Startschuss Masters 2011 mit prominenter Unterstützung
Das internationale schwule Fußballturnier unter dem Titel „StartschussMasters“ erhält in diesem Jahr prominente Unterstützung. Die beiden Hamburger Profifußball-Vereine entsenden prominente Namen zur Unterstützung des mittlerweile zum siebten mal stattfindende StartschussMasters. Der FC St. Pauli schickt zur Siegerehrung am 5. November im Rathaus seinen Vize-Präsidenten Dr. Bernd-Georg Spies. Vom Hamburger Sportverein wird als Gastredner der Nachwuchsleiter und frühere Profispieler des Hamburger SV, Bastian Reinhardt erwartet. Dem schwul-lesbischen Sportverein Startschuss SLSV Hamburg ist es damit erstmals gelungen, Vertreter beider Profivereine in der Hansestadt als Unterstützer seines internationalen Hallenfußball-Turniers zu gewinnen. Die Siegerehrung im Rathaus hat der Bürgerschaftsabgeordnete Farid Müller ermöglicht, der gerne die Schirmherrschaft für das Turnier übernommen hat. „Hamburg ist eine weltoffene Stadt. Darum ist es selbstverständlich, das Engagement für mehr Toleranz und gegen Homophobie im Fußball zu unterstützen“, sagte Müller. Carsten Stock, Fußball-Abteilungsleiter bei Startschuss, erklärt ergänzend: „Wir freuen uns sehr, dass so prominente Vertreter des HSV und des FC St. Pauli ein Grußwort sprechen werden. Diese Wertschätzung ist für den Kampf gegen Homophobie im Fußball ein wichtiges Signal. Auch wenn der Weg noch weit ist: Im Profi-Lager verschwinden Berührungsängste, und schwule Fußballer sind kein Tabu mehr wie früher.“
Insgesamt 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland sowie Prag, Stockholm und London werden erwartet. Das StartschussMasters in der Soccerworld in Hamburg-Öjendorf beginnt mit den ersten Gruppenspielen am Samstag (5. November) um 10 Uhr, das Finale wird um 16.15 Uhr ausgetragen. SCHWULISSIMO-Redakteur Ingo Drzewiecki traf Bastian Reinhardt zu einem kurzem Gespräch über seine Arbeit und sein Engagement beim diesjährigen Hallenfußballturnier des Startschuss SLSV Hamburg.
SCHWULISSIMO: Der HSV ist im Moment in schwierigen Gewässern unterwegs. Wirkt sich die derzeitige Situation der Profis auch auf die Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum aus? Ist der Druck, der auf dem Verein lastet, auch im Nachwuchsleistungszentrum zu spüren?
Bastian Reinhardt: Ein klares Jein. Wir arbeiten an der Zukunft des HSV und wollen unseren Talenten eine gute Ausbildung gewährleisten. Diese Ausbildung ist langfristig angelegt und darf nicht vom Tagesgeschäft der Lizenzabteilung abhängen. Aber wir sind eine HSV-Familie und die erste Mannschaft das Flaggschiff des Vereins, da fiebern wir natürlich mit. Nicht zuletzt weil auch notwendige Investitionen im Nachwuchs von der Gesamtsituation des Vereines abhängen.
SCHWULISSIMO: Wie sieht die Arbeit des Leiters des Nachwuchsleistungszentrum eigentlich genau aus?
Bastian Reinhardt: Die Arbeit eines Nachwuchsleiters ist sehr vielfältig. Sie umfasst Bereiche wie Personal- und Vertragswesen, Budgetverantwortung, Ausbildungskonzeption im sportlichen und schulischen Bereich, medizinische Betreuung, Sponsoring, Kooperationen, Weiterentwicklung der Infrastruktur, um nur einige zu nennen. Ich bin im Nachwuchs die rechte Hand für den Sportdirektor, der erste Ansprechpartner für den Vorstand, Vereinsverantwortliche – und Mitglieder, wie für Verbände, Vereine, Schulen und Sponsoren, Chef für alle Mitarbeiter, Trainer und Spieler, Kontaktperson für Eltern und Berater, nicht zu vergessen erster Repräsentant für die Öffentlichkeit. Oberstes Ziel: die besten Jungs finden, sie für uns gewinnen und optimal ausbilden. Und die optimale Ausbildung beinhaltet nicht nur Fußball, sondern auch Schule und die individuelle Persönlichkeitsentwicklung. Der HSV-Profi von morgen soll auch im HSV ausgebildet worden sein und höchsten Ansprüchen genügen. Das ist noch ein langer Weg. Ich kann mich also über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Wichtig ist für mich, ich habe ein sehr gutes Team, auf das ich mich verlassen kann. Trainer, Mitarbeiter, Betreuer des HSVNachwuchses leisten hervorragende Arbeit.
SCHWULISSIMO: 5 bis 10 % der Bevölkerung sind schwul/lesbisch. Bist Du in Deiner Zeit als Fußballprofi oder als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums mit Schwulen in Kontakt gekommen?
Bastian Reinhardt: Mit Sicherheit, aber ohne es zu wissen. Homosexualität ist im Fußball leider immer noch ein großes Tabu-Thema. In meinem Bekanntenkreis ist das längst anders. Da ist es völlig normal, wenn sich jemand zu seiner Homosexualität bekennt. Und meistens überrascht es auch niemanden. Da ist die Gesellschaft schon viel weiter und offener.
SCHWULISSIMO: Der DFB ist bisher sehr plakativ mit dem Thema Homophobie im Fußball umgegangen. Bei spektakulären Aussagen prominenter Vertreter des Fußballs wie Rudi Assauer oder Christoph Daum hat sich der DFB aber merklich zurückgehalten und die letzte Konsequenz vermissen lassen. Wie beurteilst Du das Engagement des DFB bei dem Thema allgemein und in den konkreten Fällen im Speziellen?
Bastian Reinhardt: Um das beurteilen zu können, müsste ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Das war aber bis jetzt noch gar nicht notwendig, denn keiner hat sich bisher öffentlich geoutet. Sollte das passieren, werde ich die einsetzende Diskussion mit großem Interesse verfolgen. Und erst dann wird der DFB sich stärker einschalten, da bin ich sicher.
SCHWULISSIMO: Könntest Du Dir ein Outing eines Nachwuchsspielers vorstellen und wie würde der Verein damit umgehen?
Bastian Reinhardt: Ich kann mir vieles vorstellen. Ich würde aber keinem Spieler, Profi oder Nachwuchskicker, zu einem öffentlichen Outing raten. Letzten Endes ist es eine sehr private Entscheidung und ich habe allen Respekt vor jedem, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Es gehört schon großer Mut dazu, das innerhalb des privaten Umfeldes zu tun. Wenn ich mir vorstelle, das passiert unter größtmöglichem öffentlichen Aufsehen in einer Branche in der das Adjektiv „schwul“ noch als Beleidigung höchsten Ranges gilt, ist es für mich nur schwer zu glauben, das jemand diese Kraft besitzt. Aber jede Mauer wird irgendwann fallen, vielleicht schon in naher Zukunft. Der HSV jedenfalls würde seinen Spieler schützen, so gut er kann.
SCHWULISSIMO: Planst Du neben dem Besuch der Siegerehrung auch den Besuch des Turniers?
Bastian Reinhardt: Leider spielen meine Jungs zu der Zeit, sonst hätte ich mir das Turnier angeschaut. Eigentlich kann ich ja auch niemanden ehren, dessen Leistung ich nicht selbst beurteilen kann. Aber diesmal mache ich gern eine Ausnahme.
www.startschuss-masters.de
Turnierort: Soccerworld in Hamburg-Öjendorf, Koolbargenredder 31-33 (id)
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30.10.2011
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