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schwarz und schwul

schwul und schwarz "Ich habe eher den positiven Rassismus kennengelernt"

km - 02.02.2021 - 10:00 Uhr

Im Februar ist der Black History Month, der in Kanada und Amerika offiziell seit 1926 gefeiert wird. Ins Leben gerufen vom Historiker Carter G. Woodson – damals noch als „Negro History Week“. In Deutschland gedenkt man seit 1990 an diesem Tag. Und spätestens seitdem Vorfall von Polizeibrutalität an Georg Floyd und der steigenden Aufmerksamkeit der „Black Lives Matter“-Bewegung wurde den weißen, privilegierten Menschen unseres Landes auch bewusst, dass man sich mehr mit der Thematik Rassismus und der schwarzen Geschichte auseinandersetzen sollte. Wissen ist Macht, wie es so schön heißt und diese Macht braucht man für Veränderung.
SCHWULISSIMO möchte auf die Thematik „schwarz und schwul“ aufmerksam machen und spricht mit dem 29-jährigen Rene aus Hamburg. Geboren ist er allerdings an der polnischen Grenze – seine Mutter eine weiße Deutsche und sein Vater aus Mosambik. Da er momentan Single ist und nichts zu verlieren hat, bewarb er sich bei der Datingshow „Take Me Out – Boys Boys Boys“. 

 

Wie empfindest du Rassismus innerhalb der LGBTI*-Community?
Vorab ist es wichtig zu unterscheiden, welchen Rassismus ich wie empfinde oder erfahre. Denn durch meinen Ex-Freund wurde mir glücklicherweise vor Augen geführt, dass es nicht nur den allen bekannten negativen Rassismus gibt, sondern auch den positiven. Daher empfehle ich dringlichst jedem, der sich damit noch nicht auseinandergesetzt hat, dies nachzuholen.

In meinem bisherigen Leben habe ich eher den positiven Rassismus kennengelernt. Es heißt nichts anderes, als das ich durch meine äußere Erscheinung für den ein oder anderen Herren da draußen als Rarität zähle. Ehrlich gesagt wertete das mein Selbstwertgefühl bisher in jener Hinsicht etwas auf. Denn die Merkmale, die ich als Dunkelhäutiger mit mir trage, nutze ich in der Community vielmehr als Vorteil oder Reiz, da sie mich in dem Moment zu etwas „Einzigartigen“ machen.

Und wenn ich mein näheres Umfeld betrachte, so gibt es nie einen Gedanken daran, dass jemand rassistische Züge aufweist. Ich denke, die meisten Schwulen untereinander haben eher mit der allgemeinen Oberflächlichkeit innerhalb der Szene zu kämpfen, als sich den Rassismus zu Gemüte zu ziehen. Trotzdem stärkt sich die Community so sehr, dass der unausgesprochene Kodex „Wir seien eine Randgruppe“ keinen Raum für Rassismus zulässt.

Hast du regelmäßig mit Rassismus oder Homophobie zu tun?
Ich glaube stark daran, dass die Aufklärungsarbeit in meiner Generation Wurzeln geschlagen hat und dieses Thema weitestgehend aufgeklärt ist. Denn ich habe wirklich keinerlei Berührungspunkte mit der Thematik. Selbst mein weitreichendes Umfeld oder auch Menschen, die ich neu kennenlerne, stellen weder Fragen oder haben Anreize etwas anzumerken.

Hat sich etwas geändert im Umgang mit Rassismus in den letzten Jahren in Deutschland bzw. speziell noch einmal, nachdem 2020 die BLM Bewegung wieder in aller Munde war?
Durch den Wandel der Zeit finde ich schon, dass sich der Rassismus minimiert hat. Die Präsenz hat stark nachgelassen, dass ich sogar glaube, dass echte Rassisten ihr wahres Gesicht nicht zeigen werden. Da sie selbst sonst fürchten, von der in unsrer Zeit offenen Gesellschaft durch falsches Denken verachtet zu werden, da es den heute gültigen Idealen widersprechen würde.

schwarz und schwul - Rene im Interview

Hast du aufgrund deiner Hautfarbe Probleme beim Dating in der LGBTI*-Community?
Das ein oder andere Vorurteile mir gegenüber habe ich bereits erlebt. Hierbei haben die Datingpartner nur aufgrund meiner Hautfarbe darauf geschlossen, dass ich gelbe Handinnenflächen, einen Big Black Cock habe oder unangenehm riechen könnte. Ich bin froh, dass, wenn ansatzweise die Chemie für das Kennenlernen passt, sich derjenige selbst ein Bild von seinen Vorurteilen mir gegenüber machen kann. Und eines sei gesagt, dass ich stinke, hörte ich nie und meine Handinnenflächen sind als Mischling auch nicht gelb.

Aber im Großen und Ganzen habe ich keine Probleme beim Dating mit derartigen „dummen“ Fragen oder Anmerkungen. Ich schließe andernfalls in dem Moment für mich selbst eher auf die mangelnde Intelligenz meines Gegenübers.

Wie denkst du über dein eigenes Dating Verhalten oder wie schätzt du es ein?
Bis zum letzten Jahr habe ich geglaubt, ich müsste eine Beziehung suchen und habe eine Vielzahl an Dates gehabt und bin stets leer ausgegangen. Es folgten keine zweiten Treffen, das Ghosting setze ein. Wer kennt es nicht? Dating ist heutzutage ein bisschen wie Amazon. Du „bestellst“ dir ein Date, nutzt es, retournierst es, Rezession – Fehlanzeige. NEXT ONE.

Trotz dieser Erfahrungen gebe ich nicht auf, aber meine Erwartungen an die homosexuelle Männerwelt in Sachen potenzielle Beziehung sind schon etwas gesunken. Die direkte Suche habe ich aufgegeben. Ich bin nun der festen Überzeugung, es wird dann passieren und kommen, wenn es soweit sein soll.

Was muss deiner Meinung nach in die Köpfe der Menschen, um frei und offen Leben zu können?
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es wichtig ist, den Menschen zu übermitteln, dass es egal ist, wer man ist, welche Hautfarbe man hat, wo man herkommt, welcher Religion man angehört, etc…. Meiner Meinung nach muss jeder das tun, wonach ihm ist mit dem Gedanken im Hinterkopf „es ist Jacke wie Hose, was die anderen von mir denken – Hauptsache ICH habe Spaß an meinem Leben. Ich muss mich nicht für mein Sein und Handeln rechtfertigen.“

Für mich gilt: Leben und leben lassen. Denn mich interessiert es wirklich nicht, was Menschen, die mich nicht kennen, meinen, über mich urteilen zu können. Wenn alle diesen Gedanken etwas ernster nehmen, sorgt das für mehr Sicherheit und ein besseres Selbstwertgefühl auf der Welt. Außerdem gibt es bei jedem von uns Bestätigung durch Familie, Freunde oder Bekannte.

In jungen Jahren fiel es mir auch schwerer, ganz offen mit meinem Wesen als „schwarzer Schwuler“ zu leben, aber als ich in kleinen Schritten anfing, an mir zu arbeiten, merkte ich, wie ich in Richtung Freiheit lief.

Wie nützlich findest du Social Media-Trends wie den #blackouttuesday?
Dies ist für mich eine schwierige Frage, die ich weder mit „sehr nützlich“ oder „unnütz“ beantworten kann. Ich denke, dass es wichtig ist, Weltprobleme u. a. Rassismus und Homophobie nicht totzuschweigen und genau deswegen öffentlich zu thematisieren. Doch hier sehe ich oftmals einen gefährlichen Grad zwischen etwas bewegen wollen und eigenem Marketing. Zwischen den Menschen, die es ernst meinen oder Influencern, die teilweise nur ihre Reichweite erhöhen möchten.

Solche Aktionen sorgen für den Moment bei vielen Menschen für neue Denkanreize und es wird darüber geredet - was schlussendlich gut ist. Aber es sollte immer im Sinne der Thematik oder den Organisatoren der Kampagnen sein.

schwarz und schwul - Rene bei TakeMeOut Boys Boys Boys

Dieses Interview ist von einer Person aus der Community, doch diese ist vielfältig. Daher spiegelt ein Individuum sicher nicht die Norm ab. Das soll keine Pauschalisierung sein, die zeigen soll, dass Rassismus anscheinend doch kein großes Thema in der LGBTI*-Community ist. Damit würde man nur die verletzen, die regelmäßig damit zu kämpfen haben und deren Probleme kleinreden. Das wollen wir auf keinen Fall, denn es gibt genügend Fälle von Rassismus. Schreibt uns gerne auf Social Media eure Erfahrungen mit Rassismus in der Community.

Also seid lieb zueinander, geht offen auf die Menschen zu und legt Vorurteile und Diskriminierung ab - schließlich weiß jeder in der LGBTI*-Community, wie sehr so etwas wehtun kann.

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