Die Weisheit der Bauern

Der Frühling ist da. Doch das Wetter spielt nicht immer mit und macht manchem Landwirt das Leben schwer. Da helfen altbewährte Regeln, die als geronnene Erfahrung auch viele Meteorologen in Staunen versetzen. Studien haben eine bemerkenswerte Genauigkeit der gereimten Wetter-Weisheiten nachgewiesen. Obwohl einige der bäurischen Sprichwörter nur für bestimmte Regionen Gültigkeit haben, so liegt die Trefferquote insgesamt bei einem sehr hohen Prozentsatz. Allerdings hat der Klimawandel hier auch die Dinge beeinflusst: Was vor 100 Jahren noch stimmte, trifft heute teilweise nicht mehr ganz zu.

Sehr bekannt ist z.B. der Spruch: „Der April macht, was er will“. Dies können wir alle bestätigen, denn ohne Regenschirm ist man in diesem Monat vielfach aufgeschmissen. Erfahrungsgemäß ist das April-Wetter unvorhersehbar, ein Rückfall zu frostigen Temperaturen ist jederzeit möglich. Die Heiligen spielen in der Welt der seinerzeit sehr religiös geprägten Bauernkultur eine große Rolle. So behauptet ein Sprichwort über St. Martin (gemeint ist der Papst Martin I., der am 13. April gefeiert wird): „So wie Martin es will, so zeigt sich dann der ganze April“. Wenn dieser Tag also besonders sonnig oder wechselhaft ist, dann soll dies eine Tendenz für den ganzen Monat abgeben. Die Archive der Wetterstationen scheinen dies zu bestätigen. Der Heilige Georg hat an seinem Ehrentag (23. April) auch noch ein Wörtchen mitzureden: „Ist’s an Georgi warm und schön, wird man noch raue Wetter sehen“. Beim Wechsel zum Wonnemonat Mai in der Walpurgisnacht (30. April), bei der einerseits Hexen vertrieben und andererseits beim Tanz zarte Bande geknüpft werden, haben die altvorderen Landwirte auch eine Marke gesetzt: „Walpurgisfrost ist schlecht Kost“. Die Abhängigkeit vom Wetter und dessen Auswirkungen auf die Versorgungslage am Bauernhof sowie auf die Erträge aus dem Verkauf der erzeugten Naturprodukten zeigt sich in solchen Versen deutlich.

Mai ist auch die Zeit des Säens. Damit die fruchtbaren Körner nicht in der Erde verkümmern, wünschen sich die Bauern jetzt nichts sehnlicher als Regen – ganz anders als die Bevölkerung in der Stadt. So heißt es in einem Spruch: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass“. Wenn also im Frühling die Outdoor-Saison mit Biergarten und Ausflügen so richtig Fahrt bei Sonnenschein aufnimmt, dann haben die Landwirte nichts zu lachen – daher gilt umgekehrt: „Ist der Mai recht heiß und trocken, kriegt der Bauer kleine Brocken“. Zu St. Florian (4. Mai) rechneten die Landwirte früher sogar wettertechnisch mit echten Kapriolen: „Der Florian, der Florian, noch einen Schneemann setzen kann.“ Winter im Mai – scheint es früher öfters gegeben zu haben. Heute eher selten, denn die allgemeine Veränderung des Klimas hat da einiges verschoben. Die Klima-Erwärmung, so sagen manche Forscher, hat übrigens nicht nur mit Umweltverschmutzung zu tun, sondern auch mit den periodischen Eiszeiten, die in der Erdgeschichte völlig natürliche Vorgänge sind, welche auf astronomische Gegebenheiten zurück zu führen sind.

Die Eisheiligen (11. bis 15.Mai) tragen ihren Namen nicht umsonst. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie sind in Bauernkreisen als unsichere Kandidaten bezüglich ihrer Wirkung auf die Witterung bekannt. Die Devise lautet also: „Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer juchhei!“. Diese Regel hat laut Forschung ebenfalls eine recht hohe Trefferquote. Für die Genießer edler Tropfen hat das Wetter um diese Jahreszeit Folgen im Hinblick auf die Güte des Rebensafts. Weinstöcke und deren Trauben brauchen viel Wasser und Wärme zum Gedeihen – und das, bitteschön, möglichst zur rechten Zeit. Die Erkenntnis der Winzer in Kürze: „Ist Sankt Pankratius schön, wird guten Wein man sehn“.

Am liebsten hätten die Landwirte auch den Juni gerne etwas durchwachsen. So heißt es einerseits: „Gibt’s im Juni Donnerwetter, wird gewiss das Getreide fetter“. Und dann andererseits „Im Juni kühl und trocken, gibt's was in die Milch zu brocken“. Wunschwetter nach Bauernart ist also eher nicht massenkompatibel mit heimischen Urlaubsabsichten. Prognosen für den ganzen Sommer liefert der Siebenschläfertag. Die Legende der sieben Schläfer von Ephesus geht auf die Christenverfolgung zurück. Die tapferen Glaubenskämpfer wurden lebendig eingemauert. Statt zu sterben, schliefen sie dann 195 Jahre in ihrem Gefängnis, um nach der Wiederentdeckung als lebender Beweis für die Auferstehung zu gelten. Landwirte gehen in ihrer Weisheit davon aus, dass an diesem Tag die Weichen für die Saison gestellt werden: „Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt“ und „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass“.

Im Juli sollen dann, nach Bauernwunsch, die Sonne und deren Anbeter auch zu ihrem Recht kommen: „Im Juli muss vor Hitze braten, was im September soll geraten“. Weniger bekannt, dafür ebenfalls für die Ernte von strategischer Bedeutung ist der Siebenbrüdertag (10. Juli). Die Frühchristin Felicitas ging als Heilige mit ihren sieben Söhnen in die Geschichte ein, als sie sich weigerte, vom Glauben abzuschwören und dafür mitsamt Familie hingerichtet wurde. Lang ist das her, doch meteorologisch hat dies wohl bis heute seine Konsequenzen: „An Siebenbrüder Regen, der bringt dem Bauern keinen Segen“. Nachdenklich sollten diese wissenschaftlich erwiesene Weisheit der Bauern diejenigen stimmen, die glauben, dass Landwirte nur noch als schlichte Brautwerber im Fernsehen für die Quote etwas taugen (rb)

11.05.2019
Die Weisheit der Bauern // © wernerimages
Die Weisheit der Bauern // © wernerimages

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