Unter dem Titel "Gemeinsamkeit" ist im Südosten der Türkei erstmals ein schwul-lesbisches Magazin erschienen, dass sich gezielt an Kurden richtet. "Hevjin" liegt in einigen Cafés und Buchläden in Diyarbakir aus und kann online gelesen werden.
Herausgegeben wird das Magazin von den Aktivisten Solin und Koya, deren vollständige Namen unbekannt bleiben. "Hier ist niemand offen homosexuell", so Koya gegenüber "Eurasianet". Sein Kollege Solin hatte seiner Familie gar eine Lesbe als Partnerin vorgestellt. Das Magazin soll zunächst unregelmäßig in einer Auflage von 2.000 Exemplaren erscheinen.
Nevin Öztop, Chefredakteur des einzigen anderen türkischen Homo-Magazins Kaos GL, vergleicht die aufkeimende Homo-Bewegung in der Türkei mit der Situation, die in Westeuropa vor mehreren Jahrzehnten herrschte: "Die westliche Welt hat das bereits vor 40 Jahren durchgemacht, aber wir haben erst vor fünf bis zehn Jahren damit angefangen. Die Entwicklung in der Türkei geht sehr schnell, darum gibt es gleichzeitig Fortschritte und Gewalt." Öztop gibt auch zu bedenken, dass es Schwule besonders im kurdischen Gebiet schwer hätten, da viele liberale Türken nach der nationalistischen Doktrin des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk kein Interesse an selbstbewussten Kurden hätten: "In der Homo-Bewegung in diesem Land gibt es viele Kemalisten, die gegenüber ethnischen Minderheiten intolerant eingestellt sind", so Öztop.