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Schwule und Drogen // © Marjan_Apostolovic
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Was macht den Reiz aus an Drogen? Schwule und Drogen

ms - 16.03.2019 - 07:00 Uhr

Partys ohne Drogen gehen einfach nicht. Und erst recht nicht, wenn es sich um eine Gay-Fete handelt. Und auch Sex ohne Poppers macht einfach keinen Spaß... Aber ist das wirklich so? Was macht den Reiz aus an Drogen, warum greifen Schwule häufiger zu Drogen, welche Substanzen sind dabei besonders beliebt und worin liegen die besonderen Gefahren?

Ein paar Zahlen ganz zu Beginn. Laut aktueller Studien aus dem Vereinigten Königreich haben mehr als 40 % aller homosexuellen Männer innerhalb eines Jahres zu Drogen gegriffen. Im Gegensatz dazu waren es bei den Heteros gerade einmal 11 %. Besonders oft werden dabei Cannabis, Kokain aber auch Ecstasy konsumiert, wobei die Partydroge laut Befragungen von Gays bis zu fünf Mal häufiger genommen wird als von Heteros. Unter den Gays außerdem beliebt sind Substanzen wie Mephedron (7 % innerhalb eines Jahres konsumiert) oder etwa das Narkosemittel Ketamin (4 %).

Die "Schwule" Droge Poppers
„Poppers“ ist vor allem in schwulen Kreisen weitverbreitet und wird vielfach gar nicht als richtige Droge angesehen. Studien zufolge greift in Deutschland ca. jeder Dritte regelmäßig zu Poppers, wobei „Rush“ die weltweit bekannteste und beliebteste Marke ist. Bei den Heteros sind es nur ein paar wenige Prozent, die diese Substanz „genießen“. Poppers exklusiv für Gays sozusagen... Es handelt sich um eine Substanz, die für eine Dauer von drei bis zehn Minuten sexuell stimuliert und dabei vor allem die Geschlechtsorgane und die erogenen Zonen sensibilisiert. Nicht zu vergessen ist auch die schmerzlindernde Wirkung von Poppers, wodurch die Substanz vor allem bei Bottoms sowie beim Fisting sehr beliebt ist. Der Schließmuskel entspannt sich und Verkrampfungen werden in der Regel vorgebeugt. Poppers wurde vor allem aufgrund der sofort eintretenden Wirkung sehr geschätzt und kann das eine oder andere sexuelle Abenteuer wahrhaft aufgeilen. Dies ist deshalb möglich, weil sich die Blutgefäße erweitern, der Blutdruck sinkt und das Herz schneller zu schlagen beginnt. Aber es ist Vorsicht geboten. Poppers kann süchtig machen und wenn ohne Poppers gar nichts mehr geht und auch bei der Selbstbefriedigung bereits das Fläschchen dabei sein muss, sollte Mann etwas nachdenken.

Auch der ganz natürliche Sex kann unglaublich geil sein. Auch wenn Poppers nicht überdurchschnittlich gefährlich ist, so können – vor allem bei erhöhtem Konsum – Nebenwirkungen auftreten. Vor allem ist mit Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen bis hin zu Kreislaufstörungen und Übelkeit zu rechnen. Äußerst gefährlich ist die Konsumation von Poppers in Kombination mit Potenzmitteln wie Viagra. Dabei kann es zu starkem Blutdruckabfall bis hin zu tödlichem Herz-Kreislauf- Versagen kommen. Wer Poppers nimmt, ist vielleicht auch eher bereit, ungeschützten Sexualverkehr auszuüben und das kann wahrhaft gefährlich sein. Die rechtliche Situation für Poppers ist etwas prekär. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich und in der Schweiz ist der Besitz von Poppers legal. Etwas komplizierter sieht es jedoch mit dem Handel aus. Genau gesehen sind der Verkauf und der Handel der Substanz legal. In vielen Sexshops sowie im Internet wird Poppers jedoch verkauft – teilweise mit verdeckten Namen. In der Regel bekommen die Käufer keine Probleme. Mann kann also ziemlich problemlos an Poppers kommen und hat normalerweise mit keinen Schwierigkeiten zu rechen.

Einstiegsdroge Marihuana
Die aphrodisierende Wirkung von Marihuana ist seit Jahrtausenden bekannt. Verantwortlich dafür ist die psychoaktiv wirksame Substanz Tetrahydrocannabinol der Hanfpflanze, welche zu einem relaxten Feeling führt und besonders euphorisch macht. Das Gefühl der
Kiffenden wird als ein Mix zwischen Entspannung, Euphorie, Gedämpftheit und Leichtigkeit beschrieben. Die positive Wahrnehmung wird verstärkt und eine beruhigende Wirkung tritt ein. Dabei kann vor allem auch die sinnliche Lust gesteigert werden. Berührungen werden besonders intensiv wahrgenommen, Zeit und Raum spielen keine Rolle mehr und der Phantasie wird freier Lauf gelassen.

Nicht immer und nicht bei jedem jedoch hat ein Joint dieselbe Wirkung. Es kann zu starken Kopfschmerzen, Angstgefühlen oder auch zu Schwindel und Zittern kommen. Vor allem droht eine große Gefahr der psychischen Abhängigkeit und Marihuana ist nicht selten die Einstiegsdroge, bevor dann zu härten Drugs gegriffen wird. Im Übrigen ist in Deutschland der Konsum von Cannabis legal, der Besitz jedoch verboten. Wobei: Wie kann man Cannabis konsumieren, ohne es vorher zu besitzen? Diesbezüglich eine für einige vielleicht etwas enttäuschende Nachricht aus dem Kiffer-Land Holland: Seit Mai ist es in einigen Grenzprovinzen der Niederlanden Ausländern verboten, Coffee Shops zu betreten, wobei dieses Verbot auf das ganze Land ausgebreitet werden soll. Wie und wo genau das Verbot jedoch kontrolliert werden soll, steht noch nicht genau fest. Außerdem wurde bereits gegen das Gesetz berufen …

Kokain, Speed & Co
Nun zu den definitiv verbotenen Drogen. Neben Marihuana zählt Kokain zu den meistgeschätzten illegalen Substanzen. Die Droge wird fast ausschließlich in Südamerika aus den Blättern des Koka-Strauches gewonnen, dann getrocknet und in weißem bzw. gelblichem Zustand hauptsächlich in Pulverform über die Schleimhäute der Nase eingenommen. Die Substanz beeinflusst insbesondere den Zustand der Nervenzellen im Gehirn. Aus diesem Grund fühlt man sich besonders gut, viel selbstbewusster als gewöhnlich und viele sind besonders kontaktfreudig. Das Hungergefühl schwindet, dafür steigt jedoch das sexuelle Verlangen. Kokain sorgt dafür, dass man sich für eine bestimmte Zeit besonders fit fühlt und sowohl physisch als auch psychisch in einem Top-Zustand ist. Wie bei allen Drogen sind auch gefährliche Nebeneffekte und Probleme feststellbar. Der durch Kokain „betäubte“ Körper neigt zu Herzrasen und Blässe, einer Erweiterung der Pupillen sowie zu Krampfanfällen.

Es kann auch zu einem massiven Anstieg des Blutdrucks, zu einer gestörten Herzfunktion und bei besonders intensivem Konsum sogar zu Schlaganfällen sowie zu Herzversagen kommen. Neben den unmittelbaren Nebenwirkungen ist auch eine Vielzahl an Langzeitwirkungen bekannt. Es können nicht nur Löcher in der Nasenschleimhaut entstehen, sondern dauerhaft abhängige Patienten klagen über Gewichtsverlust, Leberschäden oder Depressionen. Außerdem führt der Kokainkonsum zu Selbstüberschätzung und vermehrt auch zu Aggressivität. Die Vorstellung, der Konsum der Droge sei unter der Kontrolle, stellt sich in den meisten Fällen als Illusion heraus, weil vor allem ein extremes psychisches Abhängigkeitspotential gegeben ist.

Speed
Die Modedroge Speed kostet weniger als Kokain und ist daher vor allem bei rauschenden Partys sehr beliebt. Ähnlich wie bei Kokain werden nach der Konsumation von Speed gewisse körperliche Bedürfnisse und „Schwächen“ (Hunger, Durst, Müdigkeit) verdrängt und es entwickelt sich ein gehobenes Selbstbewusstsein. Die Wirkung von Speed hält gewöhnlich länger an und führt zu ähnlichen Nebenwirkungen wie der Kokainkonsum, wobei diese auch stärker und länger auftreten können. Besonders oft kommt es zu Schlafstörungen.

Ketamin
Vor allem unter den Gays großer Beliebtheit erfreut sich die neue In-Droge Ketamin, besser bekannt unter dem Namen „Special K“. Es handelt sich ebenfalls um eine pulverförmige Droge, die in den USA ursprünglich als Schmerz- und Narkosemittel eingesetzt wurde, aufgrund der zahlreichen Nebenerscheinungen jedoch prompt wieder vom Markt genommen wurde. „Special
K“ führt vor allem zu intensiven Halluzinationen, die sowohl fröhlich als auch traurig ausfallen können. Konsumenten berichten sogar von Empfindungen, dass sich der eigene Körper von der Psyche trennt.

Die Partydroge Ectasy
Ecstasy ist auch unter den Bezeichnungen E, MDMA oder XTC bekannt und ist gewöhnlich in Tablettenform erhältlich. Es handelt sich dabei um eine chemische Droge, genauer gesagt um eine Vielzahl von Phenylethylaminen, also komplizierte chemische Verbindungen. Etwa eine halbe Stunde nach dem Konsum von Ectasy gibt das Gehirn Dopamin und Serotonin frei, was zu einem relaxten Feeling und zu Euphorie führt. Die Wirkung der Droge kann bis zu vier Stunden andauern und dabei das Gefühl von einem perfekten Zustand und unglaublich viel Energie geben. Die Kontaktaufnahme ist unter Ecstasy-Rausch besonders ungezwungen und ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis tritt ein. Das Hunger-, Durst- und Schmerzempfinden des Körpers wird reduziert. Die Empfindung von Musik und Licht wird verstärkt, was auch die Beliebtheit bei Partygängern und vor allem bei vielen „tanzsüchtigen“ schwulen Szenegehern erklärt.

Auf der negativen Seite kann es jedoch oft zu Schwitzen, Angstgefühlen, Kreislaufstörungen und Panikattacken kommen. Außerdem kann die Körpertemperatur bis zu einem gefährlichen Level steigen und sogar mehrere Tage nach dem Konsum von Ecstasy fühlen sich Konsumenten mitunter schlecht und verwirrt. Ein regelmäßiger Konsum kann zu Herzschwäche, depressiven
Phasen und Muskelkrämpfen führen. Jedes Jahr fordert die Droge Ecstasy unzählige Tote, was vor allem durch Herzversagen, Austrocknung, Überhitzung oder die gefährliche Kombination mit anderen Drogen hervorgerufen wurde. Für das sexuelle Verlangen ist es nicht sonderlich anzuraten, dass Mann Ecstasy konsumiert. Die Droge kann zwar extrem anturnend wirken, es kommt aber vielfach zu Erektionsproblemen. Etwas hardcore ist die Kombination von Ecstasy mit Viagra. Dadurch wird das Erektionsproblem umgangen und Mann „muss“ unter Umständen mit einem stundenlangen Ständer rechnen.... Vorsicht: Diese Kombination ist gefährlich.

Besonders Gefährlich
Äußerste Vorsicht ist vor allem bei HIV-Infizierten geboten. Die Wechselwirkung zwischen Medikamenten gegen das Virus und Drogen kann besonders gefährlich sein. Gleiches gilt auch, wenn man andere Medikamente nimmt. Auch die Konsumation von mehreren Drogen gleichzeitig ist immer äußerst gefährlich und muss auf jeden Fall vermieden werden. Wenn schon Drogen, dann wenigstens nur eine...

Legale Drogen
Bei all den illegalen Drogen darf eines nicht vergessen werden: Es gibt auch eine Vielzahl an Drogen, die zwar legal sind, aber genauso süchtig machen und äußerst gesundheitsschädlich sind. Ist es gesünder, einmal im Monat einen Joint zu rauchen oder ab und zu eine Koks-Straße zu bauen als jeden Tag eine Schachtel Zigaretten zu rauchen oder täglich mehrere Flaschen Bier zu konsumieren? Die Beantwortung dieser Frage bleibt jedem selbst überlassen. Natürlich könnte die Liste noch um vieles verlängert werden, aber wir wollen ja nicht in den Drogenrausch verfallen … Wer wann zu welchen Drogen greift, bleibt natürlich in gewissem Maße (auch wenn es meistens illegal ist) jedem selbst überlassen. Und wir wollen hier auch nicht sagen „Hände weg von Drogen“, denn das hat sowieso jeder von uns schon tausend Mal gehört. Eines sei aber trotzdem gesagt: Die vielen Drogentoten, die Menschen, die in Entzugskliniken eine schwere Zeit erleben und die Nebenwirkungen können nicht abgestritten werden. Und ganz ohne Grund sind die Drogen wohl auch nicht illegal…

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