Interview: Reinhard Danner
Den gehobenen Ansprüchen schwuler Wein-Kenner etwas Besonderes zu bieten, hat sich Reinhard Danner, Geschäftsführer von Gaywine, zum Leitspruch gemacht. Seine einmalige Idee sorgt für allgemeine Zustimmung und viel Zuspruch. Um einmal einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen, haben wir ihn für ein paar Fragen aus dem heimischen Weinkeller locken können.
Wie entstand der Gedanke, einen schwulen Weinhandel zu gründen?
Ich bin in den Reben groß geworden. Meine Familie bewirtschaftet seit drei Generationen im Haupterwerb einen Weinbaubetrieb in der Nähe von Baden-Baden, mitten im badischen Weinland unweit der französischen Grenze. Ich kümmere mich im Weingut um die kaufmännischen Belange. Als schwuler Sohn dieses Weingutes habe ich bald bemerkt, dass schwule Männer einen besonders feinen Geschmack und spezielle Neigung zu kulinarischen Dingen haben. Und dies natürlich im Besonderen in Sachen Wein. Im Sommer 2006 habe ich deshalb Freunde eingeladen, um mit meinem Lebensgefährten und mir Cuvées zu kreieren, die dem außergewöhnlichen Geschmack der Männer, die Männer lieben, Rechnung tragen sollen. Zunächst einen von uns genannten Gayblanc, eine Weißwein-Cuvée, einen Gayrosé, einen sehr maskulinen Rotwein, der den Namen Gayrouge erhalten hat und natürlich den sehr beliebten Gaywine-Secco. Gaywine
war also geboren.
Von der Idee zur Wirklichkeit ? wie haben Sie die Planung in die Tat umgesetzt, und welche Hürden mussten Sie dabei nehmen?
Zunächst einmal finanzielle. Die Entwicklung eines neuen Labels ist recht kostenintensiv, wenn man auf Außergewöhnlichkeit und Qualität achtet. Internet-Auftritt inklusive Shop-Modul, Marketing und besonders der Markenschutz in Europa und den USA und Asien fallen hier sehr ins Gewicht. Das Weinbusiness selbst, eigentlich eine sehr traditionell geprägte Welt, hat ganz entgegen meiner Befürchtung sehr positiv reagiert. Mein Mann und ich sind in unserem Ort sehr beliebt und das Thema Gaywine findet allgemein großen Zuspruch.
Wie verfahren Sie bei der Auswahl der Weine für Ihr Sortiment?
Ich habe mein Sortiment zunächst mit dem Weißwein, dem Rotwein, dem Rosé und dem Secco auf eine gesunde Basis als Programm gestellt. Die Weine werden in unserem Betrieb erzeugt und in einer Kellerei, für die ich arbeite, abgefüllt. Der "Schliff" der Weine erfolgt mit erfahrenen Oenologen. Grundvoraussetzung für diese besonderen Produkte sind makellose Grundweine.
Außerdem müssen die Weine mineralische Präsenz aufweisen und internationalen Bedürfnissen entsprechen. Das sind die Voraussetzungen. Und dann entscheidet natürlich noch der "Rat der (schwulen) Weisen". Ich versammle um mich acht unserer schwulen Freunde, die aus Deutschland, aus Zürich und aus Tirol stammen, wir probieren die Roh-Weine und stellen das Cuvée zusammen. Meist eine lustige Angelegenheit...
An welchen Qualitätsmerkmalen kann auch ein Laie einen hochwertigen Wein von einem minderwertigen unterscheiden?
Der Fachmann urteilt nach Farbe, Geruch und Geschmack. Der sogenannte Laie tut das ebenso, vielleicht nicht so differenziert, aber dennoch mit Gespür für Qualität. Wenn der Wein gut aussieht, wunderbar riecht, geschmeidig im Mund ist, und noch lange nach dem Schlucken im Gaumen schmeckt, dann ist das ein Erlebnis und gleichzeitig auch ein Merkmal dafür, dass man etwas besonderes genießt. Das ist wie bei Männern auch. Wenn ich eine schöne Begegnung mit einem tollen Mann habe, bleiben ja auch die Eindrücke, die den Mann zu etwas Außergewöhnlichem machen. So ist es auch bei Wein.
Haben Sie einen Tipp für uns, in welcher Bar/in welchem Restaurant hier im Norden und in Hamburg wir Ihre Weine bereits probieren dürfen?
Bis jetzt habe ich in erster Linie Privatkunden, die im Web-Shop bestellen. Im Norden bin ich noch neu! Gastronomiekunden habe ich in erster Linie hier bei uns im Süden, entlang des Bodensees und der angrenzenden Schweiz. Ich kümmere mich derzeit sehr um Vertretungen in Deutschland.
Sind in naher Zukunft weitere Produkte für Ihr Sortiment geplant?
Gegenwärtig verkosten wir für die nächste Abfüllung die neuen Weißweine im Keller. Dann planen wir einen Gaywine-Secco in Rosé und einen etwas milderen Roten. Wir arbeiten noch an Entwürfen und das braucht Zeit. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir schon jetzt eine ausgewogene Auswahl anbieten können.
Planen Sie auch spezielle Events, bei denen sich Weinliebhaber kennenlernen können? Gibt es bereits feste Termine hierfür?
Ich habe schon einiges an Promotion bei schwulen Vereinen und Gruppen gemacht. Das sind meist sehr lustige Abende. Beim Weinprobieren wird ja viel gelacht und nicht nur fachgesimpelt. Es soll bald eine schwule Weinbruderschaft geben, da muss ich mir aber noch ein geeignetes Aufnahme-Ritual dafür ausdenken... (lacht) Später sind noch die Wahl zu Mister Gaywine und schwule Wein-Events bei uns in Baden geplant. Das steckt zwar noch in den schwulen Kinderschuhen, aber wir arbeiten dran... (ds)
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29.02.2008  Reinhard Danner
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