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Leserumfrage // © Finn Hafemann

Leserumfrage Mit dir für immer und ewig!

vvg - 14.06.2021 - 09:00 Uhr

Wir haben uns 1994 kennengelernt. Armin arbeitete bei SCHWIPS, dem Spezial-Pflegedienst für schwule Männer. Gerd betreute seinen Freund Paul, der an AIDS erkrankt war. Wir hatten erst nur lockeren Kontakt und haben uns etwa ein viertel Jahr nachdem Paul verstorben war, näher kennengelernt und ineinander verliebt. Wir wurden ein Paar, hatten aber eine Wochenendbeziehung. Armin wohnte in Köln und Gerd im Bergischen Land. Nachdem Gerd einen Heiratsantrag gemacht hatte, haben wir uns 2006 verpartnert und sind schließlich 2011 in Nümbrecht zusammengezogen.

2017 gab es eine heftige Krise, die zur Scheidung führte. Wir wohnten weiter zusammen solange unser gemeinsamer Hund lebte. 2018 hat Armin sich eine eigene Wohnung gesucht. Einen Tag bevor der Umzugswagen kommen sollte und die letzten Kisten gepackt waren, wurde Armin bewusst, dass er dabei war, einen großen Fehler zu begehen. Er saß mit Tränen im Umzugschaos als Gerd kam und sagte: „Du kannst jederzeit wiederkommen“. Dieser Satz war der Schlüssel, der Armin zeigte, wie groß Gerds Liebe war und er beschloss, nicht wegzugehen. Der Umzug wurde abgesagt, die neue Wohnung gekündigt. Die Beziehung bekam eine neue Chance. Diese haben wir genutzt und 2019 „richtig“ geheiratet – mit der Gewissheit, es nicht mehr rückgängig zu machen. Diesmal kam der Heiratsantrag von Armin.

Wir vertrauen einander, haben viele gleiche Interessen, leben gemeinsam, nicht nebeneinander und haben gelernt, uns zusammen zu raufen, auch und gerade, wenn wir mal nicht einer Meinung sind. Wir wissen jetzt, dass wir Probleme ansprechen müssen, auch wenn wir nicht sonderlich konfliktfreudig, stattdessen eher harmoniebedürftig sind. Das war sicher ein Hauptgrund, warum unsere Beziehung diesen Break gebraucht hat.
Armin und Gerd, Nümbrecht – 26 Jahre zusammen
 

Armin und Gerd // © vvg

Wir haben uns auf der Musical-Schule in Hamburg kennengelernt. Arne ist zwar fünf Jahre jünger, war aber einen Studiengang höher, weil Ralf noch eine kaufmännische Ausbildung zur „Sicherheit“ absolvierte. Anfangs fanden sie einander gar nicht so toll, Arne beobachtete Ralf beim Vorsprechen und dachte: „Was ist das denn für einer in seinem Bademantel.“ Ralf ging es ähnlich. Er schaute eher bewundernd zum höheren Jahrgang, Arne hatte gerade eine Haarmodenschau mitgemacht und trug nun kupferfarbene Haare. Aber irgendetwas war schon da, dass man sich noch heute daran erinnert. Arnes Ex-Freundin machte sich an Ralf heran, im Glauben er sei hetero und Arne bekam die Infos nun aus erster Hand. Die Freundin warnte Ralf noch: „Sei vorsichtig, hier werden ganz viele rumgedreht.“ Aber bei Ralf musste man nichts mehr „rumdrehen“.

Das erste Zusammentreffen war auf der Reeperbahn im Schmidts-Tivoli. Es gab eine Sondervorstellung von „Fifty-Fifty“ und von den Mitstudenten waren nur wenige, vor allem aber Arne und Ralf an der Vorstellung interessiert. In den Pausen haben beide gequatscht und sind noch in Angies Nightclub gegangen, wo man sich körperlich ein wenig angenähert hat. Über das Schulsekretariat besorgte sich Arne Ralfs Telefonnummer und „…am 26. 11. 1994 haben sich dann zum ersten Mal unsere Genitalien berührt.“

An diesem bedeutsamen Datum haben wir uns 2005 verpartnert und 2018 „richtig“ geheiratet.

Wichtig an unserer Partnerschaft ist viel Humor, Lachen und Verständnis für den anderen und „wir haben uns nie die Wahrheit erspart“. 2015 gab es eine große Veränderung, seitdem leiten beide gemeinsam das „SCALA-Theater“. Sie leben nun nicht nur zusammen, sie können auch gut gemeinsam arbeiten.
Arne und Ralf, Köln – 27 Jahre zusammen
 

Arne und Ralf // © vvg

Kennengelernt haben wir uns vor 19 Jahren. Es war im Pink Triangle, Britta weinte wegen ihrer Trennung. Sie hatte aber um Mitternacht Geburtstag und da haben wir den Laden erst einmal gut abgerockt. Dort haben wir unsere Telefonnummern getauscht und ausgemacht, beim nächsten Mal gehen wir zusammen aus: „Mal gucken, wer so guckt.“. Wenn man zu zweit ausgeht, ist es leichter, jemanden zu finden. Aber nach vier Wochen musste Bettina nicht mehr gucken, denn sie hatte sich in Britta verguckt. Aber Britta war noch nicht bereit, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Sie sind jedes Wochenende als allerbeste Freundinnen ausgegangen und Bettina wurde für Britta zum wichtigsten Menschen, allerdings ohne erotische Komponente.

Bettina lud Britta Wochen später zum Essen ein, um klar Schiff zu machen, aber Britta war nicht verliebt. So musste sich Bettina wieder „entlieben“ und hat sich sehr rar gemacht.

Dann hatte Bettina Karten für die Festspiele in Salzburg und lud Britta ein, mitzukommen. In Salzburg verliebte sich nun Britta in Bettina, die ihrerseits aber die Liebe in sich verdrängt hatte. Es hat noch Wochen gedauert, bis sie sich schließlich im Corner morgens um 5 Uhr geküsst haben. Nach einem Jahr zogen sie zusammen und ein weiteres Jahr später haben sie sich am 5.5.2005 verpartnert, genau 13 Jahre später hat sich diese Partnerschaft in eine Ehe umgewandelt. Sie sagen: Unsere Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass wir so unterschiedlich sind. Deshalb „knallt“ es häufig, aber es war noch nie langweilig. Wir können gemeinsam Lachen, vertrauen uns bedingungslos und es gibt noch immer diesen Kick von Erotik. Wir möchten zusammen sein: „…für bis immer!“
Britta und Bettina, Köln – 19 Jahre zusammen­­
 

Britta und Bettina // © vvg

Seit 30. April sind wir 30 Jahre zusammen. Kennengelernt haben wir uns im Dienst. Reinhard war Zeitsoldat in Münster und Georg absolvierte seinen Grundwehrdienst. Da haben wir uns erstmals gesehen, aber keiner wusste es vom anderen. In einer schwulen Disco in Münster haben wir uns wiedergesehen und seitdem sind wir zusammen. Georg hatte seine Zeit bei der Bundeswehr absolviert und Reinhard begann sein Studium in Darmstadt. So führten wir drei Jahre eine Fernbeziehung. Georg war für Reinhard der erste Mann, davor gab es Beziehungen mit Frauen, aber irgendetwas fehlte. 1994 wurde Reinhard nach Köln versetzt und Georg ging nach Beendigung seines Referendariats als Jurist nach Düsseldorf zur Bundeswehr und später auch nach Köln. Erst wohnten wir gemeinsam in Lindenthal bis wir ein Haus bauen wollten und so nach Frechen kamen. 2003 haben wir uns verpartnert und 2017 in einer Doppelhochzeit mit einem Freundespaar ­geheiratet.

Das Geheimnis, dass wir 30 Jahre zusammen sind, liegt wohl im Kölschen Grundsatz „Leben und leben lassen.“ Man sollte neben aller Gemeinsamkeit nicht vergessen, dass jeder ein Individuum ist, ein eigenes Leben hat, eigene Freunde und Hobbys haben kann, seine Meinung und Spleens haben darf. Die Kunst ist, den anderen zu akzeptieren wie er ist. Man muss in einer langjährigen Beziehung nicht symbiotisch verwachsen, sondern sollte persönliche Vorlieben und Freiheiten weiter pflegen dürfen. So haben wir neben unseren gemeinsamen Hobbys: Haus, Hunde und Sport noch sehr verschiedene Interessen. Reinhard ist aktiv im Fetischbereich, war 2018 sogar Mr. Fetisch NRW. Georg ist dafür im Dackelclub und beide Vereine sind dabei gar nicht so verschieden (lacht).
Georg und Reinhard, Frechen – 30 Jahre zusammen
 

Georg und Reinhard // © vvg

Wir haben uns in Holland auf einem schwulen Sommercamp kennengelernt, da war jedoch jeder von uns mit seinem Partner. Wahrscheinlich war in unser beider Beziehung schon der Wurm drin. Wir haben uns jedenfalls bewusst wahrgenommen. Rainer lebte damals in Aachen und Roland am Niederrhein. Es ergab sich, dass zwei Kölner Freunde einen Katzensitter brauchten. Roland sprang ein und verbrachte ein Wochenende in Köln und just an diesem Wochenende war auch Rainer mit seinem Freund hier und Roland lud beide spontan zum Übernachten in die „fremde“ Wohnung ein. So hat sich der Kontakt gefestigt.

Es gab damals die legendäre Königsburg in Krefeld und Hildegard Knef gab sich die Ehre. Roland lud mit seinem Freund die beiden ein, auch zum Übernachten. Dazu ergab es sich, dass Rainer und Roland am Folgetag Urlaub nehmen konnten, die Partner aber nicht. So wurden am 21. Januar 1991 zwei Beziehungen aufgelöst und eine neue begründet

Ein Jahr lebten wir gemeinsam am Niederrhein, da wir aber jedes Wochenende nach Köln fuhren und im SCHULZ auf den Partys waren, beschlossen wir nach Köln zu ziehen. Hier wurden wir Mitglieder bei den „Rosa Funken“ und Rainer machte auch noch bei den „Pink Poms“ mit, deren Trainer er sieben Jahre lang war.

Wir planten auch von Beginn an zu heiraten, wenn es für gleichgeschlechtliche Paare auch „Heiraten“ heißt. Wir haben uns aber am 16.10.2016 doch verpartnert, weil eine akute Erkrankung von Roland deutlich machte, dass es uns wichtig war, dem Partner die Grundrechte einer Ehe zu sichern. Wir haben diese Verpartnerung aber bisher nicht umschreiben lassen.

Vertrauen hat in unserer Beziehung die höchste Priorität.
Rainer und Roland, Köln – 30 Jahre zusammen
 

Rainer und Roland // © vvg

Wir haben uns am 1. April 1972 auf dem Kölner Hauptbahnhof getroffen, der damals eine Cruising-Area war. Werner lebte in Bonn, hatte einen Shopping-Samstag in Köln hinter sich und wollte zurück als ihm Wilfried auffiel, der durch die Bahnhofsvorhalle flanierte. Irgendwann fasste sich Werner ein Herz und fragte Wilfried, ob er ein Lokal in der Nähe kennen würde. Wilfried sagte: „Wenn Ihnen ein Butterbrot bei mir reicht …“. Wir sind in Wilfrieds Wohnung gefahren und am nächsten Tag fuhr Wilfried Werner noch nach Bonn. Danach haben wir uns regelmäßig getroffen und im Juni sind wir zusammengezogen.

Wilfried war zu der Zeit „lockerer Single“, da sein vorheriger Freund beruflich nach Stuttgart gezogen war. Werner war verheiratet, hat zwei Söhne, lebte aber schon in Scheidung als er Wilfried traf. Sobald die Möglichkeit bestand, unsere Beziehung auf dem Amt zu bestätigen, haben wir uns verpartnert. Wir gehörten zu den ersten in Köln und 2017 haben wir auch geheiratet.

Für eine Beziehung ist sicher der wichtigste Punkt die Liebe. Wir haben aber auch gleiche Interessen wie Kunst, Kultur, Musik und Reisen, vor allem in südliche europäische und arabische Länder. Vertrauen ist in unserer Beziehung sehr wichtig. Schon in den ersten Monaten unserer Beziehung merkten wir, dass wir uns 100 Prozent aufeinander verlassen konnten. Wir streiten auch, aber meist nur über Kleinigkeiten, die unsere Beziehung nicht betreffen.

Wir hatten sicher auch Glück, hatten nie allzu große finanzielle Sorgen, sichere Jobs und haben unser Geld von Beginn an zusammengelegt.

Für die Zukunft wünschen wir uns noch schöne gemeinsame Jahre, wobei natürlich die Gesundheit der wichtigste Faktor dabei ist.
Werner und Wilfried, Köln - 49 Jahre zusammen

Werner und Wilfried // © vvg

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