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Stadt.Land.Schwul – Pat und Flo

Stadt.Land.Schwul – Pat und Flo Zwei ehemalige Landeier in der großen Stadt

km - 05.02.2022 - 10:00 Uhr

Pat und Flo sind zwei Village-People, die es in die Stadt gezogen hat. Natürlich nicht irgendeine Stadt – sondern Berlin. Zusammen betreiben sie seit drei Jahren ihren Podcast Stadt.Land.Schwul und bereichern die queere Podcastwelt alle zwei Wochen mit einer neuen Folge. Thematisch ist von Klatsch über queere News bis hin zu Interviews und Aktivismus alles dabei. SCHWULISSIMO hat mit den beiden Wahlberlinern über die Hauptstadt und ihren Podcast gesprochen.

 

Wie kam es zu diesem Podcast und zum Namen?
Pat: Ich bin großer Podcastfan. 2018 fiel mir auf, dass ich vorwiegend englische queere Podcasts hörte. In Deutschland gab es kaum welche. Somit kam mir die Idee, einen Podcast zu starten, den ich gerne hören wollen würde. Da ich in die “Stadt” gezogen bin, weil ich auf dem “Land”, wo ich groß geworden bin, nicht “schwul” sein konnte – mittlerweile sieht es vielleicht anders aus – kam mir der Name Stadt.Land.Schwul in den Sinn. Alleine macht so was nicht sehr viel Spaß, also fragte ich Flo, der einer meiner engsten Freunde ist, ob er nicht Lust dazu hätte, den Podcast mit mir zu machen. Er kommt übrigens auch vom Land. Nach dem Ausarbeiten des Konzeptes und der Produktion unseres Titelsongs ging der Podcast Anfang 2019 an den Start.

Ist das für euch ein Entertainment-, Laber-, Wissens-, oder Aktivismus-Podcast?
Pat: Alles in einem. Wir wollen authentisch bleiben, somit teilen wir, was in unserem Leben passiert, was oft sehr entertaint. Themen, die uns oder unserer Community am Herzen liegen, greifen wir auf. Durch Spezialist*innen, die in manchen Episoden teilnehmen oder durch Aufnahmen vor Ort wie z.B. in New York auf der Drag Con oder auf dem Wagen des CSD, spielt auch Wissen und Aktivismus eine große Rolle. Eben ein guter Mix aus allem.

© kiko dionisio
© kiko dionisio

Habt ihr Podcast-Vorbilder?
Pat: Wenn es um Entertainment geht liebe ich die Podcasts von Alaska Thunderfuck & Willam Belli, sehr gute Interviews führt Barbie Breakout und da ich selbst sehr an Psychologie und Beziehungen interessiert bin, liebe ich den Podcast von Esther Perel.

Flo: Ich höre tatsächlich keinen einzigen Podcast, weil es schlicht und ergreifend nicht mein Medium ist. Ich feiere aber jeden einzelnen queeren Podcast.

Was macht ihr außerhalb des Podcasts?
Pat: Ich bin queerer Paar- & Sexualtherapeut, somit spezialisiert auf die LGBTQIA+ Community
Flo: Ich bin Krankenschwester, ich arbeite mit jungen Psychosepatienten.

Kann man als Zugezogener irgendwann in Berlin ankommen oder wird man immer „nicht Berliner“ bleiben?
Flo: Als ich vor 10 Jahren nach Berlin gezogen bin, hat man mir gesagt, dass man nach 7 Jahren „echter Berliner“ ist. Ich habe mittlerweile gelernt, dass diese Aussage gelogen war. Meine, in Berlin geborenen, Kollegen nennen uns „Zugezogene“. Entweder bist du in Berlin geboren, dann bist du Berliner oder eben nicht, dann bist du ein Zugezogener!

Pat: Da ich seit 21 Jahren in Berlin und somit länger in Berlin lebe als auf dem Land, würde ich mich selbst als Berliner bezeichnen. Ich muss Flo aber recht geben, für gebürtige Berliner wird man nie Berliner sein, wenn man zugezogen ist.

Was sind die größten Unterschiede zwischen euch und gebürtigen Berlinern, die noch nie in einem Dorf gelebt haben?
Flo: Ich weiß gar nicht, ob es da so einen großen Unterschied gibt. Man stellt sich Berlin ja immer als die Riesenstadt vor, die sie ja flächenmäßig nun mal auch ist. Wenn man hier aber lebt, ist im Grunde jeder Bezirk wie ein Dorf. In jedem Bezirk hat man alles was man braucht, ich müsste theoretisch nie woanders hin. Ich glaube der umgekehrte Unterschied ist viel krasser. Wenn man auf dem Dorf lebt, hat man einfach zu vielen Dingen keinen Zugang oder nur sehr schwer. Gerade für queere Menschen ist genau das oft der Grund, warum sie in die Stadt ziehen.
Pat: Ich glaube, bestimmte Erfahrungen, die ich auf dem Dorf gemacht habe wie bei meinem Onkel frische Milch holen, heimlich auf die Koppel zu gehen und bareback die Pferde reiten, Blutwurst anzurühren oder im Wald Baumhäuser bauen sind Dinge, die in der Stadt schlechter möglich sind. Ich bin froh, dass ich diese machen konnte und sie sind ein wichtiger Teil der Person, die ich jetzt bin.

kiko dionisio
© kiko dionisio

Was waren die Hauptgründe für eure Stadtflucht?
Flo: Wie ich vorhin schon erwähnt habe, hat man auf dem Land zu vielen Dingen keinen Zugang. Für mich war ein weiterer Grund nach Berlin zu kommen, weil in Berlin die Menschen offener sind und weniger Berührungsängste haben. Berlin ist auch nicht so konservativ wie der Rest von Deutschland und internationaler. Wenn wir mit unseren Freunden beim Abendessen sind, sitzen da manchmal zehn verschiedene Nationalitäten am Tisch.

Pat: Ich wusste schon sehr früh, dass ich schwul bin und habe mich sehr verstellt, um ja nicht aufzufallen. Als ich bei VIVA, dem Musiksender das erste Mal die Liveübertragung der Love Parade gesehen hatte und Menschen, die halb nackt auf der Straße tanzten und zwei Männer, die sich öffentlich küssten – da war es um mich geschehen. Ich wusste, ich muss nach Berlin, eine Stadt, in der ich so sein kann wie ich möchte, ohne mich vor anderen und vor allem mir selbst verstecken zu müssen.

Was liebt ihr an der LGBTI*-Community in Berlin?
Flo: Ich liebe daran, wie unterschiedlich sie ist. Jede Farbe des Regenbogens hat hier irgendwo seinen Platz, seinesgleichen und seinen Safe Space gefunden. Ich persönlich schätze sehr, wie versaut hier alle beim Sex sind.

Pat: Mir geht es genauso wie Flo. Die Diversität der Stadt ist groß und dass es die Möglichkeit gibt, Alleys zu finden, die einen dabei unterstützen, wie man selbst sein möchte, ist einfach unglaublich schön. Ich liebe auch das queere Nachtleben sehr und die wilden Partys.

Vermisst ihr etwas aus der Zeit auf dem Land?
Flo: Ich vermisse manchmal die Ruhe und die gute Luft. Ich wohne auch in einem sehr jungen, lauten Viertel und liebe es. Aber manchmal wäre ich froh, alle würden mal für zwei Stunden die Klappe halten, nicht hupen oder schlechten Techno auf voller Lautstärke hören.

Pat: Ich vermisse den Blick ins Weite. In Berlin sieht man höchstens bis zur nächsten Häuserwand. Wenn ich zu Besuch im Schwarzwald bin und man kilometerweit sehen kann, das ist einfach unglaublich schön und ich weiß das jetzt mehr zu schätzen.

Mit Tattoos hast du (Flo) nicht gespart und hast damit einen recht auffälligen Look. Aber kann man in einer Stadt wie Berlin überhaupt auffallen?
Flo: Man muss sich schon sehr anstrengen, um in Berlin noch aufzufallen. Face Tattoos helfen da aber ganz gut.

kiko dionisio
© kiko dionisio

Hat das Format Prince Charming euren Podcast gepusht?
Flo: Wir hatten ja meine Teilnahme bei Prince Charming mit unserem Podcast begleitet. In unseren „Keeping up with the Charmings“-Folgen besprechen wir jede Folge nach und laden uns auch immer Gäste aus der Show ein. Das ging schon durch die Decke, weil es einfach für die Leute interessant ist, Hintergrundwissen zu erlangen, dass so im Fernsehen nicht gezeigt wurde.

Pat: Prince Charming ist ein tolles Format und wir werden auch die kommenden Staffeln wieder begleiten. Da freuen wir uns beide sehr darauf

(Schnell-Frage-Runde)
Was sind eure Tipps gegen den Corona-Frust?
Flo: Sex
Pat: Nachos & Cheese

Was habt ihr durch den Podcast Wertvolles über euch oder dem gegenüber gelernt?
Flo: Mir wurde klar, wie krass unterschiedlich Patrick und ich sind und das genau das unsere Stärke ist. Wie Yin & Yang oder Hanni & Nanni, wir ergänzen uns einfach perfekt – auch wenn er mir manchmal hart auf die Eier geht. Über mich selbst habe ich gelernt, dass ich manchmal schon extrem nuschle.

Pat: Egal wie unterschiedlich und anderer Meinung wir sind es doch immer schaffen, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Bei Flo weiß ich jetzt, wie ich ihn besser von Dingen überzeugen kann und über mich selbst habe ich gelernt, dass ich gewollt nicht lustig sein kann und dass es mir Spaß macht, über Dinge zu philosophieren.

Was schätzt ihr am jeweils anderem am meisten?
Flo: Ich schätze an Patrick sehr, wie strukturiert, ruhig und loyal er ist. Auch seine grenzenlose Liebe für die Menschen, die ihm wichtig sind, ist schon bemerkenswert.

Pat: Ich schätze Flos großes Herz und seine direkte offene Art. Wenn gewollt, steht Flo mit Rat und Tat zu Seite und man kann sich immer auf ihn verlassen. Eine Mutti durch und durch, einfach ein Herzensmensch.

Für was würdet ihr euch gerne 2022 mehr Zeit nehmen und warum?
Flo: Ich werde mir 2022 mehr Zeit für mich nehmen und mal aus meiner Komfortzone ausbrechen. Ich wurde in letzter Zeit sehr träge und hab ständig darauf gewartet, dass in meinem Leben etwas passiert. Ich habe aber verstanden, dass ich das selbst in die Hand nehmen muss.

Pat: Mehr Zeit für mich. Das letzte Jahr war sehr geprägt von Aus- und Weiterbildungen und mein Focus lag verstärkt auf meiner beruflichen Karriere. Dieses Jahr steht wieder mehr Freizeit und Genuss an. Ich habe dies sehr vernachlässigt und mir wurde bewusst das eine gesunde Balance das Leben viel einfacher macht.

Wie gut seid ihr in dem Spiel: Stadt.Land.Fluss bzw. in welcher Kategorie seid ihr unschlagbar?
Flo: Geografie (oder wie Patrick sagt: Erdkunde) ist nicht mein Fach. Bei „Promis“ bin ich gut!
Pat: Da ich viel reise, fällt mir Stadt und Land leicht. Erdkunde, Baby! Bei den Flüssen hapert es sehr.

© kiko dionisio
© kiko dionisio

Was sind eure Ziele für den Podcast?
Flo: Ich würde gerne nochmal „Keeping up with the Charmings“ machen und gerne mehr Live Shows! Unsere erste in Berlin war extrem witzig. Ich würde auch gerne wieder tolle Gäste zu spannenden Themen einladen. Insgesamt ist mir aber wichtig, dass Patrick und ich den Spaß daran nicht verlieren.

Pat: Money, Success, Fame & Glamour. Wie bei Flo gerne noch mehr Live Shows und “Keeping up with the Charmings” mit spannenden Menschen im Podcast. Hoffentlich bald wieder eine Podcastreise zu einem Event vor Ort mit Podcastaufnahme vor Ort.  Noch mehr Menschen mit der Arbeit, die wir leisten zu erreichen um ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind. Gerade in den ländlichen Gegenden, wo wenig queere Repräsentation stattfindet.

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