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Benjamin und Ibrahim // © instagram.com_ibo_cgn

Benjamin und Ibrahim Liebe sprengt alle Grenzen und Gegensätze ziehen sich an: Was nach Sprüchen klingt, ist hier eine große Lovestory – versprochen!

kk - 01.05.2021 - 10:00 Uhr

Unser Liebe-Pärchen des Monats hat sich zunächst schüchtern auf einer Party beäugt, aber keiner von beiden hatte den Mut, den anderen anzusprechen: Erst ein zweites Aufeinandertreffen im Fitnessstudio sollte ein langsames Anbandeln in Gang setzen und Benjamin (26) und Ibrahim (34) wurden ein Paar mit Geschichte(n) und Gegensätzen. Ibrahim ist nämlich nach seiner Flucht aus dem Libanon Ende 2015 in Köln gelandet, wo Benjamin lebte. Die beiden fanden sich auf Anhieb attraktiv und sexy, doch charakterlich sind sie komplett unterschiedlich, wie sie schnell bemerkten. Dass die Beziehung dennoch harmoniert, liegt daran, dass sie sich wie ein Puzzle vervollständigen. Und Dinge zusammenzusetzen kann ja in vielen Bereichen wahnsinnig viel Spaß machen! Schritt für Schritt legten sie dann auch ihre beiden Wohnungen zusammen, so dass das Puzzle sehr schnell ein komplettes Bild ergab: Im November 2018 haben sie sich kennengelernt, Ende Januar 2019 sind sie zusammengezogen und im November 2019 haben sie geheiratet.

Auch beruflich sind beide ziemlich kreativ, aber auch lösungsorientiert: Benjamin macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei einer großen DIY-Baumarktkette: Dort baut er Web Tools, arbeitet am Online Shop und darf sich die interne Infrastruktur genauer ansehen. Nebenbei erstellt er auch noch Layouts für Print, Soziale Medien und beschäftigt sich mit Videoschnitt. Diese Fähigkeiten bringt er auch bei Ibrahims Engagement mit ein, denn dieser ist seit 2017 als Sozialarbeiter beim Rubicon e.V., einer Beratungsstelle für LGBTI*,  mit den Schwerpunkten Anti-Gewalt, HIV-Prävention und Asylberatung für LGBTI*-Flüchtlinge tätig. Obendrein ist er Vorstandsmitglied von Rainbow Refugees Cologne – Support Group e.V.
 

Benjamin und Ibrahim // © instagram.com_ibo_cgn

Ibrahim hat also nicht nur in Benjamin eine emotionale Heimat gefunden, sondern auch in Deutschland eine identitätsstiftende: Seine biologische Familie akzeptiert nicht, dass er homosexuell ist und deshalb wagte er die Flucht in ein neues Land – in dem er seine eigene Familie gründen kann, die ihn bedingungslos so liebt wie er ist. Diese Bedingungslosigkeit hat er in Benjamins Familie gefunden, die auch bei ihrer Hochzeit eine wichtige Rolle spielte, wie man eindrücklich in der WDR-Doku „Geoutet, Geflüchtet, Geheiratet“ selbst sehen kann. Unter dem Titel „Schwul, verfolgt, geflohen“ kann man ein weiteres eindrucksvolles Video sehen, in dem Ibrahims Geschichte und Kampf mit Homophobie im Heimatland und bei der Familie erzählt wird.

Wer solche Dinge erleben musste, der ist besonders glücklich über die nun gefundenen Glücksmacher wie Liebe, Sorgfalt und Respekt, wie Ibrahim erzählt: Deshalb will er nicht nur im Privaten etwas zurückgeben, sondern auch gesellschaftlich und kämpft leidenschaftlich in diversen Initiativen für LGBTI*-Rechte. Als Paar nutzten sie so den Lockdown für ein weiteres Projekt, nämlich den YouTube-Kanal namens LGBTI*-Arabs. Während Benjamin seine IT- und Grafik-Kenntnisse hier einbrachte, sind Ibrahims Erfahrungen ein wichtiger Bestandteil, um auf diesem Kanal die Sichtbarkeit und Bildungsthemen wie sexuelle Gesundheit für LGBTI* in der arabischen Welt zu fördern.

Wenn sie mal nicht wie Batman und Robin für das Gute und Gerechte kämpfen, dann genießen sie zurecht ihre Gemeinsamkeit: Beider Hobbys sind Kochen und zusammen zu feiern – und endlich nach Corona wieder Musikfestivals zu besuchen. Darüber hinaus sind beide sportliche Typen, das Fitnessstudio als wichtiger Ort wurde ja schon erwähnt, aber Ben steigt zudem auch gerne aufs Fahrrad, während Ibrahim auch gerne mal relaxte Camping-Zeiten genießt. Ein Paar, das sich also über diverse Grenzen hinweg gefunden hat und wie es sagt, zwar noch keine lange gemeinsame Vergangenheit hat – „aber wir haben einen langen Weg, den wir gemeinsam in die Zukunft gehen werden“. Hindernisse sind für sie dazu da, überwunden zu werden und wie Superhelden umzuwandeln in Unterstützung sowie Vertrauen. Dazu braucht man auch keine Superkräfte, sondern nur eine offene Kommunikation, wie sie uns verraten!

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