Schwuler Wohn-Lifestyle – Leben Schwule wirklich im rosafarbenen Barbie-Traumhaus?
Die Klischees über Schwule sind vielzählig und breitgestreut. Die Medienlandschaft geht offener, aber häufig mit einer Prise Humor mit dem Thema Homosexualität um. Das Bild eines Homosexuellen, das in den Medien verbreitet wird, ist oft von Stereotypen geprägt. Aber was ist war daran, wenn man sagt, dass homosexuelle Männer einen feineren Sinn und mehr modisches Gespür für die Wohnungseinrichtung in ihren eigenen 4 Wänden haben? Sieht eine typische Wohnung eines schwulen Mannes aus wie das Barbie-Traumhaus oder worin äußert sich die homosexuelle Qualifikation Wohnungen geschmackvoller und stilsicherer einzurichten? Laut der 2003 gestarteten amerikanischen TV-Show „Queer Eye for a straight Guy“ (gewann einen Emmy-Award 2004) stimmen genau diese Stereotypen, dass sich schwule Männer besser in Fragen von Mode, Körperpflege, Ernährung, Innenausstattung von Wohnungen und in der Kultur auskennen. In der Show pimpen fünf schwule Männer (die „Fab Five“) eine meist heterosexuelle Person in Sachen Garderobe, Wohnungseinrichtung, Lifestyle, Ernährung und Haarpflege. Können also heterosexuelle Männer von uns Schwulen noch etwas lernen oder handelt es sich hier um reine Bedienung von Klischees? Die Schwulissimo nimmt für euch unter die Lupe, ob schwule Wohnungen immer nur rosa sind, wie der schwule Lebensstil in den eigenen 4 Wänden zum Ausdruck kommt und was das schwule Auge zu den neusten Wohntrends sagen würde.
Auch wenn die Serie „Queer Eye“ wieder abgesetzt wurde und es einige Kritik regnete aufgrund der Verallgemeinerung von sexueller Identität, bleibt die Frage offen, wo der Unterschied zwischen hetero- und homosexuellen Männern liegt. Im Zusammenhang mit der 2009/2010 durchgeführten Studie von Marketagent.com zum Wohn- und Einrichtungsverhalten von schwulen und heterosexuellen Männern äußerte sich Geschäftsführer Thomas Schwabl über die Untersuchung zusammenfassend: „Schwule Männer haben gesteigerte Anforderungen an ihre Wohnsituation und geben insbesondere für Einrichtung und Design deutlich mehr Geld aus“. Die Wahrnehmung und die Bedeutung der eigenen Wohnung scheint somit für Homosexuelle eine andere zu sein als für heterosexuelle Männer. In einem Punkt sind sich schwule und heterosexuelle Männer jedoch ähnlich: Das eigene Zuhause ist vor allem ein Ort der Privatsphäre, Geborgenheit und Entspannung. Ein Raum für die persönliche Entfaltung ist für knapp 50 Prozent der schwulen Männer wichtiger Faktor in Bezug auf die eigene Wohnung. Noch extremer sehen es 17,3 Prozent der Befragten, die angaben, dass sie ihre 4 Wände als ein Prestigeobjekt bezeichnen würden. Die Ergebnisse der Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Immobilienportal FindMyHome.at durchgeführt wurde, zeigen weiter, dass mehr Schwule mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind. Besonders auffällig ist dabei, dass 87,5 Prozent der über 40-jährigen schwulen Männer mit ihrer Wohnsituation überdurchschnittlich zufrieden sind, während es im gesamten Durchschnitt bei heterosexuellen Männern unter 70 Prozent waren. Sind also Heterosexuelle nur einfach zu faul, setzen sie in ihrem Leben andere Prioritäten oder sehen sich nicht in der Lage an ihrer Wohnsituation eigenständig etwas zu ändern?
Das unterschiedliche Lebensgefühl in der eigenen Wohnung bei hetero- und homosexuellen Männern könnte also auch mit der unterschiedlichen sozioökonomischen Lebenssituation begründet werden. Die Studie „Der Schwule Konsument“ zeigt, dass Schwule insgesamt konsumfreudiger sind als heterosexuelle Männer. Der überwiegende Teil der Schwulen hat ein höheres Schulbildungsniveau und ein leicht höheres Einkommen, wobei die schnelle Verfügbarkeit des Kapitals im Vordergrund steht. Der schwule Konsument ist ein enormer Wirtschaftsfaktor mit einem hohen Mode-, Pflege- und Konsumbewusstsein. Dies hat auch die Immobilienbranche realisiert, weshalb schwule Männer eine hoch-interessante Zielgruppe darstellen. Auf der Wohnungssuche spielen schwule Männer eine aktivere Rolle – man mag es kaum glauben – als heterosexuelle Männer: Über 12 Prozent der Heteros gaben an, dass sie nicht an der Wohnungssuche beteiligt waren, während die Anzahl der Schwulen drei Mal so klein war. Homosexuelle Männer nutzen allgemein verstärkt die aktive Suche über Immobilien-Webseiten, in Zusammenarbeit mit Maklern und durch Empfehlungen von Familie, Freunden und Bekannten. Ebenfalls bezeichnend ist der höhere Wert an Eigentumswohnungen bei der Frage nach der bevorzugten Art des Wohnobjektes im Gegensatz zu heterosexuellen Männern. Während beim heterosexuellen Mann noch immer das Eigentumshaus mit 55,5 Prozent führt, wünscht sich der schwule Mann seine Zukunft in erster Linie in der Eigentumswohnung (57,3 Prozent). Das Klischee über die unterschiedliche Wohnsituation von homosexuellen und heterosexuellen Männern scheint also bereits in der verschiedenen Motivation, ein geeignetes Wohnobjekt zu finden, zu liegen. Aber auch die besondere Bedeutung, die die eigene Wohnung für viele Schwule hat und der eigene sozioökonomische Status sind Wurzeln für den unterschiedlichen Wohn-Lifestyle.
Neben dem leicht höheren Einkommen von schwulen Männern begründet sich der Unterschied zu heterosexuellen Männern auch darin, für welche Konsumgüter sie ihr erarbeitetes Geld ausgeben. Ein homosexueller Mann gibt durchschnittlich mehr Geld für die monatliche Miete aus, ist geneigter dazu, eine Eigentumswohnung oder -haus zu kaufen und investiert auch wesentlich mehr in die Möbel und Einrichtungsgegenstände. Der schwule Mann gibt jährlich durchschnittlich 1.845 Euro und der heterosexuelle Mann 1.055 Euro für die innere Ausstattung der Wohnstätte aus. Schon alleine diese Tatsache macht auf beeindruckende Weise klar, welchen Stellenwert die eigene Wohnung unter den Schwulen hat und vor allem, dass sie auch bereit sind in ihre eigenen 4 Wände (obwohl sie durchschnittlich kürzer in ihr verweilen als Heteros) zu investieren.
Die schwule Wohnung ist kein rosa Barbie-Traumhaus
Ein Traum aus Rosa und Plüsch. So oder so ähnlich spuckt die stereotypische Vorstellung über die Wohnung eines Schwulen in den Köpfen der Gesellschaft. Doch wo die Wurzeln von vielen Klischees tatsächlich auch in der Realität zu finden sind, zeigt sich, dass gerade Homosexuelle stilsicher und trendbewusst ein Gespür für die richtige Einrichtung ihrer eigenen 4 Wände haben. Die höheren Investitionen des schwulen Mannes in die Einrichtung und in das Wohnobjekt selbst begründen sich zum Teil dadurch, dass häufiger in Einzelstücke vom Designer oder Maßanfertigungen vom Tischler gekauft werden. Doch der Großteil – genauso wie beim heterosexuellen Mann – erwirbt seine Einrichtungsgegenstände im Möbel- und Einrichtungshaus. Doch kann man durchaus unterschiedlich einkaufen und sich einrichten, auch wenn der Großteil seine Wohnung bei einem schwedischen Einrichtungsmarkt ausstattet.
Beim Einrichtungsstil bevorzugen schwule Männer dunkle Farben in Kombination mit klaren Formen und modernen Elementen, die auch bei heterosexuellen Männern führend sind. Ebenso werden rustikale Elemente im Landhausstil geschätzt. Die Kombination von Moderne und klassischem Retro-Möbelstücken ist beliebtes Stilmittel unter homosexuellen Männern. So wird der futuristische Sessel neben das gut erhaltene Sideboard der 70er Jahre platziert und mit klassisch schlichten Farben kombiniert. Das gutbürgerliche Wohnzimmer und ein übertrieben ländlicher Einrichtungsstil liegen sowohl bei Heteros als auch Homos weit hinten in der Gunst.
Aber auch bereits bei der Wahl des Wohnobjektes liegen die Unterschiede auf der Hand: Schwule favorisieren auf der Suche nach der passenden Immobilie besonders Wohnobjekte mit hellen Zimmern (75,8 Prozent), mit großen offenen Räumen (49,2 Prozent) und einen eigenen Internetanschluss im Haus (74,6 Prozent). Heterosexuelle wünschen sich neben dem Internet (71,5 Prozent) vor allem einen Lift (37,9 Prozent) und eine Garage im Haus (39,1 Prozent). Pragmatismus steht hier eindeutig für das heterosexuelle Geschlecht im Vordergrund im Gegensatz zur optischen Komponente. Aufgrund der häufig unterschiedlichen Lebenssituation mit Kindern oder Ehepartnern sind heterosexuelle Haushalte durchschnittlich fast doppelt so groß (Zwei- bis Vierpersonenhaushalt). Schwule Wohnungen sind ebenfalls zentraler im Stadtkern und gut an die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. Mit der Lage der Wohnung geht auch einher, dass die Anzahl von Balkonen, Terrassen und Gärten in heterosexuellen Wohnobjekten deutlich höher ist. 26,6 Prozent verfügen über einen Balkon, 22,3 Prozent über eine Terrasse und je 18,4 Prozent über einen kleinen Garten oder eine Loggia. Im Vergleich zu den bevorzugten Wohnungen von Homosexuellen sind es nur 16,5 Prozent der Befragten mit einem Balkon und nur 15,3 Prozent besitzen eine Terrasse.
Die Studien sollen nicht verdeutlichen, dass heterosexuelle Männer ein Fall für TVEinrichterin Tine Wittler oder den Messie-Trupp auf RTL2 sind. Es geht vielmehr darum aufzuzeigen, dass die Tendenz dazu geht, dass schwule Männer in ihre eigene Wohnung mehr Zeit und Geld investieren, sei es bereits bei der Suche nach dem passenden Wohnobjekt oder bei dem Etat für die Wohnungseinrichtung. Ausnahmen bestätigen sowohl auf der heterosexuellen als auch auf der homosexuellen Seite die Regel. Aber nicht zuletzt gibt es viele Theorien, die besagen, dass unsere eigenen vier Wände Spiegel unserer Selbst sind. Unsere Wohnung drückt somit aus, was und wer wir sind. Zufälle geschehen selbst bei der Wohnungseinrichtung nur selten, denn sobald wir aktiv etwas entscheiden oder gestalten, wird es ein Teil unserer Persönlichkeit wiederspiegeln.
Die neuen Einrichtungs- und Wohntrends
Jahr für Jahr werden auf der internationalen Einrichtungsmesse „imm cologne“ zahlreiche neue Einrichtungs- und Wohntrends vorgestellt. Die Messe ist – wie hätte man es bei Köln vermutet – ein Publikumsmagnet für die schwule Zielgruppe und bietet neben neuen Möbelkreationen auch viele Tipps und Tricks zur farblichen und designtechnischen Gestaltung der eigenen 4 Wände. Unter den Ausstellern befinden sich kreative Labels aus Spanien und Skandinavien, Lifestyle-Firmen aus Frankreich, Österreich und Griechenland sowie alte und neue Klassiker des italienischen Designs.
Gerade auf dem Farbspektrum lassen sich eindeutige Trends entdecken, die wahrscheinlich auch bald in unseren Wohnungen wiederentdecken zu sind. Materialien wie Leder, Holz und Metall werden mit warmen, matten Brauntönen sowie Blautönen kombiniert. Aber vor allem stechen die unterschiedlichen Grüntöne (u. a. glänzendes Grüngelb, Grasgrün, Flaschengrün) bei Teppichen, Sofamöbeln und Tischen hervor, die mit Senf, Taupe, oder Blau hervorragend harmonieren. Ein Renner sind auch grafische Prints in Leuchtfarben und Retrostyle die schlichte und klassische Einrichtungsgegenstände gezielt und punktuell aufwerten. Schwule Wohnungen müssen nicht mehr durch Glamour, Glanz oder Glitzer auffallen. Viel mehr dominieren zukünftig saubere, klassische Linien sowie Reduktionen die Wohnungen der homosexuellen Einrichtungsliebhaber, die sich auch durch eine zurückhaltende Farbpalette auszeichnet. Diese Farbpalette ist gefüllt mit dezenten, neutralen Tönen, jedoch mit Nuancen und Untertöne, die gemeinsam einzigartig harmonieren.
Eines der letzten zu erobernden Wohnungsareale, die noch brach zwischen den Kolonien der Einrichtungsprofies liegen, sind eindeutig die Türen. Zumeist eher ein Pressholz- oder Plastikeinheitslook, den wir als gegeben hinnehmen und bei der Gestaltung völlig außer Acht lassen. Doch neben hochwertigen Parkettböden, schicken Einbauküchen und bodentiefen Fenstern können auch die Wohnungstüren ein echter Hingucker sein. Furnierte Türen mit Unikatgarantie sind jedoch das krasse Gegenteil zu der Tristesse der weißen Kunststoffdekor-Oberflächen. Der Geschäftsführer der Initiative Furnier + Natur e. V. (IFN), Dirk-Uwe Klaas, erklärt die Vorteile der furnierten Türen: „Furnier ist aus Holz, einem nachwachsenden und damit umweltfreundlichen Rohstoff. Außerdem ist die Natur der kreativste Innenarchitekt überhaupt – Langeweile lässt sie niemals aufkommen“. Keine Furnieroberfläche gleicht der anderen: „Selbst innerhalb der gleichen Holzart gibt es nahezu unendlich viele verschiedene Farben, Maserungen und Muster. Diese Vielfalt macht jedes einzelne Furnierblatt zu einem hochwertigen Unikat“, so Klaas. Auch in Kombination mit anderen Einrichtungsgegenständen lassen furnierte Türen ihren Vorteil durchblicken. Furnierte Türen, mit Längs- oder Querfurnier ausgestattet, lassen sich perfekt mit dunklen Holzböden oder mit hellen Fliesen kombinieren. Ebenfalls ergänzen sie die in trendigen Farben gestrichenen Zimmerwände. Das Gesamt- und Erscheinungsbild der im Raum befindlichen Möbel – seien es nun antike Stücke mit verspielter Formgebung oder geradlinige und zeitlose Design-Ikonen – lassen sich mit diesen Unikat-Türen aufwerten. Aber man muss bei Weitem kein Einrichtungsexperte, Innenarchitekt oder Wohntrend-Messen-Besucher sein, um seine eigenen 4 Wände so zu gestalten, dass man sich wohl fühlt und sie für seinen Besuch vorzeigbar sind. Wer die Schwulissimo -Wohnungs-Formel berücksichtigt, wird immer auf der richtigen Seite sein: Ein Händchen voll moderner Chic multipliziert mit den zeitlosen klassischen Möbelstücken addiert mit den richtigen Wohlfühl-Farben und alles mit einem großen Bruchteil von persönlichen Gegenständen (Bilder, Erbstücke, selbstgestaltete Accessoires) ergänzt, ergibt dein persönliches Traumhaus. Aber trenn dich bitte von den mit Stickern beklebten Kindermöbeln, die du damals aus Geldmangel noch mit in die neue Wohnung genommen hast, oder der Schrankwand in schwarzer Pressholz- und Glasoptik, die damals in deiner Jugend in den 80er Jahren so verdammt trendy waren. (sr)
(sr)
|
02.10.2011
Artikel mitnehmen
Artikel drucken
Artikel empfehlen
|
|
| Terminkalender |
|
| Cityguide |
|
| Partypics |

 |
| E-Paper |

|
| Umfrage |
Was muss an Deinem Body verändert werden? |
| SCHWULISSIMO ABO |
|
|