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Man on Man Interview

Interview mit MAN ON MAN „Ich denke, jede Art von Beschämung kommt von einem verletzten Ort“

km - 05.05.2021 - 18:00 Uhr

Roddy Bottum (Faith No More) und Joey Holman sind nicht nur ein wunderbares Paar, sondern auch die Band Man On Man. Genau das macht ihre Musik vermutlich so intim und liebevoll. Ebenso kämpfen die beiden Musiker mit ihren Videos und Songs gegen Schönheitsideale und für Sichtbarkeit und Akzeptanz – und das auch mit viel Nacktheit. Am 7. Mai veröffentlichen sie ihr gleichnamiges Debütalbum.
Mit SCHWULISSIMO sprechen sie über ihre Beziehung, die Community und ihre Musik.

 

Wie habt ihr euch kennengelernt und ineinander verliebt?
Joey: Roddy spielte eine Show mit einer seiner Bands (Nastie Band), an diesem Tag haben wir uns getroffen. Es war eine lockere Freundschaft. Ich war gerade dabei, meine Mutter an Krebs zu verlieren und Roddy hatte bereits vor einigen Jahren seinen Vater an Krebs verloren, er war sehr unterstützend.
Ich zog nach Georgia, um mich um meine Mutter in ihrer letzten Lebensphase zu kümmern und wir beide blieben in Kontakt. Ich wusste schon früh, dass wir etwas Besonderes hatten, aber ironischerweise war es die Entfernung, die mich dazu brachte, mich wirklich in ihn zu verlieben. 

Zu welchem Zeitpunkt wusstet ihr, dass ihr zusammen Musik machen wollt?
Roddy: Als das Virus ausbrach, fuhren wir quer durchs Land und es war klar, dass wir eine Menge Zeit in Quarantäne verbringen würden. Wir sind beide sehr kreative Menschen und wir sprachen darüber, den Fluch der Isolation in eine Chance zu verwandeln. Wir hatten vorher noch nie zusammen Musik gemacht. Joey hatte seine Gitarre dabei und wir hatten ein Klavier an dem Ort, an dem wir in Quarantäne waren. Wir kauften ein paar Mikrofone und legten einfach los.

Wie ist es, ein Paar und gleichzeitig eine Band zu sein?
Joey: Wir sind immer noch dabei herauszufinden, wie das geht. Als wir anfingen, zusammen Musik zu machen, war das wie ein Studium für unsere Beziehung. Wir haben dabei viel übereinander gelernt – wie jeder von uns gerne kommuniziert, Feedback annimmt und wie unser kreativer Prozess aussieht. Es ist eine wirklich verletzliche Sache, nicht nur Musikideen auszutauschen, sondern auch zum ersten Mal miteinander zu singen. Aber diese Szenarien haben ein größeres Band zwischen uns geschaffen, das wir sonst vielleicht nicht geteilt hätten. 

Man on Man Interview

Welcher Song auf eurem Album ist euer Lieblingssong und warum?
Joey: Das Ende von „1983“, der Synthesizer darin ist unwirklich.  Es bringt mich dazu, meinen Kopf durch eine Wand zu schlagen (auf eine gute Art). Es gibt nichts, was wie dieser Song klingt und selbst wenn man Inspirationen aus anderer Musik erkennen kann, fühlt sich der Song als Ganzes so frisch und neu für mich an. Aber ich liebe auch „Please Be Friends“, weil es Roddys lyrisches Genie zur Schau stellt. Es ist schwer, sich für einen zu entscheiden!

Ihr zeigt viel Nacktheit und Intimität in euren Videos.
Roddy: Körperteile, Zuneigung, Liebe und die Schönheit des menschlichen Körpers fühlen sich zu sehr erforscht an, ehrlich gesagt. Wir sehen das sehr oft in Form von frisierten und hübschen Model-Menschen, also in Darstellungen von 'Perfektion'. Was in der Welt ständig fehlt, ist die Darstellung der Vielfalt von Körpertypen. Wir passen nicht in die Vorstellung der Welt von 'perfekter Schönheit'. Wir haben immer versucht, zu zeigen, wer wir sind und wie wir aussehen, in der Hoffnung, eine allgemeine Akzeptanz der Vielfalt zu fördern.

Joey: Es fühlt sich für uns ganz normal an, unseren Körper oder queere Intimität in unser Projekt einzubauen - unsere Visuals und Texte haben den gleichen Inhalt. Es würde sich komisch anfühlen, Texte zu haben, in denen es darum geht, jemandem einen zu blasen, ohne dass unsere Videos diese Idee auf irgendeine Weise teilen. Und wir mögen die Vorstellung, dass wir die Leute wütend oder verärgert machen, wenn sie sehen, was wir in unseren Videos oder Fotos tun. 

Die Band Man on Man und Nackheit

Die LGBTI*-Community bekommt eine Menge Hass von außerhalb der Community. Was denkst du über das Verhalten innerhalb der Community?
Joey: Jede Art von Scham ist eklig. Es ist auch wirklich veraltet und langweilig. Ich finde, dass die jüngere Generation von queeren Menschen viel inklusiver ist, nicht nur in ihren sozialen Kreisen, sondern auch in ihren sexuellen Vorlieben. Ich denke, jede Art von Beschämung kommt von einem verletzten Ort und einer Besessenheit von sich selbst.

Was liebst du am meisten an der LGBTI*-Community?
Roddy: Ich liebe es, dass wir eine gemeinsame Basis von Verletzlichkeit und Selbstakzeptanz teilen. Wir alle haben die Hasser und die Bigotterie der Homophobie und die Urteile derer, die uns nicht verstehen, überwunden. Ich liebe es, dass wir alle Überlebende sind.

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