Kritik an erstem Wettkampf von Semenya nach Sperre
Die Südafrikanerin Caster Semenya hat am Wochenende beim Internationalen Sportfest in Berlin den Wettkampf über 800 Meter gewonnen. Damit startete die Athletin zum ersten Mal bei einem professionellen Wettkampf, nachdem sie vor einem Jahr auf gleicher Distanz an gleicher Stelle die WM-Goldmedaille gewonnen hatte
Danach musste sie zwangsweise pausieren, da sie verdächtigt wurde, ein biologischer Mann zu sein. Die Sperre wurde im Juli nach einem Geschlechtstest wieder aufgehoben, die Ergebnisse der Tests sind allerdings geheim.
Mehrere Konkurrentinnen kritisieren nun den Auftritt der 19-jährigen Südafrikanerin, die während ihrer Sperre praktisch nicht trainiert hat: "Für mich ist sie ein Mann", erklärte nach Angaben des "Daily Telegraph" etwa die drittplatzierte Elisa Cusma Piccione aus Italien.
Die Kanadierin Diane Cummins, im 800-Meter-Rennen auf Platz acht, kritisierte das Ende der Sperre durch den internationalen Leichtathletikverband scharf: "Selbst wenn sie eine Frau ist, ist sie am Rande des Zulässigen", erklärte die 36-Jährige. "Aus dieser Sicht fühlen wir uns so, als ob wir gegen einen Mann anrennen." Da sie mehr männliche Hormone habe, könne keine "echte Frau" gegen sie gewinnen, ist sich Cummins sicher.
Intersexuelle Aktivisten kritisieren den Umgang mit Semenya. "Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent", erklärte etwa Daniela Truffer gegenüber news.de. Intersexualität bedeutet, dass ein Mensch nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann. Truffer geht davon aus, dass Semenya "öffentlich kaputt gemacht wurde": "Das spiegelt den Umgang mit Intersexuellen im Allgemeinen. Wenn man offener damit umgehen und anerkennen würde, dass es solche Menschen gibt, dann würde sich etwas ändern", erklärte sie. Der Sport müsse einen Weg finden, menschenwürdig mit Intersexuellen umzugehen.
(mg)