SCHWULISSIMO History - Wolle ha(c)kt nach - Loth im Interview
Es ist ... lasst mich nicht lügen ... halb drei Uhr morgens auf der Royal Chicken Party, ich trinke meinen fünften Southern Comfort mit Ginger Ale und gucke mich um, nach Kurzweil suchend. Mir kommt die Idee, mich in den Backstagebereich zu schmuggeln und da mit den Unterhosenmodels zu flirten. Ich stolpere also hinter die Pappwände und stehe auf einmal vor Kader Loth. Sie sieht mich an, ich sehe sie an, wir denken beide: Das ist nicht gut!
Schwulissimo: Herzlichen Glückwunsch, Kader, du siehst fantastisch aus! Dass ich sie anlüge, verheimliche ich ihr. Kader: Danke schön. Du bist von der Presse? S: Ja. Gibst du mir ein Autogramm auf den Bauch? K:Guckt angeekelt. Ich mache das Hemd hoch aber ihr Stift schreibt nicht auf Stahl. Von der Zeitung? S: Ja. Bist du zufrieden mit deinem Auftritt? K: Ja, sehr. Blabla. Kader sagt etwas, das zu lang war, als dass ich mich daran erinnern kann. Von welchem Magazin bist du denn? S: Schwulissimo. K:Kader kennt kein Magazin namens »Schwulissimo«. Sie sieht auf einmal sehr müde und gelangweilt aus. S: Glaubst du, dass du mit dieser Musik groß rauskommen wirst? K: Blablabla. Schwule sind doch auch nur Menschen. Blablablabla. S: Aber du wurdest ausgebuht ... K:Guckt fragend. S: Na, die Leute haben dich ausgebuht und ausgepfiffen. K: Man hat ja immer ein paar dabei, die keinen Geschmack haben. Sieht sich hilfesuchend um, ich möchte sie in den Arm nehmen, sie anfassen, ihr die Sterne zeigen. S: Wie sehr ist diese Musik du? Ich meine: Wie sehr bist du die Musik? Also, inwiefern ist das, was du singst, auch das, was du bist? K:Auf einmal wieder wach. Sehr, sehr! Die Texte schreibe ich selber. In Türkisch. S: Ach, das war Türkisch ... K: Ja, türkisch. Die Texte schreibe ich alle selber. Die kommen aus meinem Herzen. Die Musik ist ein bisschen an den Mainstream angepasst, aber die Texte sind sehr ernsthaft. Ihr Manager kommt hinzu. Manager: Hi, ich bin der Manager. Gibt mir seine Hand, bricht mir fast meine. S: Hallo. Wieso Türkisch? K: Das ist meine Muttersprache. Außerdem will ich etwas für die Frauen in der Türkei tun: Ich will ihnen zeigen, hier ist eine selbstbewusste Frau, die ihren Weg geht. S: Aber wird man dich als Kunstobjekt überhaupt ernst nehmen? In Hotpants, mit dicken Titten und Pirelli-Lippen und künstlichen Wim ... K: Wieso sollte man mich nicht ernst nehmen mit diesen Titten? Sie fasst ihre Titten an, ich erigiere kurzzeitig. S: Ähm ... ich denke nicht, dass sich die Frauen in der Türkei voller Glückseligkeit die Niqab vom Kopf reißen, wenn Kader Loth angesungen kommt ... M:Redet ziemlich viel, von dem ich nichts behalten kann. Kader sagt zwischendurch immer wieder »Schwule sind auch nur Menschen«. Ich nippe an meinem Southern Comfort und tue interessiert. Kader gibt mir eine Autogrammkarte. Ich lege sie auf den Tisch und nehme mir vor, sie da zu vergessen. S: Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen enttäuscht. Ich habe Kader im Fernsehen mal in ihrem Lieblingssessel sitzend ein Buch lesen sehen und dachte: Vielleicht ist sie ja doch nicht so, wie sie immer rüberkommt. Jetzt gerade beschleicht mich aber das Gefühl, es könnte vielleicht doch so sein. Die Burg, Big Brother, das hier ... ist das das Niveau einer Kader Loth? M: Ja, Kader ließt auch mal ein Buch! K: Das muss auf RTL gewesen sein ... ja, mein Sessel ... sie guckt verträumt, scheint sich in diesen Sessel zu wünschen. S: Noch mal: Verkaufst du dich? Vielleicht sogar unter Preis? K: Jeder will Geld verdienen. Das will ich, das willst du und das will auch mein Manager. Sie klingt zickig. M:Nickt zustimmend. Und so schlecht ist die Musik nicht. Die Balladen haben die Qualität einer Mariah Carey. S: Naja ... K:Steht auf und geht einfach. M: Kader kann sich da manchmal nicht so gut ausdrücken. S: Wer kann das schon? Ich stehe auch auf und gehe. Die Autogrammkarte vergesse ich zum Glück wirklich. (ws)