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WHO bewertet MPX als sehr beunruhigend, aber vorerst nicht als Notlage. In Deutschland starten die Impfungen diese Woche!
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Affenpocken: Virus mutiert sehr schnell WHO bewertet MPX als sehr beunruhigend, aber vorerst nicht als Notlage. In Deutschland starten die Impfungen diese Woche!

ms - 27.06.2022 - 11:00 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am vergangenen Wochenende erneut über die aktuelle Situation des Affenpocken-Ausbruchs (MPX) in Europa sowie in den USA, Kanada und Mexiko beraten und dabei entschieden, vorerst nicht die höchste Warnstufe auszurufen – diese definiert die WHO als eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ und wurde zuletzt bei der Corona-Pandemie ausgerufen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte jedoch, dass er wegen der Affenpocken zutiefst besorgt sei - es entwickele sich eine gesundheitliche Bedrohung. Um den MPX-Ausbruch einzudämmen, müssten Maßnahmen wie Überwachung, Risiko-Kommunikation, Kontaktverfolgung, Isolation, Behandlung und Impfungen verstärkt werden.

Die größten Ballungsländer sind derzeit Großbritannien und Deutschland, mit Stand von vergangenem Freitag (24.6.) sind laut Robert-Koch-Institut 676 Affenpockenfälle (MPX) aus 14 Bundesländern registriert, weltweit sind es rund 3.200 Fälle in über 50 Ländern, in den allermeisten Fällen sind die Betroffenen dabei nach wie vor homo- oder bisexuelle Männer. Auch der erste Todesfall wurde aufgrund von MPX in Brasilien festgestellt. Im Ursprungsland Zentralafrika gibt es aktuell 1.500 Verdachtsfälle und etwas mehr als 70 Todesfälle. Die dort zirkulierenden Virenstämme lösen schwerere Erkrankungen aus als jene, die man in Westafrika und nun auch in Ländern außerhalb des Kontinents beobachtet. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung gibt es dabei auch deutliche weitere Warnsignale, wie erste Studien aus Portugal aufzeigen: Die Mutationsrate sei etwas sechs bis zwölf Mal höher als üblich und sei möglicherweise ein wesentliches Zeichen für eine beschleunigte Evolution des Virus und seine schnelle Anpassung an den Menschen.

So erklärte auch WHO-Spezialist Ibrahima Socé: „Wir wollen nicht warten, bis die Situation außer Kontrolle geraten ist", und der Vorsitzende der WHO, Ghebreyesus, versicherte weiter, dass es sich um eine sehr ungewöhnliche und beunruhigende Entwicklung handele. Mit Blick auf die kommenden Pride-Events sowie andere große Festivalveranstaltungen bekräftigt die WHO ihre, bereits Anfang Juni getätigte Aussage, dass Vorsicht geboten wäre. Große Veranstaltungen können nach wie vor eine sehr „förderliche Umgebung“ für die Infektion mit dem Virus sein, dessen Ursprung in Afrika liegt. Eine generelle Absage von Groß-Veranstaltungen empfiehlt die WHO allerdings noch nicht.

Erst vergangene Woche wurden Fälle aus Berlin bekannt, in denen bei Menschen nach einer Nacht in einem Club eine positive Infektion nachgewiesen worden war. Generell wird das Virus durch engen Körperkontakt übertragen, überlebt dabei aber auch ungewöhnlich lange auf Gegenständen. Nach wie vor sind in erster Linie homo- und bisexuelle Männer von der Krankheit betroffen, grundsätzlich können sich aber alle Menschen gleichermaßen mit dem Virus infizieren. Epizentrum in Deutschland ist nach wie vor Berlin, hier verzeichnet das RKI den Großteil aller Fälle. Die Deutsche Aidshilfe rief daher letzte Woche dazu auf, zuerst vor allem jene schwulen und bisexuellen Männer gegen die Pockeninfektion zu impfen, die häufig wechselnde Geschlechtspartner haben. Eine Impfung direkt gegen Affenpocken (MPX) gibt es nicht, allerdings gegen die verwandten Humane Pocken, sodass eine hohe Wirksamkeit auch gegen MPX gegeben sein soll. Die EU hat bereits angekündigt, 110.000 Dosen des Impfstoffes kaufen zu wollen. In Deutschland sind insgesamt rund 240.000 Einheiten bestellt, wobei die ersten 40.000 Dosen ab Mittwoch in die Verteilung gehen sollen.  

Die Virusinfektion heilt nach drei bis vier Wochen ab, wobei während des Krankheitsverlaufs auch sehr starke Schmerzen gerade verbunden mit Hautausschlägen auftreten können – mehr als jeder zehnte deutsche MPX-Patient befindet sich deswegen unter starker Schmerzmedikation im Krankenhaus. Die am häufigsten auftretenden Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Hautausschläge ähnlich den Windpocken.

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