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Caesar Elsner will seinen Traum leben!

15.000 € für einen Lebenstraum „Balletttanzen sagt nichts über die Sexualität aus“

km - 05.01.2021 - 10:00 Uhr

Das junge 19-jährige Talent aus Hamburg, Caesar Elsner, lebt seit September 2020 weit weg von Zu Hause. Im Internat in St. Petersburg hat er sechs Tage die Woche Unterricht und verfolgt seinen Traum. Jeden Abend fällt er todmüde ins Bett. Warum Ballett in Russland so etwas Besonderes ist, mit welchen Vorurteile und Klischees er zu kämpfen hat und wie man seinen Traum unterstützen kann, erzählt der Tänzer im Interview mit SCHWULISSIMO.


Was macht das Ballett in Russland so besonders oder überragend?
Ballett ist dort groß und intensiv. Es ist vergleichbar mit Fußball in Deutschland. Allein in St. Petersburg gibt es gleich mehrere überragende Opernhäuser mit weltbekannten Ballettkompanien, wie zum Beispiel das Mariinski- oder das Michailowski-Theater.

Auch an der Vaganova-Ballettakademie spüre ich jeden Tag die Bedeutung des Balletts. Das liegt zum einen an der Anzahl der Schüler und Klassen und zum anderen auch am Unterricht. In Wien ging dieser in der Woche bis mittags an der Vaganova-Akademie sind die Tage doppelt so lang und es wird bis in den Abend trainiert. Auch samstags. Es ist eine unglaubliche körperliche Herausforderung, aber ich bin dankbar für jeden Moment. Es ist eine große Ehre, dass ich lernen darf, wo schon die Ballettgötter Nijinsky, Nurejew und Baryshnikov trainiert haben.

Russisches Ballett ist für mich die Spitze des Tanzes. Die Vaganova-Akademie ein Traum, der wahr geworden ist.

Von St. Pauli nach St. Petersburg

Hast du als Mann, der Ballett tanzt, viel mit Klischees zu kämpfen? - z. B. im punkto Männlichkeit/Sexualität?
Na ja, zu kämpfen hatte ich damit nie wirklich. Aber als ich mit Ballett anfing, war ich 14 Jahre alt und wusste genau, dass es an der Schule genügend Schüler gibt, die das nicht kapieren würden. Also habe ich erzählt, dass ich Leichtathletik mache. Irgendwann wussten dann aber meine Freunde und auch mein Lehrer, dass ich Ballett lerne und das war kein Problem. Im Gegenteil, alle fanden es cool. Es waren tatsächlich eher Jungs, die dann irgendwann fragten, ob ich in Spitzenschuhen und Tutu tanze. Die wussten es einfach nicht besser. Und natürlich kamen Kommentare wie: "Ey, das ist doch voll schwul." Na ja, was soll ich dazu sagen? Ballett ist etwas, das versteht nicht jeder.

Wie denkst und fühlst du dich, wenn du mit diesen Klischees in Berührung kommst?Das ist situationsabhängig, aber ich bin inzwischen 19 Jahre alt und weiß, daß Schubladendenken wirklich aus allen Richtungen kommt. Aber sollen sie mir doch mit Klischees kommen. Nur weil jemand Ballett tanzt, sagt das nichts über seine oder ihre Sexualität aus. Ich tanze Ballett. Ich brenne für Ballett. Punkt.

Was müsste getan werden, um diese Klischees abzubauen?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Vielleicht sollte man erst mal darüber nachdenken, wieso jemand denkt, dass Balletttänzer schwul sind? Etwa weil sie in Strumpfhosen tanzen? Das wäre wohl ziemlich albern – oder?

Meine Mutter hat mir von Reaktionen im Bekanntenkreis berichtet: "Er tanzt Ballett? Oh, ist er schwul?" Ich glaube, solange Erwachsene noch nicht begriffen haben, dass nicht jeder Balletttänzer, nicht jeder Friseur oder Modemacher homosexuell ist, wie sollen dann Kinder und Jugendliche das wissen? Und solange das Wort „schwul“ auf Schulhöfen immer noch als Schimpfwort hinterhergerufen wird, ist das wohl noch ein langer Weg.

Viele glauben auch, dass Ballett langweilig und viel zu altmodisch ist. Dass Ballett aber genauso modern und cool sein kann, zeigt ein Video auf YouTube. Da tanzt der tätowierte Balletttänzer Sergei Polunin zu Hoziers "Take me to Church". Das Video ist vor einigen Jahren viral gegangen und das haben viele gesehen, die vorher kein Interesse an Ballett hatten.
 

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Balletttänzer Sergei Polunin © instagram.com/poluninink

Wie kam es zu der GoFundMe Kampagne?
Ein Ausbildungsjahr an der Akademie kostet 15.500 Euro Schul- und Internatsgebühren. Das ist einfach zu viel. Ich kann nicht nebenbei jobben, weil ich das weder körperlich noch zeitlich hinkriege. Also kam ich mit meiner Mutter auf die Idee, diese Kampagne zu starten. Auch um gerade in diesen schweren Zeiten zu zeigen: Seht her, es gibt weiterhin schöne Geschichten. Es ist schon eine ordentliche Summe zusammengekommen, vielleicht kommt ja noch mehr, damit ich meinen Traum zu Ende träumen kann.

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