Das Schwule Museum in Berlin präsentiert die weltweit erste Ausstellung zu Leben und Werk des homosexuellen Tänzers, Choreographen und Theaterleiters Erik Charell (1894-1974), einem der großen ‚Macher´ der glanzvollen Revueoperetten der Zwanziger Jahre in Berlin. Zugleich widmet sich diese Ausstellung international erstmalig dem Thema "Homosexualität & Operette".
Erik Charell holte in den Zwanziger Jahren die Revue und Revueoperette von Weltformat nach Berlin und erzielte mit Produktionen wie "Von Mund zu Mund" (mit Claire Waldoff und Marlene Dietrich), Casanova (mit den Comedian Harmonists), "Drei Musketiere" (mit Siegfried Arno) und "Im weißen Rössl" (mit Max Hansen, Otto Wallburg und Paul Hörbiger) Erfolge, die bis heute Maßstäbe setzen, was die Verbindung von Bewegung, Musik, Ausstattung, Stars und Glamour angeht. Aber auch was die Verflechtung von homosexuellem Subtext mit massentauglicher Unterhaltung betrifft (alle Titel mit Musik von Ralph Benatzky).
Anfang der Dreißiger Jahre wechselte Charell zum neuen Erfolgsmedium Tonfilm und lieferte mit "Der Kongress tanzt" (Musik W.R. Heymann) einen weiteren Welterfolg, der bis heute international als Klassiker des Genres Musikfilm gilt. 1950 kreierte Charell mit "Feuerwerk" ("O mein Papa!") die erfolgreichste Operette der Nachkriegszeit (Musik Paul Burkhard). Danach zog er sich aus Frustration über die deutsche heimatfilmselige Operettenszene vom öffentlichen Leben zurück und sammelte professionell Kunst.
Für die Ausstellung konnten viele Zeugnisse zu Charells Leben und Wirken aus Berlin, München, Köln, Zürich und New York zusammengetragen werden, inkl. eines 3D-Architekturmodells vom Großen Schauspielhause, originale Kostüm- und Bühnenbildentwürfe von Ernst Stern, Fotos der Charell-Stars und der legendären Bühnen- und Filmproduktionen aus Berlin, München, Paris, London, Broadway und Hollywood.