Ausgequetscht: Tine Wittler
Mal ehrlich: Neidisch geguckt haben wir schon einige Male, wenn Deutschlands Einrichtungsexpertin Tine Wittler auf RTL die Wohnungen von leidgeprüften Mietern aufbrezelte. Im Dezember veranstaltet die Barbesitzerin in ihrer Parallelwelt in Hamburg die erste Queer-Night. SCHWULISSIMO sprach mit ihr über die Party, Messie-Häuser und Afrika.
Wie bist Du auf die Idee gekommen, im Dezember Deine erste Queer-Night zu machen – inkl. Spendenaufruf für die Deutsche AIDS-Hilfe (Hamburger Aids-Hilfe)?
Die allererste Spendenparty für die AIDSHilfe ist es gar nicht – wir haben das bereits öfter gemacht. Auch Olivia Jones hat uns dabei schon tatkräftig unterstützt. In diesem Jahr sind Holly Day und unser Lieblings-DJ Berry E. dabei, der seit mehreren Jahren zum „parallelwelt“-Team gehört und sich nicht nur in der Musik, sondern auch in der Szene ganz gut auskennt. Gemeinsam haben wir beschlossen, regelmäßig und ganz offiziell eine „Queer Night“ zu feiern.
Was planst Du im nächsten Jahr in dieser Richtung?
Die „parallelwelt“ ist ja schon immer ein Ort der Vielfalt, der Toleranz und des Gemeinsam- Feierns gewesen. Ab 2011 soll es ganz regelmäßig eine Queer Night bei uns geben. In Altona, speziell in Ottensen, gibt es mit der „Fabrik“ und dem „Kir“ ja eigentlich nur ziemlich große Läden, in denen solche Partys stattfinden. Bei uns wird es kuscheliger, lauschiger, perfekt für den Start oder das Ende der Nacht – da kommt man leicht ins Gespräch, und am Marmortresen der „parallelwelt“ lässt es sich besonders wild feiern!
Hand aufs Herz – wenn Du bei „Einsatz in vier Wänden Spezial“ eines dieser Messie-Häuser von Grund auf aufhübschst – was schießt Dir beim ersten Begutachten durch den Kopf?
Viel denken kann man da manchmal gar nicht mehr, weil der Geruch einem völlig das Gehirn vernebelt!!!
Wahrscheinlich wissen die wenigsten, dass einer Deiner ersten Jobs Redakteurin bei BRAVO TV war. Was waren da Deine Aufgaben?
Als Fernsehredakeurin habe ich Beiträge realisiert, die Sendung im Endschnitt betreut – oder auch einfach mal ganz dumpf und langweilig ellenlange GEMA-Listen geschrieben. Wie jeder Job ist auch der einer TV-Redakteurin nicht jeden Tag ein großes Abenteuer!
Du hast ja nun schon viel gemacht – was gibt es, was Du unbedingt mal tun möchtest?
Ich werde im kommenden Jahr eine Reise nach Afrika machen, die mir sehr viel bedeutet. Ich habe diesen Kontinent noch nie besucht und bin mir ziemlich sicher, dass sich durch dieses Abenteuer einiges in meinem Leben verändern wird. Mehr davon erzähle ich Euch dann nach meiner Rückkehr!
Tine Wittler auf einem Astra-Plakat – was steckt dahinter?
Das Foto ist vor Jahren bei einem Fotoshooting in der „parallelwelt“ entstanden. Der Fotograf und ich waren eigentlich durch mit unserem Programm und wollten Feierabend machen, aber da nach müde ja bekanntlich doof kommt, habe ich dann vor der Kamera noch ein bisschen rumgeblödelt. Tja, hinter mir stand eine ASTRAKiste – und die habe ich dann hochgehoben, wie es auf dem Foto zu sehen ist. Wir fanden das entstandene Bild so lustig, dass wir es der Brauerei als Osterkarte geschickt haben. Und die fanden es dann wiederum so lustig, dass sie es uns für die Fensterfront der „parallelwelt“ auf große Plakate gezogen haben. Und da hängt es noch heute, auch wenn ich längst nicht mehr so aussehe wie auf diesem Bild!
Als Wohnexpertin – steht man da nicht selbst auch mal vor einem Einrichtungsproblem?
Wen fragt man dann um Rat? Ich habe das Glück, mit einem Malermeister zusammen zu sein, den ich für mich soeben zum „Mann der Dekade“ gekürt habe! Boris ist nämlich nicht nur handwerklich geschickt, sondern – ach, einfach alles. Er macht mich sehr glücklich und ich kann vor allem mit JEDEM Problem zu ihm kommen!
Wenn man so viele erfolgreiche Projekte in der Hand hat – ist darunter auch mal eines, das schiefgelaufen ist?
Richtig schiefgelaufen noch nicht. Aber alle erfolgreichen Projekte bedeuten, dass man auf dem Weg zum Erfolg viel ausprobieren und dranbleiben und auch Rückschläge verkraften muss. Erfolg gibt es nur durch Beharrlichkeit und die Bereitschaft, immer dazuzulernen, aber ohne sich dabei sein ursprüngliches Konzept zerfleddern zu lassen. Das gilt natürlich auch für einen gastronomischen Betrieb wie die „parallelwelt“.
Ist für die nahe Zukunft wieder ein Roman geplant?
Wenn alles klappt, werde ich über meine Afrikareise ein Buch schreiben. Das nächste Buch wird also kein Roman, sondern eher eine Art Tagebuch und Reisebericht.
Nicht jeder mag alles – wenn Dich jemand wie Oliver Kalkofe auf den Arm nimmt, was denkst Du darüber?
Kommt drauf an. Oliver Kalkofe mag ich selbst ganz gern, da lach ich einfach mit. Es gibt aber auch andere, bei denen ich nicht ganz so humorvoll reagiere – wenn die Sprüche einfach nur böse sind oder unter der Gürtellinie. Man merkt es, ob man mit einer gewissen Liebe oder doch einfach nur mit Gehässigkeit durch den Kakao gezogen wird.
Wenn Du feiern gehst – wohin zieht es dich dann?
Na, natürlich in die „parallelwelt“! Wenn ich nicht drehe oder auf Reisen bin, versuche ich mindestens zweimal die Woche dort zu sein. Die kleine „pwelt“, wie wir sie liebevoll nennen, ist ja mittwochs bis samstags geöffnet – unter der Woche ist es bei uns in der Regel ruhig und gelassen, da kann man super quatschen. Wenn aber am Wochenende gefeiert wird, dann wackelt der Tresen und das Kondenswasser rinnt die Scheiben runter. Dann wird es hot, hot, hot! Andere Läden brauche ich da nicht mehr.
Die Queer Night findet am 4. Dezember in der Parallelwelt (Präsident-Krahn-Straße 24) in Hamburg statt.
(ds)
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28.11.2010  Ausgequetscht: Tine Wittler
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