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Neues Vorstandsmitglied bei der hms

Luan Pertl „Ich sehe es auch als Teil meiner Aufgabe in den hms Strukturen, das Thema Intergeschlechtlichkeit zu integrieren“

km - 02.03.2022 - 10:00 Uhr

Durch eine Zustiftung von Janka Kluge wurde der Waltraud-Schiffels-Fonds eingerichtet, welcher am 31. Dezember 21.000 Euro betrug. Der Förderschwerpunkt dieses Fonds liegt in der Unterstützung der Emanzipation von trans* Personen. Dr. Waltraud Schiffels (1944 – 2021) war eine Schriftstellerin und Germanistin, die in mehreren Werken ihre Transition beschrieben hat. Mit ihrem literarischen Schaffen wurde sie zu einer der ersten Frauen, die sich öffentlich mit ihrer Transition auseinandergesetzt haben.  Der Waltraud-Schiffels-Fonds soll einen Beitrag zum Empowerment der trans* Community im deutschsprachigen Raum leisten, durch die Vergabe des „Waltraud-Schiffels-Preises“ für herausragende Projekte aus der trans* Community, die Vergabe eines nicht dotierten Preises für das Lebenswerk von trans* Aktivist*innen und die Förderung von Projekten aus der trans* Community. Sowohl der „Waltraud-Schiffels-Preis“ als auch der nicht dotierte Preis für das Lebenswerk werden jährlich vergeben, das Preisgeld für den "Waltraud-Schiffels-Preis" beträgt 1.000 Euro.

Luan Pertl ist neues Vorstandsmitglied bei der hms Stiftung (Stiftung für queere Bewegungen) und sitzt in der Jury für den Waltraud-Schiffels-Preis. Luan selbst ist eine Inter-Person und betreibt dazu viel Öffentlichkeitsarbeit und Aktivismus.
Im Interview mit SCHWULISSIMO erzählt er, auf was er bei der Preisvergabe achtet, was der Preis bedeutet und wie sichtbar er das I in LGBTI* findet.


 

Luan Pertl © Organisation Intersex International Europe (oii)
Luan Pertl © Organisation Intersex International Europe (oii)

Du bist neues Vorstandsmitglied – wie kam es dazu?
Ich bin angefragt worden von einer anderen Vorstandsperson, ob ich mir das vorstellen könnte.

Was kann man sich da genau vorstellen?
Vorstandsarbeit bei der hms bedeutet, unter anderem Förderanträge zu prüfen und mit den Projekten in Kontakt zu sein. Wir machen auch Crowdfunding, da arbeiten wir enger mit den Projekten zusammen, da wir das Crowdfunding gemeinsam konzipieren und so unsere Reichweite genutzt werden kann. Zum Beispiel teilen wir Veranstaltungen von Projekten auf unserer Website.
Seit diesem Jahr gibt es den Waltraud-Schiffels-Fond und das ist ein Fonds für Trans*-Projekt, also aus der Trans*-Community für die Community. Da bin ich Jurymitglied zusammen mit der Ehepartnerin der verstorbenen Waltraud Schiffel und mit der Stifterin Janka Kluge. Wir haben gerade viele Anträge bekommen, die es eben zu prüfen gilt.

Du sitzt mit in der dreiköpfigen Jury für den Waltraud-Schiffels-Preis – Worum geht es bei diesem Preis?
Wie bereits gesagt, liegt der Fokus auf der Trans*-Community. Der Unterschied ist, dass wir eben nur eine Summe haben, also keine Projektförderung in dem Sinne – sondern einen Preis.  Ein Preis, den ein Projekt oder eine Person bekommt, für die Arbeit in der Trans*-Community. Deshalb ist es etwas schwieriger sich aus zig tollen Projekten, für eines zu entscheiden.

© Archiv
© Archiv

Auf was achtest du als Jury Mitglied? Was ist für dich preiswürdig?
Alles muss natürlich den hms Förderrichtlinien entsprechen. Beim Preis habe ich zwei unterschiedliche Aspekte. Auf der einen Seite, vor allem der jungen Trans*-Community eine Chance zu geben. Wir reden jetzt nicht von viel Geld – 1.000 Euro ist nicht viel Geld, es geht also mehr um die Sichtbarkeit. Wenn ich eine junge Trans*-Gruppe oder eine junge Trans*-Person auszeichne, die etwas besonders Tolles macht, steigt die Sichtbarkeit und damit auch die Chance von anderen mehr gesehen zu werden. So stärkt man deren Aktivismus und die Möglichkeit, andere Fördergelder zu bekommen.
Auf der anderen Seite gibt es auch einen Ehrenpreis, ohne finanzielle Mittel, sondern in Form einer Urkunde. Dabei achte ich mehr darauf, es Trans*-Personen zukommen zulassen, die eben schon lange aktiv sind und viel erreicht und getan haben. Das stärkt eben auch wieder die Sichtbarkeit und ist ein schönes Mittel, um Dankbarkeit auszudrücken.

In welchem Bereich der LGBTI*-Community liegt bei dir der Fokus bei der hms?
Ich bin eine Inter-Person und mache dazu viel Öffentlichkeitsarbeit und Aktivismus. Ich sehe es auch als Teil meiner Aufgabe in den hms Strukturen, das Thema Intergeschlechtlichkeit zu integrieren. Wichtig ist mir auch Geschlechtervielfalt zu stärken und mehr darauf aufmerksam zu machen. Neben diesen ganzen Stiftungsarbeiten ist das ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit. In der hms ist es uns aber auch wichtig, nicht nur in unseren eigenen Bereichen zu verschwinden, sondern sich mit allen Buchstaben der LGBTI*-Community zu befassen. Wenn wir miteinander arbeiten und uns nicht aufteilen, kommt am Ende keiner zu kurz in der Community. Wir gehören schließlich alle zur Community: vor über 20 Jahren habe ich schon ehrenamtlich in der Rosa Lila Villa in Wien gearbeitet. Die Rosa Lila Villa war das erste LGBTI* Haus in Wien.

Das I in LGBTI* ist zwar in der Abkürzung enthalten, kommt aber oft zu kurz. Wie siehst du das?
Ja, das ist definitiv so. Es ist von den Buchstaben, die enthalten sind, sicher noch am unsichtbarsten. Auch wenn ich in meiner „Inter-Bubble“ natürlich weiß, was wir alles geschafft haben. Mit Gesetzen in Deutschland und anderen Ländern, mit einer EU-Resolution 2019 und so weiter haben wir weltweit viel erreicht. Innerhalb der LGBTI*-Community ist es noch sehr unsichtbar und wird leider oft verwendet ohne den Blick für diese Menschen zu haben. Manchmal wird LGBTI* geschrieben und es hat gar nichts zu tun mit Inter-Personen. Das ist natürlich schade, weil wir natürlich Teil der Community sind und mitkämpfen und uns mit einsetzen. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, dass die Inter-Community eine „sehr junge“ Community ist. Vorletztes Jahr waren es 40 Jahre CSD Deutschland und 20 Jahre Inter-Geschichte Deutschland. 20 Jahre ist auch schon viel, aber im Vergleich natürlich nicht so viel. In den letzten Jahren haben wir auch innerhalb der Community viel geschafft und für Sichtbarkeit gesorgt – aber es liegt noch viel Arbeit vor uns.

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