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Musikerin Karin Ann

Musikerin Karin Ann „Ich möchte eine Community aufbauen, in der sich jeder sicher, akzeptiert und wohlfühlt – ohne zu urteilen“

km - 10.04.2021 - 10:00 Uhr

Die 18-jährige Slowakin Karin Ann genießt mit ihrer Musik bereits nationales und auch internationales Ansehen. Ihr Trap-Pop trifft den Nerv ihrer Generation und ihre Lyrics sind Forderungen nach Gerechtigkeit. Sie setzt sich für Feminismus, LGBTI*, das Klima und vieles mehr ein. Mit SCHWULISSIMO sprach sie über die Lage in der Slowakei, ihre Verbindung zur LGBTI*-Community, die Generation Z und Perspektivwechsel.
 

Wie kamst du zur Musik?
Ich wollte eigentlich zur Kunstschule, da malen und zeichnen meine Art war mich auszudrücken. Allerdings verletzte ich meine Hand, gefolgt von unschönen Komplikationen, die dazu führten, dass ich diesen Teil meiner Kreativität nicht mehr ausüben konnte. Musik gehört seit ich denken kann zu meinem Leben – ich bin mit der Musik von Queen aufgewachsen. Aber der gesellschaftliche Druck eines professionellen Jobs brachte mich eben zur Kunstschule. Es ist mehr angesehen, Grafikdesignerin zu werden als sich als Sängerin zu versuchen. Doch aufgrund meiner Verletzung tat ich dann Letzteres eben. Ich habe mir alles selbst beigebracht, da ich ein kreatives Ventil brauchte. Mit 14 fühlte es sich richtig an und ich wollte etwas aufnehmen. Also schrieb ich Produzenten an und einer arbeitete zum Glück mit mir. Ich produzierte ein Video dazu und lud es auf YouTube hoch, worauf sich ein großer slowakischer Produzent meldete – da war ich 16. Wir arbeiteten ein Jahr zusammen, bis wir etwas aufnahmen und dann kam eines zum anderen.

Wie ist die Situation für LGBTI* in deinem Land?
Es ist nicht gut, aber es wird besser. Früher wurden LGBTI* nie wahrgenommen oder gesehen und die Menschen, die nichts mit dieser Community zu tun hatten, wurden lediglich mit negativen Informationen versorgt. Wenn man allerdings nur die negativen Dinge hört, wird man sich ein dementsprechendes Bild machen. Das war ein großes Problem in vorigen Generationen. Das Internet macht es möglich, Dinge aufzuzeigen und zu teilen, was dazu führt, dass sich mehr eingesetzt wird. Man sieht nicht nur, was in der eigenen Straße passiert, sondern in der eigenen Stadt, im eigenen Land und weltweit.

Unsere Generation fokussiert die guten Aspekte der Community und sieht sie mehr in ihrem Alltag – dank des Internets. Es kommt zu einer Normalisierung in unserem Land – wenn auch langsam, aber diese Veränderung findet statt.

Wie bist du mit der LGBTI*-Community verbunden?
Ich habe Freunde und Familie in der Community. Ich labele meine Sexualität nicht und sehe mich als Teil der Community. Mir geht es um die Person selbst und nicht um die Sexualität oder die geschlechtliche Identifikation.

Musikerin Karin Ann

In deinem Musikvideo zu „Babyboy“ zeigst du die Diskriminierungen, die Menschen erleben aus der Rolle eines weißen, heterosexuellen Cis-Mannes, um zu verdeutlichen, wie schwachsinnig das eigentlich ist. Wie bist du auf die Idee gekommen?
Ich und der Regisseur wollten es erst aus der „normalen“ Perspektive zeigen, aber das war uns nicht deutlich genug. Es würde nicht den Nerv treffen, da die Menschen so etwas schon kennen. Es ist verrückt, dass wir einerseits diese hoch entwickelte Gesellschaft sind und dann im gleichen Atemzug weiße heterosexuelle Cis-Männer bevorteilen, obwohl wir alle gleich sind. Ein Perspektivwechsel ist für ein tieferes Verständnis einer Thematik extrem wichtig, besonders wenn man nicht selbst betroffen ist. Wir wollten zeigen, durch was Menschen tagtäglich durchmüssen und wir haben dabei nur einen so kleinen Teil von der Diskriminierung gezeigt.

Kann man bald mit einem Album rechnen?
Erst einmal kommt meine EP raus. Die ist fertig, seit Langem schon und die sollte sehr bald erscheinen – hoffentlich. Momentan arbeite ich an ein paar Singles, daraufhin würde ich gerne eine weitere EP rausbringen und dann in so ein bis zwei Jahren kommt ein Album.

Musikerin Karin Ann

Was sind die drei größten Probleme für die Generation Z?
Globale Erwärmung zum einen. Die politische Problematik zum Zweiten – dazu zählt auch Rassismus, Homophobie, Sexismus usw. Ein Land wie zum Beispiel die USA haben einen politischen Einfluss auf die ganze Welt. Und drittens mentale Gesundheit, weil ich glaube, dass Kinder immer depressiver werden. Sie sehen alle diese schlimmen Dinge und müssen diese selbst lösen. Das kann dazu führen, dass sie sich verloren, verzweifelt oder sogar überfordert fühlen.

Gibt es etwas, dass du unseren Lesern sagen möchtest?
Wenn ihr euch alleine oder verloren fühlt und meine Songs sprechen euch in irgendeiner Art und Weise an – schreibt mir. Ich bin für euch da und wenn es möglich wäre, würde ich euch umarmen. Ich möchte eine Community aufbauen, in der sich jeder sicher, akzeptiert und wohlfühlt – ohne zu urteilen.

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