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Leserumfrage // © ljubaphoto

Leserumfrage Ein außergewöhnliches Erlebnis …

vvg - 05.12.2020 - 10:00 Uhr

… war eine Studienreise in Indien. Jeden Tag reisten wir in eine andere Region. Da die Ziele weit auseinanderlagen, nutzten wir den Flieger. In Udaipur sahen wir uns den City Palace an und fuhren auf dem Pichhola-See zum Taj Lake Palace Hotel, in dem auch James Bond in „Octopussy“ schon übernachtete. Weiter ging es in die Stadt Jaipur, die aufgrund der Farbe seiner wichtigsten Altstadtbauten auch „rosarote Stadt“ genannt wird. In Indien gilt die Farbe Rosa als gastfreundlich. Der Palast der Winde ist eine Fassade, aus deren vergitterten Fenstern früher die Haremsdamen, geschützt vor neugierigen Blicken, den Festzügen und Feierlichkeiten zusahen. In Varanasi, der heiligen Stadt, fuhren wir vor Sonnenaufgang mit einem Ruderboot auf dem Ganges und ließen kleine Papierboote mit Blumen und Kerzen auf dem Wasser treiben, bevor die Sonne die farbenfrohe Kulisse in sanftes Licht tauchte. Höhepunkt der Reise war der Besuch in Agra und dem Taj Mahal: ein mit weißem Marmor verkleidetes Mausoleum, besetzt mit Halbedelsteinen. Das Gebäude zählt zu den schönsten Gebäuden der Welt und ist eines der neuen Sieben Weltwunder.
Letztes Ziel der Reise war Mumbai. Dort besuchten wir die Insel Elephanta in deren historischen Höhlen die Göttin „Shiva“ verehrt wird.

Der Gänsehautmoment war am letzten Abend auf der Dachterrasse des Hotels: 28 Grad am Pool mit Cocktail und Blick über das Lichtermeer. Der Reiseleiter ließ alle Stationen noch einmal Revue passieren und schloss mit den Worten: „Wir sind jetzt einige Tage miteinander gereist und nun heißt es, Abschied zu nehmen. Wir werden uns vielleicht nie wiedersehen, außer in unseren Träumen. Diese lassen uns erinnern – als würde man eine getrocknete Rose in einem längst vergessenen Buch finden.“
Edwin aus Würzburg

 

Edwin // © vvg

… hatte ich vor circa 3 Jahren, im Oktober 2017. Da war ich in Essen Frohnhausen auf einer „Borderline"-Party. Durch die befreundete D-Jane "The Electric Taste" hörte ich von dem Event. Sie lud mich und meinen damaligen Freund ein und setzte uns auf die Gästeliste. Die Party war für mich offen gestanden etwas ungewöhnlich und darum einmalig, denn für diese Partyreihe hatte man sich als Location eine Kirche ausgesucht. Der Innenraum dieser Kirche bot Bänke zum Sitzen, eine kleinere und eine größere Tanzfläche, die allerdings hinter einem Vorhang abgetrennt lag. Künstliche Nebelschwaden, die mit Lichteffekten bunt beleuchtet wurden und Technomusik, zu welchem ein durchgängig männliches Publikum von 20-30-jährigen mehr oder weniger ekstatisch tanzte, boten einen stimmungsvollen Anblick. Am Altar prangte in leuchtender Neonfarbe „Gay“und junge Boys mit schönen Bodies und knappen Outfits standen an der Bar und kredenzten die bestellten Getränke. Dazu gab es immer wieder Gratisshots: kleine Getränke, regenbogenfarben serviert. Die Stimmung war ausgelassen. Natürlich gab es auch einige Gäste, die neben dem Tanzen auch schon das Flirten überschritten hatten und auf dem Weg waren, sich besser kennenzulernen. Alles in allem hat mir dieser Abend sehr gut gefallen. Leider konnte ich eine Fortsetzungsparty nicht besuchen, da mich andere Termine daran hinderten. Mittlerweile ist die Kirche umgebaut, teilweise auch zu Wohnungen. Dass allerdings eine Gay-Party in einem ehemaligen Gotteshaus stattfand und man sich dort nach Lust und Laune frei fühlen konnte, hat mich nicht nur gefreut, sondern auch überrascht und verwundert.
Julian aus Mülheim / Ruhr

 

Julian // © vvg

… hatte ich mit meinem damaligen Freund. Ich war damals 15 und er ein Jahr älter. Wir waren beide schon geoutet und nach kurzer Zeit direkt ineinander verliebt. Er war meine erste große Liebe und ist auch relativ schnell zu mir in mein Elternhaus gezogen, wo er direkt als mein Freund akzeptiert wurde. Das lief zwei Jahre lang hervorragend, bis er mir eines Tages gestand, dass er lieber eine Frau sein wollte. Er fühlte sich mit einer weiblichen Identität wohler und hatte wohl schon seit längerer Zeit gemerkt, dass er sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlte.

Das war anfangs ein Schock, völlig ungewohnt und gewöhnungsbedürftig für mich – schließlich stand ich ja auf Männer. Aber der Mensch blieb ja eigentlich derselbe und den liebte ich ja. Wir haben unsere Beziehung dann noch drei Jahre weitergeführt und ich habe diese Person auf ihrem Weg sozusagen begleitet. Zuerst kam die psychologische Betreuung, dann folgten Hormontherapien und im Juni dieses Jahres dann auch die geschlechtsangleichende Operation. Das war auch der Monat, in dem wir uns dann einvernehmlich getrennt haben. Sie ist jetzt die Person, die sie sein wollte, und wir können nun getrennt voneinander unsere Wege gehen. Wir sind aber weiterhin befreundet, sehen uns und telefonieren regelmäßig und vermissen uns auf menschlicher Seite. Sie ist mir nach wie vor sehr nahe. Ich habe letztendlich einen mir wichtigen Partner verloren, dadurch aber eine beste Freundin gewonnen. Ich glaube, ich habe da sehr souverän und vorbildlich gehandelt. Es geht schließlich um den Menschen und der Mensch ist mir wichtig.
Julius aus Koblenz

 

Julius // © vvg

… waren das Fotoshooting und die Auswahl als Modell für den Puppy-Kalender 2021. Ich bin sehr stolz darauf, einer der Puppys zu sein, der im ersten Kalender zu sehen ist. Es hat tierisch viel Spaß gemacht.

Anfangs hatte ich mich fetischmäßig sehr für Bondage interessiert, bin aber dadurch im Internet auf die Puppy-Szene aufmerksam geworden. Beim Berliner Motzstrassenfest 2018 habe ich mich dann der Puppyszene angeschlossen. Pup Artas ist ein freier, wildlebender Streuner und Puppy und mein Fantasyname. In einem Fetischladen habe ich eine Puppymaske in meiner Lieblingsfarbe Gelb entdeckt und über die Jahre habe ich mein Equipment dementsprechend erweitert. Seit drei Jahren bin ich nun dabei und ich muss leider diejenigen enttäuschen, die hinter der Farbe Gelb noch etwas anderes vermuten. Ich verfolge mit meiner Lieblingsfarbe nicht den Code, der dahinterstehen könnte.

Für den Kalender habe ich mich nicht beworben, sondern wurde darauf angesprochen. Vielleicht spielte die Sympathie eine Rolle, aber vielleicht war es auch, weil ich nicht aus der Puppy-Hochburg Köln komme, sondern aus einer Kleinstadt in Thüringen. Ich war so begeistert von dieser Idee. Der Ort für die Fotos sollte meinem Puppytyp entsprechen, also dem Streuner oder Tramp. So fand das Fotoshooting an einem sehr heißen Tag allein mit dem Fotografen auf einem Wertstoffhof (normalerweise würde man Schrottplatz sagen) statt. Das Shooting selbst dauerte sechs Stunden und es sind wirklich nur sehr tolle Fotos entstanden. Meine Sportlichkeit kam mir dabei zu Gute. Ich bin noch Single und vielleicht finde ich über dieses Kalenderprojekt ja auch den Mann fürs Leben.
Pup Artas, Thüringen

 

Pup Artas // © vvg

…hatte ich vor knapp vier Jahren an meinem 34. Geburtstag. Wir saßen bei Kaffee und Kuchen mit der Familie zusammen, meiner damaligen Freundin und ihrer Schwester ging es schlecht. Beide stammen aus Georgien und ihre Schwester hatte sich gerade von ihrem ebenfalls georgischen Freund getrennt. Sie erzählte dann, dass ihr Ex ihr nachstellte und sie auch schon gezwungen hatte, gegen ihren Willen in sein Auto zu steigen. Meine Freundin reagierte sofort und wir beschlossen, alle Sachen der Schwester aus ihrer Wohnung zu holen und sie woanders unterzubringen. Logischerweise trafen wir ihren Ex in der Wohnung, wobei es zu einer heftigen Auseinandersetzung kam. Leider verstand ich kein Wort, da ich kein Georgisch verstehe. Ich beendete das Streitgespräch und wir gingen zu dritt zum Auto, um nach Hause zu fahren. Der Ex entfernte sich in die entgegengesetzte Richtung. Auf der Landstraße tauchte plötzlich aus dem Nichts ein Transporter auf, der uns in James-Bond-Manier von hinten rammte. Wir waren total erschrocken, die Frauen schrien und ich gab Gas. Beim zweiten Auffahren brach mein Auto aus, ich konnte es gerade noch abfangen. In Todesangst entschloss ich mich, spontan an die Seite zu fahren und eine Vollbremsung zu machen. Davon überrascht streifte der Transporter nur noch die Fahrerseite. Wir sprangen aus dem Auto und versteckten uns auf der gegenüberliegenden Seite in der Dunkelheit im Gebüsch. Die gerufene Polizei erschien nach einer gefühlten Ewigkeit und wir mussten alle drei mit Schock ins Krankenhaus. Die Schwestern wurden sogar unter Polizeischutz gestellt. Nach dem Ex wurde gefahndet und er flüchtete wohl noch in derselben Nacht nach Polen. Bei seiner Wiedereinreise konnte er gefasst werden und sitzt nun seine Haftstrafe ab.
Sebastian aus Aachen

Sebastian // © vvg

Am Anfang meiner Pubertät merkte ich, dass ich auf Männer stand. Eingestanden habe ich mir das selbst aber erst mit 19 Jahren. Bis dahin war ich in meiner eigenen Welt und, dem Internet sei Dank, konnte ich mich mit Filmchen weiterbilden. Bei meiner ersten Beziehung zu einem Typen ging die Initiative meist von ihm aus. Er besaß zwei Hunde, einen Malamut und einen Australien Shepard. Als er einmal außerhalb der Stadt zu tun hatte, bat er mich, eine Weile auf die Hunde aufzupassen und seine Wohnung zu hüten. Dorthin hatte ich dann meine Schwester und ihre beste Freundin eingeladen. An seiner Wand hingen ein paar Bilder, die sehr eindeutig waren. Dazu kam, dass der Freund der Freundin meinen damaligen Freund kannte und es so nicht lange dauerte, bis von meiner Schwester neugierige Fragen kamen wie: „Wieso bist du bei dem?“ und „Weißt du, dass er schwul ist?". Als ich das bejahte, fragte sie, ob ich bei ihm auf dem Sofa schlafen würde. „Ich schlafe bei ihm im Bett, denn anders wäre ja auch Sex nur schwer möglich.“ – Das war mein Outing vor meiner Schwester.

Als es ihr einmal nach einer durchzechten Nacht richtig übel ging, saßen meine Mutter und ich an ihrem Bett, um sie zu pflegen. Sie war aber schlecht drauf und sagte zu meiner Mutter, sie solle sich mal um Familienmitglieder kümmern, die wirkliche Probleme hätten, wobei sie auf mich deutete. Meine Mutter überlegte kurz und sagte, sie hätte längst bemerkt, dass ich auf Jungs stehe. So hat meine Mutter mir mein Outing vorweggenommen. Mein Vater und mein älterer Bruder sind allerdings bis heute in Unkenntnis, den beiden hat auch meine Mutter nichts verraten.
Thomas aus Würzburg

 

Thomas // © vvg

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