Enttäuschung bei gläubigen Schwulen und Lesben in der Schweiz: Die katholische Bistumsleitung in Chur hat ökumenische Gottesdienste im Rahmen von Gay-Pride-Veranstaltungen untersagt. „Spezielle Seelsorgeangebote für Homosexuelle“, die die Zürcher Kirchengemeinde Peter und Paul, seit 2004 Gottesdienste anbietet, sind damit nicht mehr möglich.
Die Kirche könne keinen "propagandistischen Anlass" wie den CSD unterstützen, begründete Weihbischof Marian Eleganti das Verbot. Man müsse darauf achten, welche Botschaft man verbreite. Natürlich sei "seelsorgerliche Zuwendung zu den einzelnen Homosexuellen" nach wie vor möglich.
In Zürich können viele Katholiken das Verbot nicht nachvollziehen. So äußerte sich der Chef des Synodalrats im Kanton Zürich "maßlos enttäuscht über die Entscheidung". Erst vor kurzem habe man 1.500 Franken für einen schwul-lesbischen Gottesdienst bewilligt. Man wolle dafür kämpfen, die Entscheidung rückgängig zu machen.
Die Homosexuelle Arbeitsgruppe Zürich (HAZ) kritisiert die "plötzliche Einmischung aus Chur". Die Seelsorge habe in den letzten Jahren sehr gut funktioniert und es sei schade, dass die Kirche nun "einen großen Teil der Bevölkerung" ausgrenze, weil sich "mittelalterlich anmutende Ansichten" durchgesetzt hätten. "Absurd ist zudem, dass gerade dasjenige weltweit tätige Unternehmen mit dem höchsten Homosexuellen-Anteil an der Belegschaft zum Mittel der Diskriminierung greift", heßt es in einer HAZ-Pressemitteilung. "Der Bischofsrat hat seinen perfiden Entscheid umgehend zu widerrufen und sich bei den lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Katholikinnen und Katholiken zu entschuldigen".
(mg)