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Leserumfrage // © blackCAT

Leserumfrage Was ist deine Regenbogenfarbe?

vvg - 03.02.2020 - 10:00 Uhr

Wir gehören wohl zur schwarzen BDSM-Szene, obwohl unsere Masken aus Neopren auch farbig sein können. Wir unterscheiden uns aber vom Master und Sklaven, denn das ist Hardcore BDSM. Als Puppy wird man gestreichelt und bekommt Leckerlis, alles läuft verspielter ab. Grundlage ist letztendlich die Treue zum Herrchen; natürlich kann man bei Fehlern auch mal mit Bestrafung rechnen.               

Arif: Ich habe vor 6 Jahren angefangen, mich hat die Rolle fasziniert, dass man die Verantwortung jemand anderem überlässt. In der Rudelformation gibt es die Alphas, Betas, Omegas - und zuletzt - die Welpen; aber auch da gibt es eine Rangordnung. Für die, die das ausleben wollen, ist es wichtig, in welcher Stellung sie sich selber sehen: Welche Position wollen sie einnehmen? Wollen sie einem Herrchen gehören und die komplette Verantwortung abgeben, oder nicht? Ein Herrchen muss nicht unbedingt in einer Beziehung zu seinem Puppy stehen, er darf auch mehrere Puppys haben.

Robby: Ich bin erst seit ein paar Wochen dabei. Mich wunderte, wie groß die Puppy-Szene ist. Ich bin über Freunde auf Instagram dazu gestoßen und war neugierig. Was mich fasziniert hat, war die etwas kindliche Rolle, die man einnimmt. Dadurch konnte ich dem Entfliehen, was mich zu der Zeit runterzog. Ich fühle mich in der Szene wohl. Ob ich mir nun demnächst ein festes Herrchen suche, weiß ich noch nicht, ich genieße noch das Hineinschnuppern.

Arif: Als ich damals anfing, war das alles relativ neu. Ich bin durch die Community in England dazugekommen. Die Szene dort beinhaltet seit vielen Jahren Tausende von Mitgliedern. Das hat mich gereizt. Und wenn man die Entwicklung der letzten Zeit beobachtet, erkennt man deutlich, dass auch hier in Deutschland die Puppy-Szene ganz klar zunimmt.

Arif aus Frankfurt & Robby aus Duisburg

Aris & Robby // © vvg

Ich stehe auf  hell- und dunkelblau, bevorzuge aber die dunkelblaue Farbe. Ich mag das, was die Mehrheit der schwulen Männer bevorzugt. Mein Unterschied liegt darin, dass ich der aktive Teil bin, während die meisten Jungs den passiven Part mehr schätzen. Bei den wenigen Malen, wo ich selbst passiv bin, ist es entscheidend, dass ich dem richtigen Typen begegne. Männer die mich interessieren dürfen zwar gleichaltrig sein, tatsächlich stehe ich aber auf jüngere, schlanke, knackige Typen. Bis jetzt hatte ich immer Glück und konnte immer bei denen landen, die mir gefielen. Es gab zwar Ausnahmen, aber damit kann ich umgehen; man kann ja nicht Jedem gefallen. Man merkt beim ersten Aufeinandertreffen relativ schnell, wenn gegenseitiges Interesse besteht. Meistens erlebe ich das in der Sauna: Man schaut einen an, flirtet miteinander und wenn man merkt, dass der andere mehr möchte, spreche ich ihn direkt und offen an. Besteht kein Interesse, lass ich ihn in Ruhe. Ich rede auch immer Klartext, erkläre, dass ich der aktive Teil bin und frage, ob er Lust hat, mit mir in eine Kabine zu gehen. Ich muss aber auch zugeben, dass ich ein Wiederholungstäter bin: Es gibt viele Personen, mit denen ich mich immer wieder neu verabrede. Wenn man jemanden getroffen hat und weiß, dass man eine gute Zeit miteinander verbracht hat und weiß, dass es funktioniert, kann man die schönste Sache der Welt doch gerne wiederholen. Was mich allerdings oft überrascht: Die meisten Jungs sagen vorher immer, dass sie nur mit Kondom wollen. Sobald sie dann aber in der Kabine sind und es zur Tat geht, wollen sie, dass man das Kondom weglässt. Da kann sich innerhalb weniger Minuten schon eine Meinung grundlegend verändern.

Ingo aus Köln

Ingo // © vvg

Bei mir ist die grundlegende Farbe schwarz, als Navigationsfarbe kommt rot dazu. Ich stehe aber nur aktiv auf FF, auf passiv definitiv nicht! Ich hatte mich im Internet darüber informiert, weil ich ein aufgeschlossener Mensch bin und es mal austesten wollte. Verwundert hat mich diese Praktik nicht, sie gehört doch bei vielen zum schwulen Sex dazu. Ich habe zuerst Toys ausprobiert, um zu erfahren, was möglich ist. Dann kam ich über GR mit anderen in Kontakt, man tauschte sich aus. Ich bin also Autodidakt. Den ersten aktiven FF hatte ich vor 4-5 Jahren. Ich wusste, man braucht einen Partner, der sich entsprechend fallen lassen kann und Vertrauen und dass ich sehr sensibel daran gehen muss. Bei FF braucht man viel Zeit, ein Rein/Raus ist nicht angebracht und grundlegende Anatomiekenntnisse sind von Vorteil. Wir haben es mehrmals praktiziert und konnten jedes Mal die Intensität erhöhen, da wir uns und die Reaktionen des anderen besser einschätzen lernten. Als aktiver Part genieße ich die Lust des passiven Partners mit, denn ich kann sie steuern. Ich genieße auch Macht, mit ihm zu spielen. Ich selber brauche dabei nichts, es reicht mir völlig aus. Passiv habe ich noch keine Erfahrung, wenn der Richtige käme, würde ich es auch ausprobieren. Wichtig ist sehr viel Gleitgel. Ich bevorzuge J-Lub, ein Gel auf Wasserbasis, weil es Latex und Gummi nicht angreift. Ich trage Latexhandschuhe und achte darauf, dass die Fingernägel kurz geschnitten sind, denn das birgt eine Verletzungsgefahr bei Schleimhäuten. Entspannungsdrogen, wie z.B. Poppers sind für mich nicht nötig; ich bin kein Befürworter von Drogen beim Sex.

Jan aus Dresden

Jan // © vvg

Sneakers, Sox und Sportswear und alles was sich darum dreht, find ich cool. Den Proll also - die Klamotte, die man alltagstauglich nach außen tragen kann, ohne tatsächlich den Fetischstempel aufgedrückt zu bekommen und sich trotzdem gegenseitig erkennt. Es geht mit Blicken los, aber man kann es an den Soxx erkennen, an einschlägigen Marken, die man trägt. Der Fetisch wird unterschiedlich gelebt, für die einen ist es der optischer Reiz, andere bevorzugen den Geruch von getragenen Sneakers, Soxx oder Füßen, die dritten den Geruch von neuen Sneakers. In dieser Fetisch-Szene gibt es keinen Farbcode, wie man ihn kennt, was sicher daran liegt, das es erst in den 70/80er Jahren entstanden ist, als die Codes schon vergeben waren. Es gibt auch weder Flagge noch eine Misterwahl. Der Fetisch ist szeneübergreifend und wird von einem Bären ebenso getragen wie von Skins, Lederkerlen oder Puppys. Möglich wäre die Farbe Orange, die diese Spielarten einschließt. Die Sneakerszene hat eigene Partys, es gibt eigene Foren und das passiert wirklich alles übers Internet. Es ist wie eine kleine Familie, wo viele Aktionen und Treffen durchaus im privaten verborgen bleiben. Ich selbst bin dazu gekommen, weil ich es schon immer optisch reizvoll fand. Bei einem Date zeigte mir der Partner, was man alles damit anstellen kann, über das, was ich schon aus den Pornofilmen kannte und seitdem ist es meine Vorliebe. Inzwischen bin ich selbst Veranstalter einer Party und habe eine Firma, die Soxx vertreibt. Zum Karneval und CSD werden wieder die Sneak + Soxx Partys in Köln statt finden.

John aus Leipzig

John // © vvg

Ich bin sehr kommunikativ, spreche offen über meine Fetische und signalisiere deutlich, worauf ich gerade Bock habe. Ich liebe es bunt, renne zwar nicht mit einem farbigen Taschentuch in der Arschtasche herum, wie man das früher machte, trage aber schon der Aktion zugehörig farblich passende Armbänder. Wenn ich den Abend rot erleben möchte, gibt es Dinge, auf die ich mich vorbereite. Wichtig ist mir die Hygiene, ich achte also darauf "sauber" zu sein. Zur Vorbereitung gehört auch eine gewisse Vordehnung. Das kann man im Privaten gemeinsam machen, sollte man allerdings in Cruising Clubs unterwegs sein, kann es unvorbereitet unangenehm werden. Habe ich Lust auf gelb, trage ich Rubber, meistens im Shorts-Style. Dazu sollte man(n) vorher keinen Spargel oder Knoblauch verzehrt haben. Mir ist es am liebsten, wenn jemand vorher viel Flüssigkeit zu sich genommen hat. Da kann ein Abend durchaus mal an der Theke starten.

Ich liebe auch "Puppy"- und „Sneakers & Sox"- Parties, beide haben aber keine eigenen Farb-Codes. Passive Sniffer stehen auf länger getragene Socken, ich selber mag den Geruch von neuen Sneakern. Blau ist Blümchensex und gehört als Standartfarbe eigentlich generell überall dazu. Lediglich die Farben die sich mit Dirty-Dingen und Verletzungen beschäftigen, gehören nicht zu meiner Farbpalette.

Wie ein Abend farblich aussieht, weiß man durch die angebotenen Parties. Ich gehe gezielt aus und weiß, was mich erwartet und worauf ich mich einlasse. Die Auswahl meiner Partner geschieht durch Augenkontakt oder Gespräche und entscheidet sich nach Sympathie und gegenseitigem Gefallen. Partymöglichkeiten gibt es ausreichend: Gerade im letzten Jahr war ich viel unterwegs: Im Wiener LMC-Club „Hard On“, in Endhoven, Enschede, in diversen Großstädten oder im Karlsruher „Gearblast".

Joshua, „Mr. Puppy 2019 Germany” vom Niederrhein

Joshua // © vvg

Die Frage ist ja witzig, ich bin nämlich gerade auf dem Weg zu einem Date. Was mich genau erwartet, weiß ich allerdings noch nicht hundertprozentig. Ich gehe meist nur zu privaten Verabredungen. Was sich da ergibt, kann man ja vorher miteinander besprechen. Ab und an, aber selten, bin ich auch mal auf Crusingparties.

Die Farben, bzw. den Hanky-Code kenne ich übrigens noch aus den Zeiten der Veranstaltungen von „Kerle vor die Säue“ Ich habe diese Tücher in der Hosentasche aber nie bewußt eingesetzt. Meine bevorzugten Farben sind Blau, Rot und Gelb. Bei Blau ziehe ich die dunkelblaue Farbe vor, also eher anal als oral. Ich erlebe die Farben sowohl in der aktiven, als auch in der passiven Rolle. Bei Gelb (Natursekt) darf es auch gern dazu senfgelb (grosser Penis) sein, das ist aber nicht unbedingt ausschlaggebend.

Zur Vorbereitung bei Blau und Rot gehört natürlich, dass man vorher die Intim-Dusche benutzt. Bei Rot sollten ausserdem Latexhandschuhe und ausreichend „Schmiermittelbereit“ liegen. Gelb ist bisher selten vorgekommen und wenn waren beide nackt und es war auch eine Dusche in der Nähe. Bestimmte Kleidung muss ich nicht haben, ich trage am liebsten die nackte Haut. Mit bestimmten Kleidungsstücken käme ich mir eher verkleidet vor, wenn ich so etwas anhätte.

Ich kann mich einem Partner anpassen und wenn etwas nicht miteinander harmoniert, kann ich darüber sprechen. Im Notfall kann man ein Date auch immer beenden. Und wenn es gut war, bin ich auch gern mit dem selben Partner für Wiederholungen bereit.

Maik aus dem Sauerland

Maik // © vvg

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