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Sechsteiliger LGBTI*-Geschichtsunterricht über Bürgerrechtsbewegung in den USA

Disney+ Doku-Serie PRIDE Sechsteiliger LGBTI*-Geschichtsunterricht der USA

km - 24.06.2021 - 10:00 Uhr

Am 25. Juni erscheint auf Disney+ die Dokuserie PRIDE. Diese dokumentiert den Kampf für LGBTI*-Bürgerrechte in Amerika von den 1950er Jahren an und arbeitet sich Jahrzehnt für Jahrzehnt vor. Insgesamt sechs Episoden erzählen heldenhafte und herzzerreißende Geschichten, die die USA als Nation definieren. Jede Folge ist von unterschiedlichen Filmemacher*innen der Community inszeniert. Das Gesamtwerk spannt einen Bogen von der FBI-Überwachung Homosexueller während des „Lavender Scare“ in den 1950er Jahren bis zu den „Culture Wars“ der 1990er Jahre sowie darüber hinaus. Es erforscht das queere Erbe der Bürgerrechtsbewegung und den Kampf um die Gleichstellung der Ehe. Die Produzentin Christine Vachon und Regisseurin Alex Stapleton, die bei diesem Projekt das große Ganze im Auge behalten haben, sprachen mit SCHWULISSIMO über das ambitionierte Projekt.

 

Die Doku heißt "PRIDE". Was bedeutet Pride für euch?
Christine: Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß, was Pride in Bezug auf unsere Show bedeutet. Es bedeutet den Wunsch nach einer Auseinandersetzung mit den vergangenen sechzig, siebzig Jahren amerikanischer Geschichte rund um dieses Thema. Aber was es für mich persönlich bedeutet: Es ist kompliziert. Ich schätze, ich ehre, was immer mein Gefühl von Pride ist, indem ich diese Art von Arbeit mache.

Produzentin Christine Vachon Pride

Was war die größte Herausforderung für die Dokuserie?
Christine: Es war unglaublich ehrgeizig, die Entscheidung zu treffen, sieben verschiedene Regisseure für sechs verschiedene Episoden zu engagieren. Und das war eine Herausforderung. Jede einzelne Folge war wie ein Neustart, neue Persönlichkeiten, ein neues Team und obendrein mussten wir herausfinden, wie wir diese Serie als Serie wirken lassen können. Mit all den verschiedenen Stimmen. Alex kann dazu mehr sagen als ich, weil es wirklich auf ihren Schultern lag, aber ich würde sagen, das war die größte Herausforderung.

Alex: Das war auf jeden Fall die größte Herausforderung, sowohl kreativ als auch technisch! Vom technischen Standpunkt ausgesehen, was du gerade gesagt hast, technisch verschiedene Visionen zuzulassen, aber es dabei immer noch so aussehen zu lassen, als wäre es ein Gesamtwerk.
In kreativer Hinsicht wollten wir nicht nur einen Aspekt oder einen Teil der Community in ein oder zwei Episoden erwähnen. Wir wollten nicht nur über Transgender in den 50er Jahren sprechen, sondern das durchgängig erzählen. Die Herausforderung war also, wie man das zu Ehren des Regisseurs und zu Ehren des Jahrzehnts macht. Aber im Großen und Ganzen ging es darum, sicherzustellen, dass es sich wie eine Fortsetzung anfühlt. Auch der Spagat in der Lage zu sein, Zeitabschnitte zu kritisieren, aber auch zu ehren war nicht ganz einfach.

Regisseurin Alex Stapleton

Ist es überhaupt möglich, die gesamte Community in einem Projekt unterzubringen oder hättet ihr euch mehr Screentime gewünscht?
Alex: JA!

Christine: Eines der Dinge, die ich oft in den sozialen Medien sehe, ist, dass die Leute sagen: Die hätten mehr über dieses oder jenes reden sollen. Und ich liebe das irgendwie, denn es macht es einfach zu einer größeren und größeren Diskussion. Man will immer mehr Zeit haben, aber ich liebe die Box, in die wir uns selbst stecken mussten. Man muss sich eine Geschichte ausdenken, die man in dieser Zeitspanne erzählt.

Worauf seid ihr stolz bei dem Projekt?
Alex: Das verbindende Thema zu finden. Zum Beispiel Ceyenne, sie ist in den Sechzigern und Achtzigern und auch in der letzten Episode vertreten. Das war so magisch, zu verstehen, wie die Geschichte miteinander verbunden ist. Das war eine sehr organische Sache, es war nichts, was wir vom ersten Tag an geplant haben. Es hat sich einfach so angefühlt, als ob wir alle zusammen wären und ein Gespräch beginnen würden, das nicht das Ende von allem und jedem ist.

CeyenneDoroshow PRIDE

Welche Menschen wollt ihr damit erreichen?
Christine: Ich denke, man fängt immer mit seiner Kern-Community an und möchte die Leute erreichen, von denen man weiß, dass sie sich das auf jeden Fall anschauen werden. Und ich weiß, dass es etwas Besonderes für sie sein wird. Aber diese großen Geschichten sind keinesfalls eine Nische. Was ich sehe, ist, dass es mit vielen jungen Menschen in der LGBTI*-Community beginnt, die sagen: "Ich wusste nicht, dass es das gibt. Ich wusste nicht, dass das in den Sechzigern passiert ist und so weiter... Ich habe einen neuen Blick auf die Geschichte, was ich vorher nicht hatte. Und wie konnte ich das vorher nicht wissen.“ Ich liebe das. Aber ich liebe auch, dass es abseits davon funktioniert und die Leute sagen, das ist eine gute Serie. Das sind tolle Geschichten mit interessanten Charakteren. Und es spielt keine Rolle, ob man sich mit dieser Gemeinschaft identifiziert oder nicht.

Gab es Fakten, die ihr nicht wusstet?
Christine: Es gab viele Dinge in der Serie, die wir beide nicht wussten. Wir wussten, dass es zu dieser Zeit eine Bewegung gab, aber ich habe nicht verstanden, was es für die Menschen bedeutet, die persönlich daran beteiligt waren. Ich beziehe mich viel auf Bayard Rustin, weil ich das Gefühl habe, dass er ein so großer Held der Bürgerrechtsbewegung war. Seine pragmatische und starke Einstellung, „Ich werde sein, wer ich bin, und ich weiß, wie wichtig ich bin, um diese Bewegung am Laufen zu halten - also werde ich es einfach tun“ hat etwas an sich, das so außerordentlich inspirierend ist. Die Idee, dass wegen unserer Show mehr Menschen wissen, wer zum Teufel er ist – ist wirklich ermutigend und wichtig.

Alex: Es gibt eine Menge Dinge, die ich nicht wusste. Eine ganze Menge! Aber was auch interessant war, von den Leuten zu hören, war: „Warum weiß ich das nicht?“. Warum wissen so wenig Menschen über Rustin und jeder weiß, wer Martin Luther King ist? Es gibt noch andere wunderbare und wichtige Anführer der Bürgerrechtsbewegung und diese Namen und Menschen sollten wir auch kennen und darüber lernen. Wenn man sich fragt, warum die Leute nichts über Rustin wissen, ist die Antwort, dass er von denen die unterrichten nicht als amerikanische Geschichte angesehen wird. Die Tatsache, dass wir nicht wissen, wer diese Aktivisten sind, ist so etwas wie ein Aufruf zum Handeln und eine Kritik an das Bildungssystem.

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