Die internationale Windsurfszene fiebert dem absoluten Saison-Höhepunkt entgegen: In zehn Tagen beginnt der Colgate World Cup Sylt, lockt vom 25. September bis zum 4. Oktober die besten Windsurfer der Welt auf Deutschlands nördlichste Insel. Beim letzten und größten Event der Worldtour geht es nicht nur um das höchste Preisgeld von 105.000 Euro. In Westerland werden auch die neuen PWA Weltmeister im Waveriding, Freestyle und Slalom gekürt.
Die deutschen Fans warten mit Spannung auf den Auftritt von Überflieger Philip Köster. Der fünfzehnjährige Waverider gewann in diesem Jahr seinen ersten World Cup in Pozo und ist damit nach Robby Naish, dem dieses Kunststück mit 13 Jahren gelang, zweitjüngster WC-Gewinner überhaupt. Und die Surf-Ikone ist voll des Lobes. "Philip ist ein Riesentalent. Ihm ist der Sprung in die Weltelite durchaus zuzutrauen", glaubt Robby Naish.
Die Aussichten dafür sind sehr gut, denn Philip Köster hat ideale Trainingsbedingungen, wohnt in Vargas auf Gran Canaria direkt am Strand. Hier betreiben seine Eltern, die aus Hamburg auswanderten, eine Surfschule. Mit neun Jahren stand der Shootingstar das erste Mal auf dem Brett, nach ein paar Trainingsstunden konnte ihm Vater Rolf kaum noch etwas beibringen. "Ich schaue mir viel von Surffilmen ab, suche aber einen Trainer, weil ich auch Slalom lernen will", verrät Köster.
Im vergangenen Jahr gewann er den PWA WM-Titel der Junioren und sorgte mit einem neunten Platz bei den Herren in Pozo für Furore. Der Lohn: Köster wurde zum Rookie of the Year 2008 gewählt. In dieser Saison sicherte er sich neben dem Sieg in Pozo auch den deutschen Meistertitel auf Sylt. "Darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut, denn die Nordsee ist ein schweres Revier, und es waren starke Gegner wie Klaas Voget am Start", so Philip Köster. Und Voget, als Zehnter der PWA Weltrangliste zur Zeit Deutschlands bester Wellenreiter, war beeindruckt. "Philip ist ein Super-Talent, ein Springertyp, der schon viele Wave-Moves draufhat. Er kann überall gewinnen", glaubt der Hamburger.
Und das hat der 15-Jährige in Zukunft auch vor, will "Profi und in den nächsten zwei drei Jahren Weltmeister im Waveriding werden". Vorher muss der Zehntklässler die Schule abschließen und das fällt ihm manchmal schwerer als einen Doppelloop zu springen. "Ich stehe um sechs Uhr morgens auf, gehe von acht bis 16 Uhr in eine deutsche Schule, die eine Stunde entfernt ist. Dann esse ich etwas und surfe je nach Wind bis zu vier Stunden. Danach mache ich Schularbeiten", beschreibt er seinen Alltag, der nach dem Sieg in Pozo hektischer geworden ist. "Seitdem bekomme ich zahlreiche Mails, TV-Sender und Magazine wollen Interviews. Aber das ist okay und eine schöne Anerkennung. Denn einen World Cup zu gewinnen, ist nicht ganz so einfach."
Der Colgate World Cup Sylt ist für Philip Köster, der bei seiner Premiere im letzten Jahr den 17. Platz belegte, eine Herausforderung. "In Westerland ist es kalt, der Wind ändert ständig Stärke und Richtung und ist nicht so konstant wie auf Gran Canaria", dämpft er die hoch gesteckten Erwartungen. Ein Platz unter den Top Ten in dem absoluten Weltklassefeld ist sein Ziel, es darf allerdings auch mehr werden. "Ich bin total motiviert. Und wenn ich antrete, will ich natürlich auch gewinnen", macht Philip Köster allen deutschen Fans Hoffnung auf einen neuerlichen Husarenritt.