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Irina Schlauch // © vvg

Erste Princess Charming Irina Schlauch

vvg - 09.08.2021 - 09:00 Uhr

Irina Schlauch ist die erste Princess Charming der gleichnamigen lesbischen Datingshow 

Warum findet eine Frau wie du keine Partner:in im realen Leben?
Das würde ich so pauschal nicht sagen. Ich lerne im normalen Leben schon relativ leicht Frauen kennen, aber der Rahmen dieser TV-Show ist schon etwas Besonderes und hat mich gereizt. Zusätzlich möchte ich anderen Frauen Mut machen, die noch nicht so offen mit ihrer Sexualität umgehen können. Durch die Show können wir ein Statement setzen: Lesbische Liebe ist etwas Schönes und Normales!

Wusstest du schon beim ersten Treffen, wer in die Endrunde kommt?
Ich dachte schon, dass ich das wie bisher relativ schnell entscheiden könnte. Aber in der Show war es dann anders und die beiden Finalistinnen hatte ich anfangs gar nicht auf dem Schirm und hätte sie wahrscheinlich nicht im realen Leben gedatet. Interessant war, dass ich mich stärker auf die Menschen einlassen und mich öffnen konnte, weil ich mich in dieser „Bubble“ bewegt habe.  Wesen und Charakter werden bedeutender als Äußerlichkeiten.

Wie wurdest du angefragt?
Ich hatte mich als Kandidatin beworben, weil ich ein großer Fan der ersten Staffel von Prince Charming war. Irgendwann kam dann aber der Anruf, ob ich mir vorstellen könnte, die Princess zu sein. Ich habe überlegt, weil für eine Kandidat:in die Aufmerksamkeit geringer ist, als Princess stehe ich voll im Fokus und habe auch noch nach der Ausstrahlung eine Bekanntheit und Verantwortung für die Community. Es war die krasseste Erfahrung, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe.

Teilweise suchen Menschen der LSBTI*-Community ihre Dates in besonderen Schutzräumen, du suchst deine unter den Augen der Öffentlichkeit. Geht man als Frau da anders ran?
Ich hoffe, dass ich nicht anders rübergekommen bin als sonst. Da ich keinerlei Erfahrung vor der Kamera hatte, habe ich auch nicht „geschauspielert“. Nach den Ausstrahlungen der ersten Folgen habe ich gemerkt, dass ich so rüberkomme, wie ich bin. Der Unterschied lag nur darin, 20 Menschen gleichzeitig zu daten, was normalerweise nicht vorkommt J.

Wie ist das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen?
Die Kameras konnte ich relativ schnell ausblenden und das Gefühl des Beobachtetwerdens verdrängen. Trotzdem bleibt das Bewusstsein, dass die Kameras da sind und die Bilder ein sehr großes Publikum zu sehen bekommt. Als ich vor den 20 Kandidat:innen stand, war ich sehr aufgeregt – in der Villa konnte ich die Kameras dann aber am besten ausblenden, weil diese fest installiert und nicht so offensichtlich sind. Zudem haben die Kandidt:innen mir schnell ein gutes Gefühl gegeben, sodass ich mich wohlgefühlt habe.

In der männlichen Variante stand der Prince unter rivalisierenden „Platzhirschen"– bei dir waren es anfangs „Streithennen"?
Nur am Anfang gab es eine Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen, die auch die Show verlassen mussten. Im weiteren Verlauf sind alle sehr respektvoll miteinander umgangen und hatten einen umso stärkeren Zusammenhalt.

Mit welchem Ritual werden deine ausscheidenden Kandidat:innen verabschiedet?
Ich habe in der ersten Show den Kandidat:innen Ketten übergeben, die leicht buddhistisch anmuten, – ich hätte sie vermutlich nicht ausgesucht J – welche die ausscheidenden Kandidat:innen dann abgeben mussten.

Wie ehrlich kann so ein Format sein?
In diesem Format gibt es kein Drehbuch, aber sicher wird die Produktionsfirma darauf achten, dass der Cast bunt gemixt ist und sich daraus schon interessante Prozesse entwickeln. Sicherlich spielt bei einigen Frauen mit, neben der Suche nach ihrer Princess Charming und ihren persönlichen Statements zur lesbischen Liebe, auch ein wenig bekannt zu werden. Ich finde das aber nicht verwerflich, es ist letzten Endes eine Fernsehshow.

Jochen Schropp lobt: „Ich als schwuler Mann habe direkt in der 1. Folge so einiges über Frauen gelernt, die Frauen lieben. Da wird Unterhaltung zur Aufklärung!“ Was sollten andere Männer auch lernen?
Ich finde an unserer Staffel toll, wie offen mit dem Thema Sexualität umgegangen wurde. Ich vermute, dass lesbische Liebe für viele, die damit noch nie Berührungspunkte hatten, ein Mysterium ist. Mir ging es ähnlich bei Prince Charming: es hat mich ungemein interessiert, wie Schwule lieben. Da kann sicher jede:r etwas lernen.
 

Irina Schlauch // © vvg

Gibt es Eigenschaften, die deine Partnerin haben sollte?
Sie sollte offen, tolerant und abenteuerlustig sein.

Was bringst du mit in die Partnerschaft?
Ich bin auch offen, tolerant, abenteuerlustig und kann gut zuhören. Andererseits bin ich aber oft ungeduldig und kann stur sein: mir fällt es schwer, nach einem Streit den ersten Schritt zu machen oder mich zu entschuldigen.

Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick und an die ewige Liebe?
Ich glaube nicht an die Liebe auf den ersten Blick, weil die erste Zeit einer Liebe sehr trügerisch sein kann. Man hat die „Rosarote Brille“ auf. Ich verknalle mich sehr schnell, verliebe mich aber sehr langsam, denn dazu gehört Vertrauen, welches erst langsam wächst. Ich bin aber so romantisch, dass ich an die ewige Liebe glaube. Ich finde die Vorstellung sehr schön, mit einem Menschen bis zum Lebensende zusammen zu sein. Es ist aber sicher verdammt schwer, das umzusetzen.

Beim 1. Prince Charming ging die Suche ins Herz, beim 2. Prince in die Hose. Wie sind deine Erwartungen?
Meine Erwartung ist natürlich, dass daraus eine schöne Beziehung entsteht. Wenn das Interview erscheint, ist das Finale schon ausgestrahlt und ich muss leider gestehen, dass es nicht geklappt hat. Es ist für mich nicht schlimm, aber die Zuschauer:innen werden vielleicht enttäuscht sein, dass es kein Happy End gibt. Aber dafür ist die Liebe leider zu unberechenbar.

Warum ist ein Kuss zwischen zwei Männern immer noch ein Skandal und ein Kuss zwischen zwei Frauen eine männliche Phantasie?
Wir sind hoffentlich schon darüber hinaus, dass der Kuss zwischen zwei Männern ein Skandal ist. Bei zwei Frauen spielt aber leider noch zu oft der Reiz oder der Wunsch für manche Männer, mit zwei Frauen gleichzeitig Sex zu haben, eine Rolle. Dabei wird der eigentliche Grund für den Kuss, nämlich die Liebe zweier Frauen, verdrängt.

Seit wann war dir klar, Frauen zu lieben und wie war dein Outing?
Ich habe relativ früh gemerkt, dass ich auch Frauen interessant finde. Dazwischen gab es eine längere Beziehung mit einem Mann, in der ich sehr happy war. Aber seit dem Ende der Beziehung zieht es mich emotional nur noch zu Frauen hin. Ich hatte nie ein Problem dazu zu stehen und ich hatte auch nie ein richtiges Outing in meiner Familie.

War deine Mutter auf Kreta und hat die „Anwärter:innen“ für ihre Tochter in Augenschein genommen?
Meine Mutter nicht, aber meine eineiige Zwillingsschwester. Das war ein besonderer Spaß, weil die verbliebenen Kandidat:innen im Haus nichts davon ahnten.

Wie ist die Reaktion jüngerer Zuschauer:innen in der Community?
Ich bekomme gerade bei Instagram viele Reaktionen von jüngeren Frauen, denen die Sendung Mut macht, sich zu outen und zu akzeptieren. Das ist schön, solche Nachrichten zu lesen. Viele sind auch zurückhaltend süß und trauen sich nicht, mich in der Öffentlichkeit anzusprechen. Dabei bin ich doch ein ganz normaler Mensch …

Ist es reizvoll, bekannt zu sein und in der Öffentlichkeit zu stehen?
Das ist eine Auswirkung der Sendung, vor der ich Angst und totalen Respekt habe. Ich genieße es, weil die Reaktionen so positiv sind und die Leute das Anliegen unserer Sendung auch wertschätzen. Jetzt muss ich abwarten, was es mit mir macht – auch weil ich kein extrem extrovertierter Typ bin.

Was macht dich wütend?
Wenn ich merke, dass Leute unreflektiert ihre Meinung zum Thema Homosexualität abgeben. Wenn gefragt wird, warum es so einen Hype gibt und womit wir diese Aufmerksamkeit verdient hätten. Dabei schränkt kein queerer Mensch damit die Rechte anderer ein, nur weil wir auf unsere Probleme aufmerksam machen.

Wie stehst du zur Szene, hast du auch schwule Freunde?
Bei der Szene habe ich gemischte Gefühle, ich weiß gar nicht, ob ich da so drin bin. Ich bin aber öfter in der Szene feiern und fühle mich dann sehr wohl, gehe aber auch gerne außerhalb der Szene feiern. In meinem erweiterten Freundeskreis habe ich auch schwule Freunde.

Was sagst du zum Fußball und Regenbogen-Fahnenaufstand bei der EM?
Ich finde es wichtig und richtig, dass auch unpolitische Bereiche ihren Einfluss und ihre Reichweite nutzen, um ein politisches Statement zu setzen. Die UEFA hat da schlichtweg versagt. Gerade mit dem ungarischen Gesetz hat ein europäisches Land gegen die Gemeinschaftsstandards der EU und die Menschenrechte verstoßen. Ich war vor ein paar Tagen mit einer Kandidatin, Wiki, unterwegs und wir haben auf der Straße Unterschriften für eine Petition gegen dieses Gesetz gesammelt.

Hat der Playboy schon angefragt? Und was würdest du nie tun?
Ich würde mich nie ausziehen, weil beim Thema Nacktheit meine Grenze liegt. Auch ins Dschungelcamp würde ich nicht gehen. Auf das Abenteuer hätte ich schon Lust, aber nicht unter Beobachtung. Let’s Dance wäre das einzige Format, bei welchem ich überlegen würde, mitzumachen.

Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
Ich möchte, dass es mir und meiner Familie vor allem gesundheitlich gut geht. Und ich wünsche mir, dass für alle Jugendlichen, die merken, dass sie queer sind, ein Outing irgendwann kein Thema mehr sein wird, weil die Gesellschaft so weit ist, dass alle so akzeptiert werden, wie sie sind und lieben. Und natürlich wünsche ich mir auch eine Partnerin an meiner Seite.

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ist heute Vokalcoach und Stimmexperte, Motivationstrainer und Autor. Sein aktuell erschienenes Buch „Sei eine Stimme und nicht nur ein Echo“.
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