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Melanie Müller // © Archiv

Im Interview Melanie Müller

vvg - 01.07.2021 - 09:00 Uhr

Melanie Müller ist eine Reality-TV-Darstellerin und Schlagersängerin. Sie war beim Bachelor dabei, wurde 2014 Dschungelkönigin und belegte den 2ten Rang bei „Like Me, I`m Famous“. Bei der nicht zu Ende ausgestrahlten Show „Promis unter Palmen“ kam sie auf den dritten Platz. Gemeinsam mit Katy Bähm und Olivia Jones setzt sie mit dem Titel "We are queer" ein Zeichen gegen Homophobie. Wir haben mit der Frau aus Sachsen, die man gerade wegen ihres Dialektes liebt, gesprochen:

„In Sachsen, wo die schönen Mädchen wachsen“ wurdest du „Vom Mauerblümchen zur Dschungelqueen“. Wolltest du als Kind schon ein Star werden?
Ne, als Kind hatte ich gar nicht vor „ein Star“ zu sein oder zu werden. Ich hatte keine Vorbilder und wollte auch nie auf der Bühne stehen. Als Fünfjährige habe ich angefangen Klavier zu spielen und ganz ehrlich: Es war für mich die Hölle (lacht). Ich war regelmäßig krank, ich wollte nicht, dass mich Leute beim Spielen beobachten, weil das für mich einfach die Hölle war.

Von Grimma aus – durch den Pool vom Bachelor – bist am Ballermann gelandet, was war dein schönstes Erlebnis?
Ach, es gibt so viele schöne Erlebnisse: Ich meine, ich bin total unerwartet Dschungelkönigin geworden! Dass ich beim Bachelor so weit kam, war auch nicht geplant. Erst recht nicht, dadurch die Möglichkeit eine TV- oder Gesangskarriere zu starten. Ich bin eigentlich nur wegen des Geldes zum Bachelor gegangen und weil ich erhoffte, einen Mann fürs Leben zu finden (lacht). Das war alles komplett spontan und die Karriere kam dann Stück für Stück.

„Promi-Boxen“ heißt auch: Einstecken und austeilen! Du bist beliebt, weil du eine Meinung hast. Warum fällt das anderen so schwer?
Weil die Meisten am liebsten mit dem Strom schwimmen, was mir komplett gegen den Strich geht. Und das fängt bei ganz vielen Themen an. Zum einen kriegen sie ihren Mund nicht auf, weil sie Angst vor Rückschlägen oder der Meinung anderer haben, oder sie möchten ihre Meinung nicht verteidigen. Ich sage das, was ich denke, auch meinen Freunden gegenüber, was ich im Nachgang auch schon mal bereut habe. Ich erziehe auch meine Kinder so, dass sie ihre Meinung sagen sollten, weil sonst funktioniert es für mich nicht.

„Like Me, I`m Famous“ – Hat man im großen Haifischbecken Freunde?
Prinzipiell ja, man muss sich halt nur die richtigen Personen aussuchen. Aber auch Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, müssen sich die richtigen Freunde suchen, denn auch da gibt es Neider. Ich fühle mich privat eher zu Personen hingezogen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, weil ich in meiner Freizeit Ruhe haben und nicht über die Arbeit reden möchte. Deswegen bin ich wahrscheinlich auch „normal“ geblieben, weil Leute, die einen „normalen“ Beruf ausüben, dich auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringen.

„Plötzlich arm, plötzlich reich“ – Was braucht man wirklich zum Glück?
Familie und Gesundheit. Die Antwort ist zwar langweilig, aber das ist doch im Grunde genommen das Wichtigste. Natürlich ist es toll, wenn man Autos vorm Haus hat und eine große Hütte mit Whirlpool, aber unterm Strich zählt, dass man gesund und fit ist, dass man sich Zuhause versteht und jemanden hat, dem man vertrauen kann. Obwohl so ein paar Millionen auf der Kasse ja auch nicht schlecht sind …

„Wer ist die hellste Kerze? – Die Festspiele der Reality Stars“ - Warum fehlt es bei so vielen an Leuchtkraft?
Ich bin auch nicht die Hellste, z.B. das Thema Allgemeinbildung könnte bei mir schon etwas stärker ausgeprägt sein. Aber mein Gott, man sieht es doch immer wieder – man kommt manchmal am weitesten, wenn man bekloppt ist oder eben nicht ganz schlau oder intelligent. Also schlimm ist es jetzt auch nicht.

„Ob Mann – ob Frau, ich nehm`s nicht so genau“ - Hattest du homoerotische Erlebnisse?
Mein erstes Mal war mit einer Frau und danach hatte ich relativ viele Frauen (lacht). Nein, also ich bin leicht bi. Attraktive Frauen – gepaart mit guter Stimmung, da ist keine vor mir sicher und ich bin ihnen ausgeliefert. Mit meinem Ex bin ich im Swingerclub ein- und ausgegangen, mein Mann ist dagegen nicht ganz so entspannt.

„Wer sich erinnert, war nicht dabei“ – feierst oder verurteilst du den Drogenmissbrauch?
Sagen wir mal so: Ich feiere sehr, sehr gerne und akzeptiere rechts und links sehr viel, solange die Menschen sich unter Kontrolle haben und Anderen nicht schaden oder diese missbrauchen. Ich persönlich verzichte auf Drogen, weil ich das nicht brauche. Alle sollen gesund, munter und fit bleiben. Aber im Endeffekt muss das jeder für sich selbst entscheiden.

Nenn uns Promis, die das Schönsaufen nicht nötig haben.
Ich finde Howard Carpendale geil. Mit Silvester Stallone würde ich, wenn ich Single wäre, sofort in die Kiste hüpfen. Helene Fischer ist attraktiv. Und Florian Silbereisen – da ich unbedingt mal beim Traumschiff mitspielen will – würde ich den nicht von der Bettkante schubsen. Es gibt viele, die ich heiß finde – selbst Tina Turner ist noch extrem geil.
 

Melanie Müller, Katy Bähm und Olivia Jones für mehr Sichtbarkeit

Was bringt dich auf die Palme?
Unehrlichkeit, Lügen, streitsüchtige Menschen! Wobei ich aber wirklich ausraste, wenn jemand hinter meinem Rücken Unsinn erzählt, Unehrlichkeiten, Lügen und Unwahrheiten verbreitet. Und wenn ich denjenigen darauf anspreche, er dann nicht dazu steht.

Die Meinung des Prinzen, der nicht anhalten konnte, Schwule zu missachten, war unter aller Kritik. Wie stehst du dazu?
Prinzipiell kann ja jeder seine Meinung vertreten. Ich kann nur sagen: mein ganzer Haushalt ist voller Schwuler. Mein bester Freund ist Travestiekünstler, natürlich schwul. Meine zwei besten Freunde sind schwerst schwul und ich liebe es. Ich habe letztens mit sieben Schwulen in meinem Whirlpool gesessen. Schwule ziehen mich magisch an und ich sie. Ich finde es schön, mit ihnen rumzueiern. Es gibt richtige Zicken bei mir im Freundeskreis. Obwohl ich nicht mit Mädels zusammenhocken möchte, weil die meist rumzicken, sind die größten Zicken im meinen Freundeskreis die Schwulen. Ich liebe es, mit ihnen zusammen zu sitzen, Sachen zu unternehmen, von daher wird es bei mir nie ein Leben ohne Schwule geben.

Unser ganzes Haus ist voll mit Schwulen und wir machen schon Witze darüber, ob mein Kleiner mit 1 ½ anfängt, schwul zu werden, weil er nur mit Puppen rumrennt. Ganz ehrlich, ich würde es feiern, manchmal wünsche ich es mir sogar. Nein, Spaß. Ich bin da völlig entspannt. Wenn er schwul wird, dann wird er schwul. Also nicht mein Mann, das wäre komisch, dann würde ich etwas falsch machen in der Ehe. Jeder darf so glücklich werden, wie er möchte. Toleranz ist das Wichtigste.

War das der Anlass, dass Du, Katy Bähm und Olivia Jones mit "We are queer" ein Zeichen gegen Homophobie setzt?
Nein, es war vorher schon geplant einen Song zu machen. Die Überlegung war, noch jemanden mit reinzunehmen, der viel Aufmerksamkeit für das Thema generiert. Für mich war es ein Herzenswunsch, ein bisschen für meine Freunde, meine Jungs, meine Travestiekünstler_Innen, meine lesbischen Frauen und jeden, der queer ist, für alle mit denen ich stark verbunden bin.

Warst du froh, dass „Promis unter Palmen“ nicht ausgestrahlt wurde und wie findest du, dass es keine Fortsetzung geben wird?
Ganz ehrlich, ich war gar nicht froh, dass „PuP“ nicht ausgestrahlt wurde. Ich habe mich da recht persönlich gezeigt und bin sehr positiv und sehr weit aus der Nummer rausgegangen. Da sieht man viele andere Seiten von mir und Kitty hat mich in der Sendung sogar zweimal als Travestie-Star geschminkt und ich sehe wirklich Hammer aus – und ihr werdet es nie sehen. Das ist schade.

Wärst du gerne mal für einen Tag ein schwuler Mann?
Ganz ehrlich: Ich wäre generell gerne mal ein Mann - ob schwul oder nicht, spielt keine Rolle. Wahrscheinlich würde ich nackig draußen rumlaufen und überall meine Eier zeigen, weil ich liebe diese Teile an Männern (lacht). Ich würde wahrscheinlich den ganzen Tag Sex haben. Wahrscheinlich würde ich überall mein Teil rausholen, ist schön böse so etwas, oder? Aber ja, ich wäre gerne für einen Tag ein Mann. Ich würde mir den ganzen Tag am Sack spielen, die Eier kraulen und die überall vorzeigen. Aber wenn die Dinger klein sind, hätte ich natürlich auch die Arschkarte (lacht).

„Für Geld mach ich alles“ – Was würdest du auf keinen Fall machen?
Ich bin schon für Geld bereit, Vieles zu machen. Die böse Melli in mir sagt: „Wenn die Scheine stimmen!“ Wenn jemand sagt „Iss die Fliege für fünf Euro“, dann esse ich die. Sind ja immerhin fünf Euro, dafür krieg ich schon einen Döner. Aber ehrlich: Ich möchte nicht aus dem Flugzeug springen, da müsste schon ‘ne richtig große Summe locken.

Wie stehst du zu unserer Umfrage zum Thema Lästern?
Auch ich lästere gerne. Mein Gott, wer nicht lästert, der lügt. Wir lästern selbst unter besten Freunden, aber ich spreche meine Meinung jedem gegenüber offen aus.

Beschäftigst du dich (durch Willi Herren) intensiver mit dem Tod?
Ich habe verdammt Angst, weil ich nicht weiß, was danach kommt. Meine größte Sorge ist, auf welche Art ich sterbe. Am liebsten wäre mir, Augen zu und weg. Als ich dann hörte, dass es Willi erwischt hat, ging es mir eine sehr lange Zeit wirklich schlecht. Es tut mir unfassbar leid für Willi, aber mit dem Tod an sich möchte ich mich nicht weiter auseinandersetzen.

Welche Träume möchtest du unbedingt in deinem Leben noch verwirklichen?
Mein größter Traum ist beim Traumschiff mitzuspielen – und wenn es nur als Kellnerin oder Leiche ist. Ein Duett mit Roland Kaiser oder Howard Carpendale wäre das Gigantischste in meinem Leben. Und ein großer Traum von mir ist, ein Kind egal aus welchem Land zu adoptieren. Ich möchte einem Kind, das so gut wie keine Lebensperspektiven hat, eine Chance geben.

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