Arbeitlos – Und nun? Mein erster Gang zum Arbeitsamt!
Für einige ist es Gewohnheit, für viele ist es irgendwann das erste Mal: Der Gang zum Arbeitsamt oder richtiger „Bundesagentur für Arbeit“. Solange man nicht Langzeitarbeitsloser ist, kommt mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann die Situation, in der Du Dich zum ersten Mal arbeitslos melden musst. In der heutigen Zeit sind Jobwechsel zum Alltag geworden, da kaum noch jemand, im Gegensatz zum Großopa, einen Blumenstrauß und Firmenfüllfederhalter zum 50. Firmenjubiläum bekommen wird. Gerade junge Arbeitnehmer sind ständig auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz und sind oft unzufrieden mit der aktuellen Arbeitssituation. So kann es bei der Jobsuche und den Verzögerungen bei der Besetzung freier Stellen immer zur friktionellen (kurzfristigen) Arbeitslosigkeit kommen. Sie ist eine Begleiterscheinung aller durch Arbeitsvertragsfreiheit gekennzeichneter Arbeitsmärkte und Voraussetzung für eine optimale Nutzung und Verteilung der Arbeitskräfte. Aber auch die schlechte wirtschaftliche Lage (Konjunkturelle Arbeitslosigkeit), dass Vater Staat nicht genügend Arbeitsplätze bereit hält (Systematische Arbeitslosigkeit) und der Umstand, dass die Arbeitslosen aufgrund ihrer Qualifikation nicht auf die freien Arbeitsstellen passen (Merkmalstrukturelle Arbeitslosigkeit), sind weitere Gründe, warum es auf jeden von uns einmal zukommen kann, dass er zur Bundesagentur für Arbeit gehen muss.
In den Medien schwirren immer viele Begriffe um das Thema „Arbeitslosigkeit“ rum und SCHWULISSIMO bringt Licht ins Dunkel, was ihr wirklich wissen müsst, wenn ihr eines Tages vor der Erwerbslosigkeit steht. Eine Person ist – laut Gesetz – dann als „arbeitslos“ einzustufen, wenn sie keinen Arbeitsplatz hat, aktiv nach Arbeit sucht und bereit ist, eine Arbeitsstelle anzunehmen. Die aktuellen Zahlen für den Oktober 2011 besagen, dass in Deutschland rund 2,7 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet waren (200.000 weniger als im Oktober 2010). Da wir uns gerade – trotz der anhaltenden europäischen Schuldenkrise – in einer sehr starken wirtschaftlichen Phase in Deutschland befinden, ist die Arbeitslosenquote mit 6,5 % so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sollte es Dich dennoch treffen, fällst Du nicht in die gesellschaftlich so negativ angesehene Hartz V-Falle. Denn seit dem 01. Januar 2005 („Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ („Hartz IV“)) gilt eine neue Grundversicherung für Arbeitssuchende: Es wird entweder Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld/-hilfe gezahlt. Die Bundesagentur Für Arbeit sagt dazu: „Arbeitslosengeld II können alle erwerbsfähigen leistungsberechtigten Personen im Alter von 15 Jahren bis zur gesetzlich festgelegten Altersgrenze zwischen 65 und 67 Jahren erhalten. Personen, die nicht erwerbsfähig sind, können Sozialgeld erhalten. Arbeitslosengeld II und Sozialgeld sind Leistungen, die eine Grundsicherung des Lebensunterhaltes gewährleisten sollen“. Neben dem Regelbedarf, der Dir zusteht, kannst Du auch die Kosten für die Unterkunft und Heizung oder einmalige Leistungen für zum Beispiel Wohnungseinrichtung und Kleidung bekommen.
Der erste Gang zum Arbeitsamt mag sicher unangenehm sein und oftmals befällt einen das Gefühl der Scham, doch ist es ganz normal und Dein Recht, Dich im Fall der Arbeitslosigkeit in Deutschland unterstützen zu lassen. Wichtig ist allerdings, dass Du, wenn Du das Arbeitsamt betrittst, es niemals „Arbeitsamt“ nennst, denn die Zeiten sind vorbei. Unsere Bundesanstalt für Arbeit heißt nun Bundesagentur für Arbeit und da wird auch Wert drauf gelegt. Die Veränderung dabei ist, dass nun die deutsche Arbeitslosenversicherung nicht mehr zentral, sondern kommunal verwaltet wird. Die Arge, wie die Bundesagentur für Arbeit kurz genannt wird, erbringt „die Sozialleistungen am Arbeitsmarkt, insbesondere Leistungen der Arbeitsvermittlung und -förderung sowie finanzielle Entgeltersatzleistungen (z. B . Arbeitslosengeld)“. Die Neustrukturierung scheint eine höhere Schlagkraft zur Folge zu haben, die sich die Bundesagentur für Arbeit dank der positiven Entwicklung der Arbeitslosenzahlen zum Teil selbst zuschreibt. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt und das merkt man beim ersten Besuch recht schnell. Nach dem Einführungsvortrag, der für alle neuen Arbeitslosen bzw. potentiellen Arbeitslosen (man muss sich übrigens bereits drei Monate im Voraus bei einer drohenden Arbeitslosigkeit melden) gedacht ist, wird man seinem eigenen Arbeitsvermittler zugeteilt. Kurz nach dem Namen gefragt und Ruck-Zuck nach dem Alphabet zugeteilt. Mit der Schaffung der neuen Bundesagentur für Arbeit sind alle branchenspezifischen Vermittlungseinheiten abgeschafft. Man wird als Arbeitsloser oder besser formuliert als Arbeitssuchender nun nach einer regionalen Zuordnung dem persönlichen Sachbearbeitern zugeteilt und nicht mehr nach einer fachlichen Richtung.
Erwarte also nicht, dass Dein persönlicher Vermittler direkt auf Deine Berufstätigkeit und Branche zugeschnürtes Wissen hat. Hier wird wohl nach eigener Aussage „versucht“ eine passende Zuordnung von Arbeitssuchenden und Vermittler anzustreben. Es ist also völliges Glücksprinzip wer da dann direkt vor einem sitzt. Es bleibt also fraglich, wie ein Kaufmann das Kompetenzprofil eines Werkzeugmachers oder eines IT-Experten verstehen oder erstellen soll. Um Fehlvermittlungsversuchen aus dem Weg zu gehen, soll nun der Arbeitsvermittler die Qualifikationen des Arbeitssuchenden erkennen und in der Datenbank der Bundesagentur für Arbeit hinterlegen. Zeitdruck ist der ständige Begleiter. Hier wird auch mal über einige Aussagen des Arbeitssuchenden hinweg gegangen und schnell aus verallgemeinerten Erfahrungen ein Profil erstellt, mithilfe dessen die Bundesagentur für Arbeit nun auf die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz geht. Dabei ist man dort wirklich fleißig und es können schon mal innerhalb eines Monats über zehn Vermittlungsvorschlage ins Haus flattern. Diese dürfen dann jedoch auch gern aus der Branche stammen, die zuvor noch ausgeschlossen wurde. Auch die Tatsache, dass es ausdrücklich nicht vorgesehen und nur auf dem informellen Wege möglich ist, dass man direkten Kontakt zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern herstellt, erschwert die Vermittlung ungemein. So könnte auch ein Arbeitnehmer, der die fachlichen Kompetenzen nicht besitzt und meistens aus dem Raster der Arbeitsnehmer herausfällt, durch seine Motivation und seine Persönlichkeit punkten und Schlussendlich überzeugen.
Es bleibt also von größter Bedeutung, dass Du Dich in deiner Arbeitslosigkeit nicht alleinig auf die Bundesagentur für Arbeit verlässt. Nutze die finanzielle Unterstützung des Arbeitslosengeldes und die freie Zeit, um intensiv eigeninitiativ nach einer neuen Arbeitsstelle zu suchen. Alles in Allem hat sich vieles in den eingestaubten Ämtern sicherlich verbessert, aber das heutige Fazit würde noch immer in einem Arbeitszeugnis so formuliert werden: „Die Bundesagentur für Arbeit war stets bemüht, einen passenden Vermittlungsvorschlag zu machen“. (kevin)
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25.11.2011
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