Das Glee-Phänomen - Ein Gespräch mit Chris Colfer zum Start der zweiten Stafffel
Als ein Junge aus der Kleinstadt Clovis, Kalifornien, hat Chris Colfer (20) in seiner realistischen Darstellung des Kurt Hummel einen Nerv getroffen. Nach einem legendären Casting wurde Colfer in die Show als offen homosexueller Teenager und Mitglied des McKinley High School Glee Club geschrieben. Der sensible Kurt wurde zum Vorbild vieler junger Fans, indem er den typischen, von den Cliquen ausgegrenzten Aussenseiter repräsentiert. Es ist eine besondere Herausforderung, in einer ersten großen Fernsehrolle gleich so eine kontroverse Darstellung zu übernehmen. Colfer aber begrüßte diese Gelegenheit als Schwuler, einen Unterschied zu setzen.
„Selbst als ich heranwuchs,“ sagt Colfer, „war jeder homosexuelle Charakter im Fernsehen eher die anstrengende Nebenrolle, der man sagen will, „okay, sei still“. Es war nie eine positive Darstellung, wie Kurt es ist."
Mit der zweiten Staffel von Glee genießt der Cast seinen Wachstumsschub im Hinblick auf die Charakterentwicklung. Die häufig aktuellen Handlungen scheuen nicht die umstrittenen Themen, insbesondere Kurts Sexualität und Familienleben. Die Liebe ist zweifellos immer eines der Hauptthemen. Und trotz der Auszeichnungen, einschließlich seines ersten Golden Globe dieses Jahr, kann sich Colfer über die Auswirkungen der Show auf sein Leben immer noch wundern.
„Das beste Geburtstagsgeschenk, das ich überhaupt in meinem Leben erhielt, war ein Video von meinen Fans auf der ganzen Welt,“ sagt Colfer mit einem Strahlen in seinen Augen, „Sie danken mir für das, was ich in der Show tue. Es ist so erstaunlich.“
Schwulissimo: Wo wird Kurt in der zweiten Staffel von Glee stehen?
Chris Colfer: Er wächst so langsam in seine Rolle rein und baut ein enges Verhältnis zu seinem Vater auf. Kurt ist jetzt bereit seine große Liebe zu suchen wo er nur kann. Mit seinem Lächeln macht er jeden verrückt.
Schwulissimo: Die Fans hoffen, dass Kurt endlich die Möglichkeit hat sein Herz mit jemand zu teilen!
Chris Colfer: Ich bin genauso gespannt wie jeder andere wie es weitergeht. Ich bin besorgt, weil, was auch immer geschieht, ich es überzeugend spielen muss. [lächelt].
Schwulissimo: Viele Fans hoffen auch, dass sein Jugendtraum Blaine (Neuling Darren Criss) seine neue Liebe sein wird. Wird er eine größere Rolle in Kurts Leben spielen?
Chris Colfer: Das wissen wir noch nicht. Zur Zeit ist er ein guter Freund und ein Mentor. Selbstverständlich ist Kurt verliebt in ihn, weil er sich in alles mit zwei Beinen verliebt. Ich bin gespannt wie jeder andere.
Schwulissimo: Wie hat sich das Verhältnis zu den anderen Charakteren durch das Verlieben in den neuen Partner verändert? Hat es die Dynamik der Show geändert?
Chris Colfer: Ich denke, dass es besser geworden ist. In der Regel stecken wir in einem Zwei-Episoden Handlungsbogen. Während die Hauptakteure beschäftigt sind, kann sich der Rest etwas zurückhalten und ausruhen. Ich fühle mich zurückerinnert an die Zeit als wir zu Beginn der ersten Staffel den Piloten filmten. Wir teilen ziemlich genau dieselbe Energie.
Schwulissimo: Die Freundschaft zwischen Kurt und Mercedes wurde zum Herz und der Seele von Glee.
Chris Colfer: Amber (Riley) und ich sind beste Freunde im wahren Leben. Es bereitet viel Freude. Es ist sonderbar, weil wir vortäuschen, andere Leute zu sein, aber unsere Freundschaft ist echt. Diese Freundschaft ist sehr real.
Schwulissimo: Warum ist ihre Freundschaft für die Emotionalität der Show so wichtig?
Chris Colfer: Ich denke, Mercedes und Kurt repräsentieren sehr viele Leute dort draussen. Eine von ihnen ist dick, einer ist schwul, eine ist schwarz, einer von ihnen ist weiß. Dies deckt eine gewisse Bandbreite von echten Freundschaften ab. Jeder hat den homosexuellen besten Freund, jeder hat den schwarzen besten Freund. Wenn man Glück hat, hat man beides und idealerweise in ein und derselben Person.
Schwulissimo: Wie wichtig ist es für die Show, kontroverse Themen anzusprechen?
Chris Colfer: Es ist lustig. In der einen Minute brechen wir in Lied und in Tanz aus und im nächsten Moment folgt dann ein ernsthaftes Thema. Aber ich denke, dass wir jede Frage mit viel Respekt behandeln. Sie scheinen etwas von ihrer Schwere verloren zu haben, nachdem wir sie thematisiert haben.
Schwulissimo: Erlebst Du persönlich auch etwas von Kurts Angst?
Chris Colfer: Ja, als ich in Kurts Alter und in der Highschool war. Ich hatte einige ähnliche Erfahrungen, aber ich ging anders damit um und war nicht so ausdrucksstark wie er. Wenn ich diese Szenen filme hat es etwas therapeutisches, weil ich denke, dass die Gefühle echt sind. Ich bin bestimmt eine andere Person, aber das Gefühl sitzt irgendwo in mir.
Schwulissimo: Gehst Du in Deinem Privatleben inzwischen etwas umsichtiger vor?
Chris Colfer: Ja. Wenn ich etwas Dummes täte, würde es auf die Rolle zurückfallen. Das ist der Nachteil, wenn man in den Medien ist.
Schwulissimo: Hat es Dir gefallen die Grenzen Hollywoods hinter Dir zu lassen, um aus erster Hand zu beobachten, wie Glee im Rest der Welt ankommt?
Chris Colfer: Die Grenzen Hollywoods, wohl wahr. Ich sage Dir Eines. Zu wissen dass so viele Leute auf der Welt unsere Show verfolgen und durch sie beeinflußt werden, ist einfach irre. London war verrückt. Paris war spaßig. Spanien, Australien, wir waren in jeder Ecke der Welt.
Schwulissimo: Wie kommt es, dass Gesang so eine wunderbare Art ist, Gefühle auszudrücken und was ist mit Eurer Musik, die so viele Fans für sich gewinnt?
Chris Colfer: Madonna setzt ihr Bestes in ihre Songs, „Diese Musik bringt die Menschen zusammen." Sie singt natürlich noch viel mehr als das, aber letztlich verbindet es so viele Leute. Jeder kann sich irgendwie mit Musik in Zusammenhang bringen.
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25.11.2011
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