zweite gute Grund, der für eine Haftpflichtversicherung steht, ist deren Doppelfunktion. So ist die Haftpflicht nicht nur für die Regulierung entstandener Schäden verantwortlich, sondern auch für die Abwehr unberechtigter Schäden.
Mein Nachbar behauptet, ich habe ihm einen Schaden zugefügt, weil meine Freunde, die bei mir zu Besuch waren, sein Fahrrad umgeworfen haben, welches er vor der Tür angeschlossen hatte. Er hat das genau beobachtet und nun soll ich ihm den entstandenen Schaden an seiner Gangschaltung in Höhe von 150 Euro ersetzen.
Nun könnte ich behaupten, dass in so einem Fall die Haftpflicht meines Kumpels haften müsse, schließlich habe er das Fahrrad ja umgestoßen und nicht ich. In so einem Fall würde mein Nachbar sich damit sicher nicht zufrieden geben und auf die Zahlung durch mich bestehen.
Um dem Streit aus dem Weg zu gehen kann ich meinen Nachbar auch beruhigen und ihm sagen, dass ich den Fall meiner Versicherung melden werde und die sich dann um alles kümmern. Die Versicherung wird den Schaden prüfen und ihn zahlen, sofern der Anspruch meines Nachbars berechtigt ist. Ist der Anspruch nicht berechtigt, weist die Versicherung den Schaden ab und führt im Ernstfall sogar einen Prozess mit meinem Nachbarn, sollte der auf die Idee kommen, mich zu verklagen. Kosten tut mich das Ganze nichts und ich habe meinem Nachbarn gegenüber einen guten Willen gezeigt.
Eine Haftpflichtversicherung ist also notwendig. Allerdings solltest Du nicht die billigste nehmen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Wenn Du einer Versicherung, die 90 Euro wert ist, für 95 Euro abschließt und diese im Schadenfall den Schaden bezahlt, hast du allenfalls 5 Euro pro Jahr zu viel bezahlt. Schließt Du eine billige Versicherung ab, meinetwegen für 80 Euro und diese zahlt im Schadensfall schlecht oder gar nicht, hast Du nicht nur die 80 Euro umsonst bezahlt, sondern musst evtl. auch den Schaden noch selbst zahlen.
Leider lassen sich Versicherungen preislich nicht so gut einordnen. Wenn Du also wissen willst, ob eine Versicherung gut ist oder nicht, musst Du auf die Leistungen achten. Ob Dir diese Leistungen dann den Preis wert sind, musst Du selbst entscheiden.
Die Haftpflichtversicherung muss gesetzliche Mindestleistungen erfüllen. Zusätzlich ist es aber ratsam, folgende Leistungen ebenfalls abzusichern:
1. Verlust privater und beruflicher Schlüssel
Grade bei beruflichen Schlüsseln hat ein Verlust oft den Austausch eines ganzen Schließsystems zur Folge. Das kann teuer werden.
2. Schäden aus Gefälligkeit
Wenn ich einem Freund beim Umzug helfe und mir rutscht die Waschmaschine aus der Hand, ist das in einer normalen Haftpflichtversicherung nicht mitversichert. Mein Freund hat aber trotz dem einen Rechtanspruch auf Schadensersatz.
3. Mitversicherung von Forderungsausfällen
Wenn ich der Geschädigte bin und ich Schadensersatz fordere, kann es sein, dass ich den auch zugesprochen bekomme vor Gericht. Das bringt mir aber nichts, wenn mein Gegenüber nicht zahlen kann, bzw. selbst keine Haftpflicht hat. In diesem Fall würde meine Versicherung den Schaden übernehmen, sofern ich das mitversichert habe.
Alles in allem solltest Du Dir genau durchlesen, was der Vertrag alles leistet, bevor Du einen Antrag unterschreibst. Im Zweifelsfall solltest Du Deinen Vermögensberater zu Rate ziehen. Auf keinen Fall solltest Du dieses Thema leichtfertig abtun, denn wenn im Ernstfall etwas nicht versichert ist, wirst Du trotzdem kein Gericht finden, welches Rücksicht darauf nimmt, ob Du zahlen kannst oder nicht. (mr)