Die Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg 2011
Spielfilme, Dokumentationen, Talksofa, Parties, Nachtbar, Diskussionen, Kurzfilme, Gespräche, Länderschwerpunkt Türkei, Themenschwerpunkt 30 Jahre HIV & AIDS und vieles mehr. Das sind die Lesbisch Schwulen Filmtage (kurz LSF) 2011 in Hamburg. Vom 18. bis 23. Oktober ist Hamburg wieder einmal Dreh- und Angelpunkt für die spannende queere Filmszene. In den Festivalkinos Metropolis, Passage, B-Movie und den Studio-Kinos geht es 6 Tage wieder um das ausgesprochen vielfältige Schaffen vieler Regisseurinnen und Regisseure im Bereich des schwulen, lesbischen, trans- und queeren Lebens auf der Leinwand.
Auch im 22. Jahr ihres Bestehens hat das Team der LSF wieder einige erstaunliche Perlen an die Oberfläche befördert, welche sie natürlich dem Hamburger Publikum sehr gerne präsentieren möchten. Neben dem „harten Kern“ - dem so genannten „Festivalteam“ - finden sich jedes Jahr eine große Zahl freiwilliger Helferinnen und Helfer zusammen, um „ihr“ Festival zu unterstützen und so immer auch für einen fast familiären Rahmen sorgen. Ohne diese vielen ehrenamtlichen Helfer beim Einlass und in verschiedenen Aufgaben in den Kinos wäre solch ein erfolgreiches Festival undenkbar.
Seinen Anfang nimmt das Festival mit der großen Eröffnungsgala. Durch das Programm führen auch in diesem Jahr wieder die unvergleichlichen und unverwüstlichen Didine van der Platenvlotburg & Blessless Mahoney. Neu ist in diesem Jahr der Ort. Die Eröffnungsgala wird erstmals in Zusammenarbeit mit Kampnagel stattfinden. Als Eröffnungsfilm wird es die schwedische Komödie „Fyra År Till – Four More Years“ geben.In diesem Film geht es um einen Politiker welcher sich nach vermeintlich glücklicher Ehe in einen Mann verliebt. Eine wirklich lustige Komödie über Schwulsein in der Politik.
Im Rahmen der LSF gibt es neben den Kurzfilmreihen immer auch einen Länder- und einen Themenschwerpunkt. Der diesjährige Länderschwerpunkt widmet sich der Türkei, einem Land, in dem Homosexualität immer noch als „psychosexuelle Krankheit“ begriffen wird. Sechs Dokumentarfilme, ein Spielfilm und zahlreiche Gäste geben einen Einblick in die Lebenssituationen von Lesben, Schwulen und Transpersonen in diesem kulturell äußerst vielfältigen Land.
Der Themenschwerpunkt befasst sich in diesem Jahr mit einem ernsten Thema: 30 Jahre H.I.V & AIDS. Nicht nur eine Krankheit, sondern oftmals auch ein Politikum. Mehrere Filme und Dokumentationen werden sowohl einen historischen Rückblick als auch einen Blick auf die aktuelle Lage nicht nur in den USA und Europa beleuchten. Einen sicher kontroversen Blickwinkel könnte der Film „The Bareback Issue“ mit seiner anschließenden Diskussion bieten.
Auch unter den Dokumentationen finden sich einige interessante Filme, so wird beispielsweise „Becoming Chaz“ erstmals in Deutschland zu sehen sein. Dieser Dokumentarfilm handelt von der Transition von Sonny & Chers gemeinsamen Kind Chastity zu Chaz.
Bereits zum dritten Mal vergeben die Filmtage den mit 5.000 Euro dotierten Jurypreis an einen von elf nominierten Filmen des diesjährigen Programms. Die Auswahl gibt das Festival in die fachkundigen Hände von Wieland Speck, Leiter der Panorama-Sektion der Berlinale und Mitbegründer des Teddy-Awards, Barbara Reumüller, Initiatorin des queeren Filmfestival identities in Wien und der belfische Regisseur Bavo Defurne, der bereits mit zahlreichen Kurzfilmen Gast in Hamburg war und gerade sein Langfilmdebüt fertiggestellt hat.
 Romeos Auch die SCHWULISSIMO-Kinoredaktion hat sich schon einige Filmtipps aus dem umfangreichen Filmtageprogramm herausgepickt. Fangen wir am Ende an, denn der Film „Romeos“ ist der diesjährige Abschlussfilm (23.10., 2015 Uhr, Metropolis). Wozu beste Freundinnen doch gut sein können. Der junge Lukas zieht nach Köln und lernt durch seine beste Freundin Fabio, jung und attraktiv, kennen. Es kommt wie es kommen musste und Lukas verknallt sich hoffnungslos in Fabio. Doch dann kommt alles ganz anders, als sich jemand über eine Sache äußert, die Lukas sehr irritiert. Im Film von Sabine Bernardis dreht sich alles um das Thema Transgender, dem ersten Spielfilm zu diesem Thema aus Deutschland überhaupt.
Um Transgender geht es auch in der Dokumentation „Becoming Chaz“ (22.10., 22:30 Uhr, Passage). Das Schwulenikone Cher weitaus mehr Verbindungen zu der queeren Community hat, wissen nur wenige. Bei Chaz handelt es sich nämlich um die unter dem Namen Chastity Bono geborene Tochter von niemand anderem als Sonny Bono & Cher. Der Film begleitet Chaz auf seinem Weg von Chastity zu Chaz. Schon als Mädchen hatte er es nicht leicht, schon gar nicht bei der Übermutter. Aber auch als Chaz ist das leben nicht von heute auf morgen einfacher. Einer der bewegenden Höhepunkte des Filmes ist das Zusammentreffen von Chaz und Cher seit vielen Jahren vor laufender Kamera.
Mit dem Film „Buddies“ (22.10., 22:30 Uhr, B-Movie) findet im Rahmen des Schwerpunktthemas einer der ersten Filme zum Thema H.I.V. & AIDS seinen Weg in das Festivalprogramm. Alles war befremdlich und beängstigend neu: Keine drei Jahre zuvor war diese mysteriöse Krankheit aufgetaucht, die sich gerade auch in San Francisco binnen kürzester Zeit wie ein Lauffeuer ausbreitete. David hat sich als so genannter „Buddy“, als freiwilliger Pflegehelfer, beim Schwulenzentrum gemeldet und kümmert sich nun um Robert, einen der an AIDS Erkrankten. Robert kompensiert seine Todesangst mit Zynismus, und erst allmählich gelingt es den beiden, Vertrauen zueinander aufzubauen.
 You Should Meet My Son Die Komödie „You Should Meet My Son“ (21.10., 22:30 Uhr, Passage) wirft einen ganz anderen Blick auf das schwule Leben. Brian ist im besten Alter, aber noch immer ledig. Das ruft seine Mutter auf den Plan, die alles daran setzt, ihren Sohnemann zu verkuppeln. Ihr zur Seite steht dabei die Schwester von Brian. Zunächst versuchen sie es mit einigen Frauen, bis sie merken, das sie damit falsch liegen. Mami hat sich aber in den Kopf gesetzt, dass ihr Sohn Glück sein soll und wenn es als schwuler Mann ist. Was Mutter und Tochter dann alles unternehmen, um „Mr. Right“ für Brian zu finden entwickelt sich zu einer abenteuerlichen Reise in das schwule Leben. Recherchen im Internet und sogar Forschungen in den schwulen Clubs sind nur einige Dinge davon.
„Weekend“ (22.10., 20:00 Uhr, Passage) befasst sich ebenfalls mit schwuler Identität. Russel und Glen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Russel sich nach der großen Liebe sehnt, kommen für Glen Beziehungen nicht in Frage – eigentlich. Trotzdem treffen sich die beiden nach einer gemeinsamen Nacht schon am Nachmittag wieder. Auf anregende Gespräche folgen Sex und eine weitere Nacht. Doch die Hoffnungen, die große Liebe gefunden zu haben, die bei Russell aufkommen, werden schon bald in Frage gestellt: Glen kündigt an, er werde schon am nächsten Tag nach Amerika ziehen, um dort ein Kunststudium zu beginnen – vielleicht für immer. Doch noch liegt die Nacht zum Sonntag vor den beiden jungen Männern, eine Nacht, die in ihrem Leben alles verändern wird.
In „Forever Gonna Start Tonight“ (22.10., 0:15 Uhr, Metropolis) geht es um das Leben einer Drag Queen namens Vicki Marlane. Allerdings ist diese mit mittlerweile weit über 70 Jahren die älteste Drag Queen Amerikas. Schon früh fühlt sich Vicki nicht wirklich männlich und beginnt bereits im Teeniealter, auf Jahrmärkten in ganz Minnesota als „Alligator Skin Girl“ für 25 Pence aufzutreten. Als sie erstmals wegen des Tragens von Röcken und langen Haaren verhaftet wird, wird ihr bewusst, welche Aufmerksamkeit Jungs in Frauenkleidern auf sich ziehen. Und sie macht dieses fortan zu ihrem Beruf. Michelle Lawler und Kim Klausner begleiteten Vicki Marlane bei ihren Shows im „Aunt Charlie’s“ und avancierten mit dieser Dokumentation zum Publikumsliebling beim Outfest 2010 in Los Angeles.
Spannend wird es noch für Gu Changwe aus China. Der von den Festivalmachern eingeladene und vom Gesundheitsunternehmen Abbott unterstützte Regisseur wartet noch auf eine Reisegenehmigung der chinesischen Behörden. In Hamburg möchte er seinen Spielfilm „Life is a miracle“ dem Publikum vorstellen. Die Statisten- und Nebenrollen besetzte er mit HIV-Positiven.
Das komplette Programm & viele weitere Infos rund ums Festival:
www.lsf-hamburg.de (id)
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02.10.2011  Lesbisch schwule Filmtage Hamburg 2011
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