In diesem Monat erscheint endlich der großartigste Gangsterfilm unserer Zeiten: »Public Enemies«, erstklassig besetzt mit Johnny Depp, Christian Bale und Marion Cotillard. Basierend auf einer wahren Geschichte schlüpft Depp in die Rolle des charismatischen Gangsterbosses John Dillinger, der als »Staatsfeind Nummer 1« gnadenlos vom FBI verfolgt wird. Und seine Verfolger setzen alles daran, ihn zur Strecke zu bringen. Dafür gehen sie notfalls auch über Leichen ... Johnny Depp, der seit vielen Jahren weibliche wie männliche Fans mit Charakter und charismatischem Äußeren betört, stand natürlich für einige Fragen zum Film zu Verfügung:
Magst du Gangsterfilme?
Oh ja! Ich bin mit Humphrey Bogart- und James Cagney-Filmen wie »Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern« aufgewachsen.
Was reizt dich an dieser zurückliegenden Zeit?
Ich mag den Stil, die Mode und die Art, wie Männer und Frauen gekleidet waren und ihrer Individualität Ausdruck gegeben haben. Das war die Art Deco-Zeit.
Wer war aus deiner Sicht John Dillinger?
Er war ein Außenseiter in der Tradition von Jesse James, welcher übrigens wiederum das Vorbild und der Held in Dillingers Kindheit war. Da er zehn Jahre seines Lebens im Gefängnis verloren hatte, entschied er sich nach seiner Freilassung bewusst für seine Taten. Er wusste, dass seine Zeit ablief.
Die Liebesgeschichte zwischen John Dillinger und Billie Frechette ist entscheidend in »Public Enemies« ...
Sie ist wesentlich und sehr viel mehr maßgeblich dafür, wer er war, statt der Tatsache, dass er Banken ausgeraubt hat. Dillinger suchte immer nach der richtigen Frau für sich, und Billie erregte seine Aufmerksamkeit. Sie waren perfekt füreinander.
Obwohl Dillinger Billie nicht sehr lange kannte, wieviel Einfluss nahm sie auf sein Leben?
Billie Frechette war ohne Frage die Liebe des Lebens für Dillinger. Sie war sein Lebenselixier und er hat sie verehrt.
Was denkst du über Marions Cotillards Darbietung als Billie Frechette?
Marion ist sehr talentiert, interessant und ständig geht etwas hinter ihren Augen vor. Jeder Moment mit ihr war unterschiedlich und ich war von ihrem Einsatz und ihrer Hingabe beeindruckt. Ich fand ihren englischen Akzent einfach wunderbar.
Was hat Christian Bale in seine Rolle als FBI-Agent Melvin Purvis eingebracht?
Christian ist großartig und ich war sehr erfreut als ich hörte, dass er die Rolle des Purvis spielen würde. Er ist ein sehr talentierter Schauspieler. Ich fand es schade, dass wir nur eine Szene zusammen hatten – abgesehen von den Szenen, wo wir aufeinander geschossen haben. Christian hätte seine Rolle sehr individuell ausfüllen können, aber stattdessen hat er sie mit großen Respekt behandelt und viel Sympathie in die Rolle eingebracht. Ich war von seiner Darbietung beeindruckt und ich freue mich darauf, mit ihm auf weiteren Projekten zu arbeiten.
Dillinger und Purvis folgten einem Katz- und Maus-Schema und stehen sich in der Story gegenüber, einer als der Häscher und der andere als Verfolgter. Aber denkst du, sie waren sich in einer Art auch irgendwie ähnlich?
Wenn die beiden in einem Raum gewesen wären, ohne zu versuchen sich gegenseitig umzubringen, hätten sie sicherlich viele Gemeinsamkeiten gefunden. Sie waren zwei ernstzunehmende Faktoren und sicherlich auf vielen Ebenen miteinander irgendwie verbunden – wahrscheinlich waren sie sich näher als Purvis mit J. Edgar Hoover. Sie waren beide loyale Gentlemen in einem Zeitalter als es noch so etwas wie Ritterlichkeit und Integrität gab. Als ich vor Jahren Donnie Brasco spielte war ich tagsüber oft mit FBI-Agenten und abends mit Menschen, die eine Beziehung zu Mafia-Banden hatten zusammen, um mich auf die Rolle vorzubereiten. Und was ich bemerkenswert fand ist, dass sich diese Gruppen sehr ähnlich waren.
Wie war es, mit dem Regisseur und Autor Michael Mann zu arbeiten?
Michael ist großartig! Er weiß genau, was er will und hat eine wahnsinnige Leidenschaft für jedes Detail.
Es muss ein wahrer und seltener Luxus gewesen sein, die Dreharbeiten an all den vielen Plätzen vorzunehmen, an denen John Dillinger wirklich war.
Ohne Michael Manns Beharren auf Wirklichkeit wären wir wahrscheinlich auf einer einfachen Bühne geendet, statt an den tatsächlichen Orten, wo alles passiert ist.
Wie wichtig war es für dich, Dillingers Schritten zu folgen?
Es war sehr wichtig! Zum Beispiel im Crown Point Gefängnis durch die Tür zu gehen, durch die damals John Dillinger gegangen ist oder tausende von Schüsse auf Purvis Männer in Little Bohemia abzufeuern, half mir die Rolle und ihre Wirklichkeit zu verstehen.
Und auch Chicago spielt eine wichtige Rolle in Public Enemies ...
Ja, sehr sogar, Chicago spielt eine große Rolle! Und insbesondere das Biograph Theatre, in dem John Dillinger getötet wurde – ein weiterer Ort, in dem wir aufgrund von Michael Manns Beharren gedreht hatten. Mein Kopf landete exakt an die Stelle, wohin damals Dillingers Kopf fiel.