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Leserumfrage // © Cecilie_Arcurs

Leserumfrage Mit einem wahren Freund geht man durch dick und dünn – er ist Teil der Familie!

vvg - 20.12.2021 - 09:00 Uhr

Ich bin glücklich, sagen zu können, einen allerbesten Freund zu haben. Ich kenne meinen besten Freund seit ungefähr 38 Jahren. Hilfe, klingt das heftig! Schon als ich ihn das erste Mal sah, wusste ich gleich: Der ist was ganz Besonderes. Er heißt Rolf und war früher mein Chef in der Lebenshilfe in Trier. Wir haben gemerkt, dass wir vieles gemeinsam haben und vor allem wahnsinnig gerne lachen und gerne gedanklich zu den Sternen fliegen. Leider sehen wir uns viel zu wenig. Wir wohnen etwa 200 km voneinander entfernt. Ich habe ja einen ziemlich asozialen Beruf, weil ich meist arbeite, wenn andere frei haben und außerdem gibt es noch meine Kleinfamilie mit Kindern am Start. Das bremst mich in meiner Spontaneität und ich bin leider ziemlich durchgeplant. Aber Rolf hat mir nie einen Vorwurf draus gemacht und wir stehen in ständigem Kontakt. Was wir gemeinsam unternehmen, hat auf jeden Fall mit Fußball zu tun und die Welt neu zu ordnen. Meinen besten Freund zeichnet Humor, Herz, Geist, Sinn und Unsinn aus – er schießt beidfüßig. Vor allem aber kann er tierisch gut zuhören und bringt die Dinge bei mir immer auf den Punkt. Ansonsten macht es einfach Freude, Zeit mit ihm zu verbringen, weil er so herrlich „nicht von der Stange“ ist. Wir sind rund um die Uhr füreinander da, lassen uns aber gegenseitig laufen. Wir mögen aneinander, dass es immer schön und anregend ist und wir natürlich extrem wohlriechende Exemplare der Gattung Homo Sapiens sind. Außerdem lernen wir voneinander, wie man in der Vierer-Abwehrkette verschiebt!

Wir sind uns schon nah – wenn’s noch näher wäre, hätte ich Angst, dass einer von uns schwanger wird. Ich bin wahnsinnig froh, dass es ihn gibt!
Guildo Horn

 

Guildo Horn // © vvg

Meinen besten Freund Tilo habe ich vor 25 Jahren bei Proben am Theater Basel kennengelernt, wo wir beide als Schauspieler engagiert waren. Am Anfang haben wir etwas gefremdelt, wir sind völlig unterschiedlich, haben aber bald festgestellt, dass wir die gleiche Leidenschaft für Musik teilen. Nach einer Kneipentour landeten wir bei ihm zu Hause am Klavier und das Eis war gebrochen. Wir sehen uns leider viel zu selten, aber videotelefonieren öfter. In den letzten Jahren hat Tilo oft und erfolgreich Regie geführt und mich besetzt, da muss man in beide Richtungen kritikfähig sein. Das Erstaunliche ist, dass wir uns seit jeher sagen können, was uns am anderen nervt, ohne dass die Freundschaft darunter leidet. Keiner von uns ist dem anderen gegenüber nachtragend. Tilo schafft es, mich zum Nachdenken zu bringen, ich schaffe es, ihn zum Lachen zu bringen. Unsere Ehefrauen frotzeln manchmal, dass wir zwei eigentlich verheiratet sind, wenn wir mal wieder aneinander herumsticheln, da fällt dann gerne der berühmte Satz: „Ihr seid wie ein altes Ehepaar“. Da wir beide Schauspieler sind, sind wir eher körperliche Menschen und gerne auch hemmungslos, miteinander haben wir in dieser Hinsicht keine Grenzen, wobei wir uns königlich amüsieren – auch ohne Theaterkantinenpublikum. Ich glaube, dass wir beide bei Problemen eher eigenbrötlerisch sind, wenn ich aber außerhalb meiner Familie etwas lösen müsste, wäre Tilo mein Ansprechpartner, was ihn auch gleichzeitig wieder zu einem Familienmitglied macht. Wenn ich lange nichts von ihm gehört habe, steigt in mir die Sehnsucht. Dann sehen wir uns dank der heutigen Technologie per Smartphone und auch wenn es nicht wirklich etwas zu besprechen gibt, bin ich danach immer froh, dass er in meinem Leben ist.
Hanno Friedrichs

 

Hanno Friedrichs // © vvg

Meinen besten Freund Günther, der mich seit vielen Jahren auf meinen Touren begleitet, mich fährt und Merchandising für mich macht und betreibt, kenne ich aus meiner Gymnasialzeit und das schon seit über 60 Jahren. Wir haben als junge Männer schon zusammengewohnt und waren oft zusammen auf Männerurlaub in Italien. Ich schätze Günther, weil er ein wahnsinnig belesener und kluger Kopf ist. Wir haben als Jugendliche zusammen mit anderen jungen Männern eine literarische Gruppe gegründet, die sich „Die Menge“ nannte. Wir haben uns unsere Werke bei viel Bier in der Kneipe vorgetragen oder waren zusammen unterwegs und haben spontane Theaterstücke aufgeführt. Was Günther auszeichnet, ist zum einen seine herausragende Belesenheit und zum anderen, dass ich mit ihm sehr lange und interessante Gespräche führen kann. Er hat als Abiturient „Josef und seine Brüder“ von Thomas Mann gelesen – das haben kaum Germanisten gemacht – und in seiner Arbeit darüber eine "Eins" bekommen. Das muss man als 18-Jähriger erst einmal schaffen.

Wir sind uns in unseren utopischen Vorstellungen immer eins gewesen. Wir sind politisch einer Meinung, also wenn er Querdenker wäre, hätten wir beide ein Problem. Er schätzt meine Poesie und ich seine Bücher, die er bisher geschrieben hat. Uns verbindet Freud und Leid: So hatten wir vor kurzem unverschuldet einen lebensgefährlichen Unfall durch einen plötzlich ausscherenden LKW. Wir können glücklich sein, dass wir das überstanden haben. Auch so etwas verbindet.

Eine gute Freundschaft ist wichtig. Ich glaube gerade unter Männern in dieser Gesellschaft ist es wichtig, sich immer mal wieder ganz offen und ehrlich auszutauschen. Wenn ich sehe, wie frei und offen meine Söhne aufgewachsen sind, so etwas mussten wir erst einmal lernen, denn wir wuchsen in einer Machogesellschaft auf.
Konstantin Wecker

 

Konstantin Wecker // © vvg

Ich habe zwei beste Freunde, meine Autorenkollegen Thomas und Dietmar. Wir haben uns vor über 25 Jahren in der Kabarett- und Comedy-Branche kennen gelernt und seitdem viel zusammengearbeitet. Wenn man seinen Beruf dann auch noch zum Hobby hat, sind die Grenzen fließend. Man tauscht sich über die Arbeit und über das Private aus, beides ist oft schwer zu trennen. Freunde sind wichtig, weil es ein tiefes seelisches Bedürfnis ist, Verbindungen mit anderen Menschen zu haben, die über „Hallo“ und „Tschüss“ hinausgehen. Unter Männern ist es ja so, dass man selten über Gefühle spricht. Besonders nahe sind Freunde dann in einer Krise: Als ich in einer schwierigen Phase steckte, ging es mir sofort besser, wenn ich mich mit den Beiden getroffen hatte. Ich merkte ihre Unterstützung und dass sie mit mir fühlten, einfach schon dadurch, dass sie eine Hand auf meine Schulter legten. Es ist ein Verständnis auf der Ebene, sich zu verstehen, ohne in die Problematik tief einzutauchen, sondern einfach positive Energien gemeinsam zu erleben. Die therapeutische Wirkung ist erwiesen.

Thomas und Dietmar brauche ich nur anzusehen, um zu wissen, dass bei denen der gleiche Film im Kopf abläuft. Da ist einfach wortloses Verstehen, besonders das intensive Humorverständnis. Wir lachen oft bis uns die Tränen kommen und das ist sehr befreiend. Das kann ich nicht mit vielen Menschen – meine Frau ausgenommen. Echte Tränen fließen aber kaum, das ist wohl unter Männern immer noch die große Hürde. Beim Thema Fußball vermeiden wir Streit, indem wir uns nach dem Duell unserer Lieblingsclubs drei Tage in Ruhe lassen. Vor kurzen traf ich meine beiden besten Schulfreunde, aber diese Freundschaft war und ist anders, denn es fehlt einfach die Humorebene.
Moritz Netenjakob
 

Moritz Netenjakob // © vvg

Baden und Monsour wusste, dass ich auf die Schauspielschule wollte. Eigentlich wollte ich nach München, fand dort aber kein Zimmer. Monsour riet mir, nach Hamburg zu gehen, da hätte sein Bruder in der WG ein Zimmer frei und ich hätte direkt eine Anlaufstation.

Pascal ist 12 Jahre älter und Psychologe. Wir haben uns sofort gut verstanden, es war so ein Grundverständnis vorhanden und wir hatten gemeinsame Interessen. Die Psychologie ist für Schauspieler für die Rollen- und Charakteranalysen sehr wichtig. Nebenbei kannte er sich in vielen anderen Sachen aus, unter anderem mit dem Buddhismus. Ich habe gerade meine erste Filmregie abgeliefert, einen Film, der in einem Kloster in Tibet gedreht wurde. Pascal hat also Interesse in mir geweckt und wachgerüttelt.

Wir sehen uns – beruflich bedingt – nicht oft, aber das hält unsere Freundschaft aus. Eigentlich wollten wir wieder eine Hamburger WG führen, aber das scheiterte am Unwillen des Vermieters.

Eine Freundschaft braucht Verständnis und dass man nie etwas persönlich nimmt, dass man sich gegenseitig stützt, auffängt, gemeinsam viel unternimmt, zusammen feiert, lacht, aber auch streiten oder traurig sein kann.

Freundschaft ist ein WIR und kein ICH. Freundschaft ist wie ein Baum: Wenn man den pflanzt, muss er erst von der Erde angenommen werden, damit sich die Wurzeln ausbreiten können. Er muss wachsen, gegossen werden. Er braucht frische Luft, die Sonne, den Regen, den Boden und den Wechsel der Jahreszeiten. Das braucht Zeit. Wenn er dann fest verankert ist, kann er allen Stürmen trotzen. Dann kann man(n) von richtiger Freundschaft sprechen.
Ralf Bauer

 

Ralf Bauer // © vvg

Als ich vor circa 22 Jahren nach Köln kam – es war CSD und die Demo rollte durch die Stadt – lernte ich den Wagenengel Achim kennen, der mir spontan einen Drink anbot und mir kurz darauf auch seinen Freund Karim vorstellte. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und als die beiden erfuhren, dass ich gerade von München nach Köln ziehen wollte und auf Wohnungssuche war, reagierte Karim direkt. Er rief seine Mutter an und zack hatte ich eine Wohnung. Die beiden sind heute noch meine Freunde, bei denen fühle ich mich wohl.

Natürlich habe ich auch Freunde unter Hetero-Männern. Der Vorteil einer Männerfreundschaft zur Freundschaft mit Frauen ist, dass man sich unter Männern mehr dummes Zeug erlauben kann. Viele Freunde habe ich nicht, zum Glück, sonst wären es keine echten Freunde.

Meinen besten Freund habe ich witzigerweise am Pinkelbecken kennen gelernt. Wir kamen ins Gespräch und schlossen sofort Freundschaft. Spontan lieh ich ihm mein Auto, obwohl ich noch nicht mal seinen Namen wusste. Ich hatte einfach totales Vertrauen zu ihm. Er war in all den Jahren, die wir uns kennen, immer für mich da, selbst in der Zeit, als es mir nicht gut ging. Er ist da, wenn man ihn braucht und das geht so von beiden Seiten. Eine gute Freundschaft hat die Gewissheit, dass man sich jederzeit auf den Anderen verlassen kann. Egal wie oft man sich sieht. Freunde können sich auch streiten, aber immer mit Respekt. Mit einem Freund kann man lachen, aber man darf ihn nie auslachen.

Wenn es mir heute schlecht gehen würde, könnte ich eine Hand voll Freunde anrufen, die dann sofort für mich da wären. Und Achim und Karim gehören auf jeden Fall dazu.
Ralf Richter

 

Ralf Richter // © vvg

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