Transgender, einmal anders
Das Bild, das viele hierzulande von Transgender-Personen haben, ist geprägt von problematisierenden Berichten und Klischees. Die Anpassung des biologischen an das gewollte Geschlecht ist ein gesetzlich streng reglementierter und holpriger Weg. Und tatsächlich ist das Coming Out einer Transgender-Person nach wie vor ein extremer Einschnitt mit vielen potentiellen negativen Folgen.
Wie traumhaft scheint dagegen die Situation in anderen Kulturkreisen zu sein. Auch in der deutschen Transgender-Community gilt Thailand als ein kleines Paradies. Geschlechtsanpassungen sind für vergleichsweise wenig Geld möglich, die Hormonbehandlung ist ebenso billig wie einfach verfügbar. Mann-zu-Frau-Transen (Ladyboys) haben, wenn sie nicht gerade in der Sexindustrie arbeiten, einen besseren Ruf als im westlichen Kulturkreis. Sie sind sichtbarer, selbstbewusster, gesellschaftlich akzeptierter und integrierter. Viele sind in alltäglichen Berufen tätig. Aufstiegschancen – zumindest wie alle anderen Frauen – inklusive.
Der Bangkoker Fotograf Ohm Phanphiroj betrachtet die wachsende Transszene mit unvoreingenommener Neugierde. Trotz der vergleichsweise größeren Liberalität im buddhistisch geprägten "Land des Lächelns" sieht er sie in einer Identitätskrise. Er versucht zu verstehen, welche Faktoren beeinflussend sind für die Formung der eigenen (geschlechtlichen) Identität. So stellt er zum Beispiel verwundert fest, dass bereits minderjährige Jungen sich auf dem Schwarzmarkt Hormone besorgen oder sich operativ die Hoden entfernen lassen.
Halbnackt und vor einem neutralen Hintergrund zeigt Ohm Porträts von Transgender-Personen in Thailand: Ein schonungslos offener Blick auf Männer, die auf dem Weg hin zur Frau sind. Die Bilder sind im Rahmen des Kölner Sommerblut-Kulturfestivals erstmals in Europa zu sehen. Sie laden zu einem Kulturenvergleich ein und zu einer Auseinandersetzung über die Rolle von Geschlecht und Identität.
www.sommerblut.net
(mg)
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03.05.2010  Transgender, einmal anders
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