Der frühere kubanische Staatschef Fidel Castro hat die Verfolgung schwuler Männer nach seiner Machtübernahme in einem Interview als eine "große Ungerechtigkeit" bezeichnet. Im Interview mit der mexikanischen Zeitung "La Jonada" beteuerte der 84-Jährige, er hege "natürlich" keine Vorurteile gegen Schwule und Lesben.
Die Verfolgung von Homosexuellen in den 1960er und 70er Jahren nannte er eine "spontane Reaktion der Revolutionäre, die auf den Traditionen der Nation beruht". Bei den Vorgängerregierungen seien nicht nur Homosexuelle, sondern auch Schwarze und Frauen diskriminiert worden. Damit wolle er aber nicht die Schuld abschieben: "Wenn jemand Verantwortung trägt, dann bin ich das." Nach der Machtübernahme habe er andere Sorgen gehabt als das Schicksal von Schwulen und Lesben, so Castro, da die Auseinandersetzung mit den USA und andere politische Entscheidungen im Vordergrund standen.
In den letzten Jahren hat sich die Lage für Schwule und Lesben auf Kuba wesentlich verbessert. Insbesondere Fidels Nichte Mariela Castro, die das staatliche kubanische Institut für Sexualerziehung leitet, setzt sich für die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren ein. Derzeit wird über die Einführung von eingetragenen Partnerschaften diskutiert.
Homosexualität war vor dem Umsturz durch Castro 1959 bereits illegal, gleich nach der Machtübernahme ließen die neuen Machthaber Schwule aber gezielt verfolgen und in Internierungslager stecken, in denen viele zu Tode kamen. Die Kommunisten begründeten die Verfolgung damals damit, dass es sich bei Homosexualität um eine kapitalistische Ausprägung handelte, die es auszurotten galt. Erst in den 1980er Jahren ließ der Verfolgungsdruck auf Schwule und Lesben nach. Homosexuelle wurden aber bis vor wenigen Jahren noch wegen "antisozialen Verhaltens" verfolgt.