In einem polnischen Schulbuch wird Homosexualität noch als Krankheit eingestuft. Darauf wies diese Woche die Organisation "Stowarzyszenie Pracownia Różnorodności" (Arbeitskreis für Diversity) hin, die die Regierung aufforderte, das gebräuchliche Buch einzuziehen.
In dem Buch "Auf dem Weg ins Erwachsenenalter" wird der Mensch als gebürtiger Heterosexueller dargestellt, der durch schlechte, krank machende Einflüsse - etwa Vergewaltigung oder Porno-Konsum - zum Schwulen oder zur Lesbe mutiert. Auch wird ausführlich besprochen, dass nach christlichem Glauben homosexuellen Handlungen sündhaft seien.
"Das Buch schweigt aber über die Probleme der Homophobie und der Diskriminierung", erklärte Diversity-Sprecher Przemek Szczeplocki. "Dagegen verbreitet es die These, dass jemand seine Homosexualität einfach ablehnen kann und so zur ´Normalität´ zurückkehrt." Damit trage dieses Buch, das im Familien- und Sexualkundeunterricht verwendet wird, zur Ablehnung von Schwulen und Lesben in der Gesellschaft bei. Zwar sei die "moderne" Ausgabe aus dem Jahr 2009 etwas liberaler, da es Homosexualität nicht mehr mit Inzest oder Kinderschändung gleichsetzt, allerdings verbreite es nach wie vor die selben diskriminierenden Thesen.
Ein Sprecher des Bildungsministeriums wies die Kritik zurück. Man sei nicht verantwortlich für die schulischen Inhalte, so Grzegorz Zurawski: "Lehrer haben die Freiheit, ihre Textbücher selbst auszuwählen", erklärte der Sprecher. Homo-Aktivisten sollten sich daher lieber an Lehrerverbände oder Textbuchverlage wenden. "Wir können nicht einfach ein Buch verbieten, weil eine Gruppe von Menschen mit den dort dargestellten Theorien der Wissenschaftler ein Problem hat", so Zurawski. (mg)